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„Ich habe eine Lücke im Lebenslauf – wie schlimm ist das?“

Lücken im Lebenslauf werden heiß diskutiert: Die einen sagen, man solle offen damit umgehen und lieber bei der Wahrheit bleiben; die anderen raten dazu, lieber zu verschleiern. Was denn nun, und ist so eine Lücke wirklich so verheerend? Die Bewerbungsexpertin Britta Kiwit schafft Klarheit.

 

Wann ist eine Lücke eine Lücke?

Die wichtigste Erkenntnis: Eine freiwillig genommene Auszeit oder eine Work&Travel-Reise wird gar nicht als Lücke angesehen. Eigentlich sogar im Gegenteil: Diese Stationen komplettieren in vielen Fällen den Lebenslauf und sorgen dafür, dass er facettenreicher wird – wer wacht schon morgens auf und hat die nächsten zehn Jahre beruflich durchgeplant?

Geklärt werden sollte also zuerst einmal, wann man überhaupt von einer Lücke spricht: Als Lücke gilt jeder Zeitraum, der länger als drei Monate andauert und nicht erklärt wird. Das bedeutet, dass man in dieser Zeit weder eine Reise gemacht hat noch irgendeiner anderen Tätigkeit nachgegangen ist. Die Gründe hierfür können vielfältig sein und beginnen bei der Orientierungsphase nach dem Studium, gehen über Unfälle oder Krankheiten und enden bei einer freiwillig genommenen Auszeit. Je nachdem, ob die Lücke freiwillig oder unfreiwillig entstanden ist und wie stark sie die zukünftige Arbeit belasten wird, sollte man entscheiden, wie ehrlich man tatsächlich mit der Lücke umgeht.

Wie gehe ich mit „geplanten“ Lücken im Lebenslauf um?

„Sie haben eine Lücke im Lebenslauf!“ – „Ja war geil“ ist ein beliebter Spruch, der gerne benutzt wird, um klarzumachen, dass sich nicht das ganze Leben um dieses eine weiße Blatt Papier in der Bewerbung dreht. Das ist sogar verständlich, wenn man dabei nur eine Sache mit beachtet: Der HR-Manager oder die HR-Managerin, der oder die die Bewerbung in den Händen halten wird, ist auch nur ein Mensch und sucht nach Kriterien, die ihm oder ihr dabei helfen, sich für einen der vielen Bewerber zu entscheiden.      

So halten es auch die meisten Personaler: Wer Zeiträume unerklärt lässt, hat in den meisten Fällen etwas zu vertuschen. So gelten weggelassene Monatsangaben als auffällig, da man nicht einschätzen kann, ob das „Praktikum in 2009“ volle 12 Monate ging oder doch nur ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum im Juni war.

Entscheidet man sich bewusst für eine Reise nach dem Bachelorstudium oder ein Sabbatical nach fünf Jahren im gleichen Job, dann ist es absolut legitim, das auch genau so zu bezeichnen. Befindet man sich zwischen zwei Jobstationen und benötigt etwas Zeit für die Bewerbungen, dann beschreibt das wohl am besten die Phrase „Aktive Bewerbungsphase“ oder nach einem Studiumswechsel „Orientierungsphase“.

Bedeutet also: Wann immer eine „Lücke“ im Lebenslauf freiwillig hervorgerufen wurde, gilt es, offen und ehrlich zu den Beweggründen zu stehen und zu erklären, warum man sich dafür entschieden hat, diese Lücke in der Karriere zu riskieren.

Wie gehe ich mit „ungeplanten“ Lücken im Lebenslauf
um?

Schon schwieriger wird es bei Lücken im Lebenslauf, bei denen der Personaler davon ausgehen muss, dass die spätere Arbeit davon negativ betroffen ist. Denn so fair die Personalentscheider auch sein möchten: Sie werden sich bei einem Bürojob und bei gleicher Qualifikation der Bewerber immer für den entscheiden, der oder die nicht bereits die vierte Bandscheiben-OP hinter sich hat.

Diese Erkenntnis hilft dabei, abzuwägen, wie ehrlich man sein sollte. Eine schwere Depression, die über mehrere Jahre lang anhielt, muss zum Beispiel so nicht angegeben werden, genauso wenig wie eine gravierende Operation. Und auch wenn Lügen kurze Beine haben, gibt es Notlügen, zu denen auch ich mittlerweile unseren Kunden rate – schlicht deswegen, weil es auch immer noch eine Privatsphäre gibt, die der Bewerber behalten darf und nicht gezwungen ist, jedes kleinste Detail über seinen Werdegang preiszugeben.

Wie verhält sich also die Bewerberin, wenn es wirklich um die Karriere negativ beeinflussende Gründe geht? Ein „Auszeit durch private Veränderungen“ kann gleich mehreres umschreiben. Auch ein „Bereit für den Wiedereinstieg nach privater Auszeit“ erklärt dem Personaler, dass wohl etwas vorgefallen ist, toleriert aber im besten Fall, dass man im Bewerbungsgespräch nicht intensiv darauf eingehen möchte. Das Wichtigste ist nämlich vor allem eins: den Fokus auf die Gegenwart zu setzen und klarzumachen, dass jeder eine Lebensgeschichte hat, die im besten Fall das Hier und Jetzt aber nicht mehr beeinflusst und jeder eine zweite Chance verdient hat.

Lieblingstipp: Die Aufmerksamkeit weg von der Lücke und hin zu den Stärken lenken

Das Beste, was man bei jeder Art von Lücke tun kann, ist, sie entweder positiv zu umschreiben – zum Beispiel mit einer Auflistung von Nebentätigkeiten, die man in der un- oder freiwilligen Auszeit genommen hat – oder direkt von ihr abzulenken.

Wenn man zum Beispiel die letzten Monate der Elternzeit nutzt, um sich weiterzubilden oder auf den Wiedereinstieg vorzubereiten, dann sollte das unbedingt mit erwähnt werden. Dafür eignet sich zum Beispiel gut die
Formulierung „Elternzeit, parallel: Besuchen von Zeitmanagement-Seminaren“ oder „Elternzeit, parallel: Unterstützung des Familienbetriebs zur Vorbereitung auf den Wiedereinstieg“ oder „Elternzeit, parallel: Schreiben eines eigenen Blogs“. Alle Aspekte geben dem Personaler das Gefühl, dass dort jemand auf den
Wiedereinstieg nur so brennt.

Zu guter Letzt ist einer der wichtigsten Faktoren wohl, für einen roten Faden in den Unterlagen zu sorgen und die Lücken im Lebenslauf so zu integrieren, dass sie bestenfalls gar nicht richtig auffallen. Die Integration eines Kurzprofils, eine Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften über sich selbst, die Nennung von freiwilligem Engagement oder besonderen Interessen sind super Möglichkeiten, um die Aufmerksamkeit auf andere Punkte im Lebenslauf zu lenken.

– In eigener Sache –

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