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Stellung beziehen gegen rechte Hetze – 4 Tipps für jeden Tag

Rassistische Sprüche und Vorurteile begegnen uns im Alltag an vielen Stellen. Wenn wir ihnen nichts entgegensetzen, werden sie stärker. Diese Tipps von Hannah können helfen, die eigene Sprachlosigkeit zu überwinden.

 

Rassismus umgibt uns

Wie sage ich meinen Nachbar*innen, dass ich ihre Aussagen über die neuen
Menschen im Haus nicht teile, die gerade aus Syrien hergekommen sind? Wie kann ich am Weihnachtsabend meinem Onkel deutlich machen, dass Geflüchtete nicht „an allem Schuld“ sind, ohne dabei die feierliche Stimmung zu ruinieren und ihn zum Nachdenken zu bewegen?

Auf Facebook und in anderen sozialen Medien und auch auf Demonstrationen fordern wir eine tolerante und bunte Gesellschaft. Aber im Alltag sind wir oft sprachlos und finden keine Worte, um gegen Vorurteile, Parolen und Hetze Stellung zu beziehen, wenn wir einem Menschen gegenüber stehen und nun wirklich etwas sagen sollten. Wir fühlen uns rhetorisch nicht gewappnet. Oder uns fällt kein schlagkräftiges Argument ein. Dann schweigen wir. Aber dieses Schweigen fühlt sich nicht gut an. Wir überlassen damit denen die Bühne, die lauter sind.

Aber: WIR SIND MEHR!

Nur: Wir sind bisher noch zu leise.

„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ – Erich Kästner

Es ist wichtig, dass wir uns hörbar und sichtbar von rechten Aussagen distanzieren. Auch dann, wenn uns die passenden Argumente gerade nicht auf der Zunge liegen. Und das jeden Tag und bei jeder Gelegenheit. Im Bus, im Wartezimmer, im Restaurant oder auch auf der Familienfeier.

Das Ziel ist zunächst nicht, den Anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Das ist oft gar nicht möglich, wenn die Weltanschauung schon sehr zementiert ist. Wir können aber deutlich machen, dass wir anderer Meinung sind.

So kannst du deine Meinung deutlich machen

1. Argumentiere mit Fakten. Aber fordere diese auch ein

Fakten zu bestimmten Themen kannst du recht einfach recherchieren. Entweder, um die eigenen Argumente zu stützen, aber vor allem auch, um die Argumente des Anderen zu hinterfragen. Ein Handy und Internet haben wir meistens zur Hand. Dann können wir sagen: „Woher hast du diese Daten?“, oder: „Zeig mir mal wo du das gelesen hast.“

2. Frag genau nach, um zu verstehen worum es überhaupt geht

„Was verstehst du unter Islamisierung?“

„Was genau macht dir Sorgen?“

„Hast du das selbst schon so erlebt?“

3. Distanzier dich

„Ich bin anderer Meinung.“

„Dem stimme ich nicht zu.“

„Diese Äußerung schockiert mich“.

Oder:„Ich habe das so noch nie erlebt. Ich kann die Aussage nicht bestätigen.“

Oder beim Weihnachtsessen im Kreis der Familie: „Wir werden uns zu diesem Thema nicht einig, denn ich sehe das ganz anders. Bevor wir im Streit enden, lass uns über etwas anderes sprechen.“  

Wenn man sich auf keine Diskussion einlassen möchte, könnt ihr auch demonstrativ den Raum verlassen zum Beispiel mit den Worten:„Ich kann diese Äußerungen nicht ertragen. Ich komme später wieder, wenn das Thema beendet ist.“

4. Such dir Verbündete

Wenn in größeren Runden Einzelne mit Vorurteilen und Parolen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, hilft es oft schon, die mit einzubeziehen, die schweigend dabei sitzen: „Ich sehe das ganz anders. Aber mich interessiert, was die anderen dazu denken. Ihr habt euch noch gar nicht geäußert.“

Jede Reaktion ist besser als keine Reaktion!


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