Foto: Matheus Bandoch I Unsplash

Ständig gestresst? Warum das gar nicht sein muss

Stress und Erfolg scheinen fest miteinander verbunden zu sein. Wer Karriere machen will, muss einfach damit klarkommen. Oder stimmt das vielleicht gar nicht?

 

Der Stress und Ich 

Der Stress und ich sind treue Weggefährten. Wir gehen durch
dick und dünn. Uns verbindet eine Hass-Liebe. Wir können oft nicht gut
miteinander, aber irgendwie auch nicht ohne einander. Ich brauche ihn, glaube
ich, mehr als er mich. Oft erledige ich Dinge erst, wenn er schon sturmklingelt.
Er gibt mir aber auch ein gutes Gefühl. Wenn er da ist, heißt das schließlich,
dass ich viel zu tun habe – ein Zeichen, dass ich vorankomme. Denn – so mein
Gedankenmuster – erfolgreiche Menschen müssen doch eigentlich immer gestresst sein. Wie soll man all die Dinge, die man als erfolgreicher Mensch erledigen muss, denn bitte ohne Stress überhaupt schaffen?

So wie mir geht es vielen Leuten. Das bestätigt auch eine Umfrage des Gallup, eines der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute in den
USA. Laut dieser Umfrage haben 61 Prozent aller arbeitenden Amerikaner das Gefühl, nicht genug Zeit für die Dinge zu haben, die sie gerne tun würden. Ebenso haben 61 Prozent der befragten Personen mit Kindern konstant das Gefühl unter Zeitdruck zu stehen. 

Müssen wir also einfach mit dem Stress klarkommen?

Erfolg geht auch ohne Stress

Nein, sagt das amerikanische Magazin fastcompany.com. Schließlich zeige die Studie im Umkehrschluss ja auch, dass vier von zehn arbeitenden Befragten das Gefühl haben, genug Zeit für alles zu haben, das ihnen wichtig ist. Fast company  hat deshalb Leute interviewt, die sehr beschäftigt und erfolgreich sind, aber trotzdem keinen Stress empfinden. Wie sie das hinbekommen? Hier kommen ihre Tricks.

1. K.J. Dell Antonia, Redakteurin bei der NY-Times

Neben ihrem sehr zeitintensiven Job bei der New York Times, hat Dell Antonia vier Kinder, die alle Eishockey spielen und jedes Wochenende zu Spielen und Turnieren gebracht werden müssen. Selbst die Zeit, die sie wartend auf Parkplätzen vor Eislaufhallen verbringt, lässt sie nicht ungenutzt: Sie führt von da aus zum Beispiel Recherche-Interviews. Stress pur? Fehlanzeige. Dell Antonia weigert sich einfach, sich gestresst zu fühlen. Klingt banal, scheint aber zu funktionieren. In Momenten, in denen Stress aufkommen könnte, ruft sie sich in Erinnerung, dass sie genau da, wo sie gerade ist und sonst nirgendwo, sein soll. 

Darüber hinaus hat sie gelernt, ihre Zeit anders zu planen. Wenn sie einen Termin um 15.00 Uhr hat, rechnet sie von da an rückwärts aus, wie viel Zeit sie für jeden Schritt auf dem Weg brauchen wird. An diesen Plan hält sie sich dann und versucht nicht noch 1.000 Dinge spontan dazwischen zu quetschen. Damit umgeht sie das „I’ll just empty the dishwasher before we go’ syndrome“, wie sie es nennt. Seitdem ist sie pünktlich, oft sogar zu früh – und das entspannt sie ungemein.

2. Damon Brown, Gründer und Vater

In dem Jahr, in dem Damon Brown sich hauptverantwortlich um seinen Sohn gekümmert hat, hat er zwei Startups gegründet – klingt stressig, oder? Nicht für Brown. Sein Tipp: Sei dir sicher, dass alles, was erledigt werden muss auch erledigt wird. Jeden Morgen legt er drei Dinge fest, die er erledigen möchte, um seinen Zielen näher zu kommen. Diese Beschränkung hilft ihm sich zu fokussieren. Außerdem blickt er immer wieder auf das zurück, was er schon erreicht hat. Und schon ist er ganz entspannt. Darüber hinaus lässt er es zu,
dass es auch mal unproduktive Tage gibt. Dann erlaubt er sich einen „minimal-produktiven Tag“, an dem er nur das erledigt, was wirklich erledigt werden muss. Nach solchen Tagen ist er wieder bereit für die volle Ladung – ganz ohne gestresst zu sein.

3. Jeff Kavanaugh, Berater und Gastprofessor

Kavanaugh hat in seinem Leben viele erfolgreiche Geschäftsleute beraten. Was viele von ihnen gemeinsam hatten: Sie konnten nicht Nein sagen. Jede Minute freier Zeit musste mit neuen Verpflichtungen gefüllt werden. Da ist Stress vorprogrammiert. Sein Geheimnis: Den Dingen, die ihm wichtig sind, genügend Zeit einräumen. Soll das klappen, muss er automatisch aufhören den Dingen Zeit zu widmen, die er gar nicht tun will.

4. Abbie Duenckel, hat zwei Halbtagsjobs und ein Kind

Neben einer zweijährigen Tochter hat Duenckel zwei Halbtagsjobs. Da bleibt kaum Zeit für sie selbst, würde man denken. Duenckel sieht das anders. Ihrer Meinung nach liegt das Geheimnis darin, die freie Zeit, die man hat, zu genießen. Sie tut das jeden Abend zwischen neun und zwölf Uhr. Während andere Leute, diese Zeit mit Social Media verbringen, Duenckel trifft lieber Leute persönlich und führt lange Telefongespräche. Außerdem rät sie: „Wenn du das Gefühl haben willst, alle Zeit der Welt zu haben, versuche den Fernsehen, das Handy und den Computer an einem Abend nicht anzumachen. Realisiere wie langsam die Zeit vergeht, wenn du rausgehst und einfach die Sterne beobachtest.“ Auch hat sie ganz einfach akzeptiert, dass sie nicht alles schaffen kann – und, dass das auch niemand von ihr erwartet.

5. Jeff Heath, Geschäftsführer bei Matrix Applied Technologies

Durch seinen Job hat Heath 90 der ersten 270 Tage in diesem Jahr auf Reisen verbracht. Wie er es schafft, seinen Job gut zu machen und trotzdem eine glückliche Ehe zu führen, ohne gestresst zu sein? 

„Es mag abgedroschen klingen, aber ich versuche einfach immer präsent zu sein, egal was ich mache (…) Es gibt immer mehr zu erledigen als erledigt werden kann. Ich muss andauernd die bewusste Entscheidung treffen nicht zu arbeiten, was sehr schwer für einen Workaholic ist – aber es hat mein Leben besser gemacht.“ 

Außerdem teilt Heath sein Zeit unterschiedlich ein: Ist er unterwegs, arbeitet er 70 Stunden die Woche, ist er zuhause bei seiner Familie manchmal nur 30.

Tschüss Stress, mach´s gut. 

All diese erfolgreichen und entspannten Menschen, scheinen die kleinen Momente zu genießen und ihre Zeit bewusst zu nutzen. Darüber hinaus haben sie aber noch etwas gemeinsam: Sie nehmen sich selbst nicht zu ernst. Eine gute Einstellung, um den Stress gar nicht erst zuzulassen und trotzdem erfolgreich zu sein. Daran können wir uns ein Beispiel nehmen. Humor hilft ja eigentlich immer. In diesem Sinne: Lieber Stress, ich glaube, es ist Zeit, dass wir andere Menschen treffen.

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