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Partner und Kollege zugleich – kann das gut gehen?

Was passiert, wenn der eigene Mann sowohl Partner als auch Kollege ist, wenn Privatleben und Arbeit eins werden? Melina weiß es: Sie führt mit ihrem Mann eine Kreativagentur. Schlecht für die Beziehung?

 

Nein, wir hocken nicht 24/7 aufeinander!

Die folgende Konversation ereignet sich so (oder so ähnlich) auf fast jeder Veranstaltung, die ich besuche – egal, ob ich beruflich unterwegs bin oder eine private Einladung habe.

„Melina, was machst du eigentlich so?“
„Ich habe eine Kreativagentur zusammen mit meinem Mann.“

Darauf folgt die Antwort: „Waaas? Ich könnte NIE mit meinem Mann zusammenarbeiten. Ich bin froh, wenn ich den nicht den ganzen Tag sehe.“

Puh.

Ich kann das einerseits verstehen. Das klingt im ersten Moment vielleicht so, als würden wir 24/7 nebeneinander hocken und uns irgendwann anöden. Aber dennoch finde ich es erschreckend, diesen Satz von so vielen Frauen zu hören. Versuche ich hier täglich, eine Utopie zu leben?

Warum haben andere so viel Angst davor, enger mit ihrem Partner zusammenzuarbeiten? Sollte es nicht etwas Schönes sein, so viel Zeit mit dem eigenen Partner zu verbringen?

Zwar habe ich ein wenig recherchiert, doch das war eigentlich gar nicht nötig. Denn wir alle wissen: Es ist keine Seltenheit, dass Menschen aus derselben Branche Beziehungen führen. 

Aber: Kann das auf Dauer wirklich gut sein?

Wir haben nicht nur eine gemeinsame Agentur, sondern arbeiten auch im gemeinsamen Home-Office. Das ist für Solounternehmer nichts Ungewöhnliches und kann super produktiv sein, wenn man es richtig anstellt. Und nein: Wir haben keine Zehn-Zimmer-Villa. Wir leben und arbeiten in einer durchschnittlichen Wohnung. Soll heißen: relativ wenig Raum und viel gemeinsame Zeit.

Manchen macht das Angst. Sie glauben, dass sie schnell von dem anderen genug hätten oder dass sie plötzlich viele neue störende Seiten an ihrem Partner entdecken würden. Oder sie haben Angst um ihre persönliche Freiheit. Wobei ich mir da die Frage stelle: Welche Art von Freiheit meinen diese Personen eigentlich genau?

Meine schlichte Theorie dazu: Vor Konflikten wegzulaufen ist immer das Einfachste. Ich kann das natürlich auch verstehen. 

Das mag arrogant klingen, aber im Kern spiegelt das lediglich meine eigene Erfahrung wider: Wenn ich mit jemandem zusammenlebe, gehe ich ohnehin die Bereitschaft ein, auf einen gewissen Teil meiner eigenen Privatsphäre zu verzichten und mit allen Macken des anderen fertigzuwerden. Egal, ob die heute, in ein paar Monaten oder erst Jahren auftreten. Warum sollte das bei der gemeinsamen Arbeit anders sein?

Solche Ängste hatten wir nie, obwohl wir in unserem Freundeskreis beide als sehr unabhängige, freiheitsliebende Typen bekannt sind. Jeder von uns kann sich gut allein beschäftigen und ist dankbar für seine eigene freie Zeit. Ginge man nach der Theorie, müsste ein gemeinsames Home-Office also Gift für uns sein.

Mehr Konfliktpotenzial

Natürlich ist es eine zweischneidige Sache. Durch den gemeinsamen beruflichen Background hat man oft ähnliche Charakterzüge, viele gemeinsame Interessen und vor allem: die gleiche Motivation, Dinge anzupacken! Diese Leidenschaft für die Arbeit kann eine geballte Schlagkraft freisetzen. 

Andererseits wird’s bei Schwierigkeiten schnell persönlich und private Probleme belasten dann unter Umständen auch die beruflichen Aktivitäten. Eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben ist so gut wie unmöglich. 

Und Konfliktpotenzial ist ebenfalls reichlich vorhanden: 

„Du, da musst du dich noch mal dransetzen, das ist nicht gründlich genug recherchiert.“

Bei dieser oder einer ähnlichen Aussage ist es einfach menschlich, dass man sich persönlich schneller angegriffen fühlt. Und das ist noch ein harmloses Beispiel. Wer kennt das nicht – wenn der Partner die eigene Arbeit kritisiert oder weniger Wertschätzung zeigt als erwartet, können schon mal ein paar hässliche Worte fallen.

Von einem neutralen Chef würde ich diese, ohne mit der Wimper zu zucken, zurückhalten, mich kurz sammeln und dann noch einmal nachbessern. Etwas im Unterbewusstsein merkt dabei gleich: „Okay, das hier ist eine rein professionelle Kritik, also Augen zu und durch.“

Bereit sein, das eigene Ego wegzustecken

Warum sollten wir es dann tun? Weil die Vorteile der gemeinsamen Arbeit bei Weitem überwiegen! Ich will nicht mehr Zeit mit Leuten verbringen, die mir weniger wichtig sind als mein Partner. Wozu, wenn es auch anders geht? Wer keine Kinder oder andere Verpflichtungen hat, kann so eine großartige Chance nutzen.

Genügend Freiräume sind übrigens auch kein Problem: Jeder hat seinen Bereich und man kann die Türen schließen. Wenn ich Lust habe, mich mit anderen zu treffen, dann mache ich das einfach. Keiner geht die Verpflichtung ein, dem anderen rund um die Uhr auf der Pelle zu hocken. Es ist auch nicht so, dass wir nur noch im Doppelpack vorhanden wären: Wir besuchen unsere Kunden nicht immer zu zweit und manchmal betreut auch jeder ein Projekt allein.

Beziehungs-Aus? Von wegen! 

Wer gern mit seinem Partner zusammenarbeiten will, muss keine Angst vor einem Beziehungs-Aus haben. Ich glaube, dass das Zusammenarbeiten mit dem eigenen Partner eine sehr gute Charakter-Schule ist. Divenhaftes Gehabe und persönliche Eitelkeiten sind nirgendwo gefragt. Sie fallen lediglich in einer Beziehung, die sowohl privat als auch geschäftlich ist, schneller auf.

Solange man bereit ist, in manchen Situationen sein eigenes Ego wegzustecken und im Blick zu behalten, worum es eigentlich geht – um die größere Vision, das eigene Unternehmen zu stärken und aufzubauen – wird es der Beziehung nur nutzen, statt zu schaden, davon bin ich fest überzeugt. Wenn man das schafft, kann man eine Menge erreichen und wird zu einem perfekt eingespielten Team.


Diesen Text veröffentlichte Melina zuerst auf ihrem Blog „Vanilla Mind“.


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