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Gender-Pay-Gap: In welchen deutschen Städten kommen Frauen noch am besten weg?

Der Gender-Pay-Gap ist real – aber wie hoch er ausfällt, das ist von Stadt zu Stadt sehr verschieden, wie eine aktuelle Studie zeigt.

 

Liebe Frauen, vielleicht steht ein Umzug an?

Der Pay-Gap zwischen Frauen und Männern ist nicht nur ein leidiges Thema, sondern auch ein anhaltendes – Ende noch nicht in Sicht. Und das ganz gleich ob man die unbereinigten Zahlen (21 Prozent im Jahr 2016), also die grundsätzliche Diskrepanz zwischen dem Einkommen von Frauen und Männern oder die bereinigten Zahlen (sechs Prozent im Jahr 2016), die sich aus der Betrachtung von vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit ergeben, heranzieht. Beide Zahlen sind wichtig und müssen ernsthaft besprochen werden – vor allem hinsichtlich einer Lösung. Leider passiert das viel zu selten. Wesentlich lieber wird von einem per se geringeren Verhandlungsgeschick der weiblichen Arbeitnehmer gesprochen oder Argumente wie einer „freien Entscheidung“ von Unternehmen, Frauen weniger zu zahlen, weil sie ja auch Kinder austragen und dann eben ausfallen, angebracht. Und natürlich auch gern, dass Frauen halt viel lieber im Einzelhandel oder in der Pflege arbeiten als Männer – und da verdient man nun einmal nicht viel. Kann man nichts ändern. Tja, wie immer lieben Dank dafür. Denn natürlich kann und muss man auch hier endlich Gehälter nach oben ziehen und das vollkommen unabhängig, ob es sich um männliche oder weibliche Arbeitnehmer handelt. 

Auch der Fall der BBC-Moderatorinnen in der vergangenen Woche, die im Zuge des Lohntransparenzgesetzes erfahren haben, wie viel weniger sie im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen verdienen, und die nun mit einem öffentlichen Brief an die Führung reagierten, zeigt, wie sehr der Kampf um gleiche Löhne einem Kampf gegen Windmühlen gleichen kann. Denn ja, die Gehälter sollen in diesem Fall angepasst werden, allerdings erst bis zum Jahr 2020. Eine Farce, wenn man bedenkt, wie viel Geld den Frauen in diesen Jahren verloren geht und wie ungerecht das ist.

Welche Stadt hat den höchsten Pay-Gap?

Es scheint also weiterhin für Unternehmer schwierig einzusehen, dass Frauen nicht grundsätzlich ein schlechteres Gehalt verdient haben und dass eine Angleichung der Gehälter nicht erst über Jahre erfolgen kann. Umso interessanter sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Jobsuchmaschine Adzuna, welche das Einkommen von Frauen und Männern in Deutschland untersuchte. Hierfür wurde eine Stichprobe von 5.970 Lebensläufen mit einem Jahresgehalt über 50.000 Euro ausgewertet. Heraus kam dabei, dass der Pay-Gap teilweise sehr unterschiedlich ausfällt und es besonders eine Stadt gibt, die für Frauen in Sachen Einkommen kein attraktiver Wohnort ist. 

Wie die Zahlen zeigen, sollten Männer unbedingt erwägen, nach Hannover zu gehen, da werden die Untersuchten mit einem Topverdienst von durchschnittlich über 100.000 Euro pro Jahr nämlich besonders gut bezahlt. Für Frauen sieht es in dieser Stadt allerdings relativ düster aus, denn sie verdienen hier im Schnitt 53,30 Prozent weniger als die männlichen Arbeitnehmer. Das mag auch daran liegen, dass die hier untersuchten Einkommen vor allem von Personen stammen, die im Ingenieurswesen, in der Informatik und in der Autobranche arbeiten – und Frauen hier noch immer unterrepräsentiert sind. Aber auch die anderen Zahlen zeigen, der geschlechterbedingte Lohnunterschied ist ein riesiges Thema:

Auf Platz zwei der Städte mit dem höchsten Einkommen für Männer liegt Dortmund, gefolgt von Düsseldorf, München und Karlsruhe. Der Pay-Gap in Karlsruhe und Düsseldorf liegt „nur“ noch bei 30,5 Prozent – klingt doch schon wahnsinnig prima für uns Frauen. Nun ja. In Berlin pendelt sich der Pay-Gap dann bei 22,9 Prozent ein und damit belegt die Hauptstadt Platz vier der Städte mit dem geringsten Gender-Pay-Gap unter den Topverdienern. Auf Platz eins ist Nürnberg mit erstaunlichen 12,2 Prozent, gefolgt von Hamburg (20 Prozent), Köln (21,4 Prozent) und München, wo Frauen durchschnittlich 24,4 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Es spielt also nicht nur in Bezug auf das Thema Einkommen, sondern auch in Sachen Pay-Gap eine nicht unerhebliche Rolle, wo wir wohnen. Wobei man immer sagen muss: Von „etwas faireren“ Löhnen für Frauen zu sprechen ist immer noch ein Witz und kann beileibe nicht das Ende der Fahnenstange in Sachen Lohngleichheit sein. Natürlich spielen die Berufe, um es hier noch einmal zu erwähnen, eine Rolle bei den Einkommensunterschieden. Aber das erklärt weder, warum klassische Frauenberufe generell so unterbezahlt sind, noch, warum Frauen mit Topgehältern im besten Falle 20.000 Euro weniger Jahresgehalt bekommen als Männer mit Topgehältern. Hier herrscht einfach ein Missverhältnis, mit dem man sich auseinandersetzen muss. 

Aber bis dahin: Wer sowieso mal einen Tapetenwechsel braucht – wieso nicht einfach mal auch den Pay-Gap mit in die Überlegungen für einen möglichen Umzug einbeziehen?

Hier seht ihr, wo ihr am besten verdient – und wie sehr die Gehälter auseinandergehen:

Durchschnittsgehalt der Topverdiener:

1. Hannover: 103,884.08 Euro, 2. Dortmund: 87,676.99 Euro, 3. Düsseldorf: 85,102.15 Euro, 4. München: 83,533.06 Euro, 5. Karlsruhe: 82,302.88 Euro, 6. Köln: 80,837.69 Euro,  7. Hamburg: 80,253.99 Euro,  8. Mainz: 80,099.43
Euro, 9. Bochum: 77,915.17 Euro, 10. Nürnberg: 75,126.64 Euro.

Durchschnittsgehalt der Topverdienerinnern:

1. München: 67,220.68 Euro 2. Nürnberg: 66,967.75 Euro 3. Hamburg:
66,895.52 Euro 4. Köln: 66,570.07 Euro, 5. Düsseldorf:  65,191.21 Euro, 6. Berlin: 62,942.57 Euro, 7. Augsburg: 61,498.58 Euro, 8. Bielefeld: 61,099.81 Euro,  9. Frankfurt (Main): 60,240.04 Euro, 10. Stuttgart: 56,818.28 Euro.

Quelle: Adzuna

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