Foto: Amy Schumer | Instagram

Danke, Amy Schumer! Du sorgst immer wieder für etwas Normalität auf Instagram

Auf Instagram geht es um das (sehr) schöne Leben und um den vermeintlich schönen, weil super schlanken Körper. Was für viele Spaß ist, wird für Kinder und Jugendliche ein Problem, denn sie messen sich an dem, was sie für Realität halten. Deshalb ist es umso wichtiger auf diesen Plattformen auch immer wieder Normalität zu zeigen, wie es aktuell die US-Comedian Amy Schumer machte. Danke!

 

Instagram und Co: Der schöne Schein ist nicht harmlos

Instagram ist der digitale Ort für schöne Wohnungen, schöne Avocado-Toasts, schöne Kleider, und natürlich all die schöne Menschen. Und schön heißt hierbei sehr schlank, sehr schokoladenseitig, sehr sportlich – Filter, Photoshop und Aufnahme-Winkel sei Dank, zumindest bei den meisten. Ob das jetzt nervt oder eine Inspiration ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Denn ja, als erwachsener Mensch weiß man von den Hilfsmitteln und auch darüber Bescheid, dass die Bilder reine Momentaufnahmen sind und sich so fast jeder Normalsterbliche ein wunderschönes Leben zusammenstellen könnte. Man lässt halt einfach Wäsche- und Geschirrberge, das dröge Großraumbüro, das fahle Antlitz kurz nach dem Aufstehen, die Jogginghose mit dem Loch am Knie und Kinder mit Schnodderschnauze raus. Fertig! Irgendein ein bunter Salat, ein Sonnenuntergang und das eine schicke Kleid im Schrank werden es schon richten – und zack: Tolles Leben.

Alles halb so schlimm also? Ja und nein – denn Kinder und Jugendliche, die dort ebenfalls unterwegs sind, können an die Plattform nicht so reflektiert herangehen. Für sie ist das gesehen in der Regel tatsächlich das wahre Leben, das sie (vielleicht) nie führen werden und die wahren Körper, die ebenso in der Ferne erscheinen, aber natürlich zwingend zu erreichen sind, wenn man mal so ein toller Instagram-Star werden möchte. Alle anderen haben es im Leben doch sowieso nicht geschafft. Das Ergebnis davon sind Komplexe und die Idee von einem häufig alles andere als gesundem Körperbild, das sich still und heimlich immer weiterträgt. So antwortete beispielsweise ein Mädchen im Teenageralter in der am 5. Juli ausgestrahlten Sendung von „Dunja Hayali“ auf die Frage, warum eine Frau auf jeden Fall schlank sein sollte, dass im Internet eben auch alle schlank seien. Ob in dem Umfeld des Mädchens alle schlank sind? Wahrscheinlich nicht – aber die Beliebten, die Vorbilder sind es, und damit wird Schlanksein zum Credo und der Währung, um bei genau denen mitzuspielen.

Fast jedes zweite Mädchen hält sich für zu dick

Ist auch das nur eine Momentaufnahme, eine einzelne Wahrnehmung? Nun, leider nicht. Immer wieder zeigen Studien, dass viele (auch schon sehr junge) Kinder sich zu dick finden, wie etwa auch eine Studie der Weltgesundheitsorgansisation (WHO), die zum Ergebnis hatte: Über 40 Prozent der Mädchen zwischen elf und 15 Jahren finden sich zu dick, ganz unabhängig von ihrem BMI. Jedes zweite Mädchen hadert also mit seinem Körper, weil es von Schönheitsidealen bombardiert wird, die nicht zu erreichen sind. Dazu tragen ganz sicher nicht nur Instagram und Co. bei, sondern auch dass es ganz grundsätzlich zu wenig Vorbilder für Kinder gibt, die ein anderes Körperbild als Size Zero, Thigh Gaps (die Lücke zwischen den geschlossen Beinen) oder Crack Gaps (Die Linie am Rumpf zwischen Brust und Bauchnabel) propagieren. Sollten wir es tatsächlich normal finden, wenn schon elfjährige Mädchen (und auch Jungs) sich Gedanken über ihre Oberschenkel machen und darüber, ob sie durchtrainiert genug sind? Und das nicht, weil sie schneller als alle anderen in der Klasse sein oder weiter werfen wollen, sondern weil es geiler auf dem Foto für Instagram aussieht?

Nein, das ist absolut nicht normal. Und helfen kann da nur, dass zwischen all die (vermeintliche) Perfektion auf Instagram, auch immer mal wieder (und bitte immer öfter) ein Mensch rutscht, der auf Winkel, Speckröllchen und Filter einen feuchten Kehricht gibt – wie die sehr lustige, sehr schlaue, sehr erfolgreiche und sehr schöne US-Comedian Amy Schumer in der vergangenen Woche. Danke dafür, du bist ist immer wieder ein Lichtblick! Finden anscheinend auch über 200.000 Menschen auf Instagram, die dem Bild ein Like gegeben haben.

Quelle: Amy Schumer | Instagram

Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir im Privaten auch sehr viel dafür tun können, dass sich Kinder keine Gedanken über ihren Körper machen, dass ihnen klar wird, dass sich Attraktivität und viel mehr noch, der Wert eines Menschen (!) nicht am Körpergewicht messen lassen. Nämlich indem wir nicht über die Körper von Menschen jenseits der Konfektionsgröße 38 lästern, indem wir nicht vor Begeisterung in Tränen ausbrechen, wenn jemand in unserem Bekanntenkreis etwas abgenommen hat und am wichtigsten: indem wir nicht über unserer eigenen Körper herziehen, wenn Kinder in der Nähe sind. Denn wir können noch so sehr über Frauenmagazine schimpfen, die Dellen am Po oder Winkearme als Super-GAU darstellen, wir zementieren doch selbst permanent die Idee von einem Schönheitsideal, das schlank, straff und fuckable heißt! Und damit sollten wir wirklich dringend aufhören.

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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