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Wie man mit seinen eigenen Fehlern umgeht, ist erfolgsentscheidend – viele machen hier aber einen Denkfehler

Zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen Welten. Eine Studie der Universität Mannheim zeigt, warum wir eigene Fehler schrecklich finden, während sie bei anderen akzeptabel sind. Das kann vom Erfolg abhalten.

Verletzlichkeit zeigen ist stark

Stellt euch einmal vor, ihr müsstet morgen vor einer Jury ein Lied von Whitney Houston singen – für die meisten von uns wohl ein schrecklicher Gedanke. Wir können doch gar nicht singen. Die werden uns auslachen. Hoffentlich sieht keiner, wie wir uns blamieren.

Und jetzt stellt euch vor, euer Sohn oder eure Tochter müsste morgen ein Referat in der Schule halten und käme mit genau denselben Ängsten heute zu euch. Ach, so schlimm wird das schon nicht, würden die meisten sagen. Niemand findet dich doof. Die werden alle staunen, wie schlau du bist.

Eigene Fehler sind schrecklich, die der anderen gut

Diese Diskrepanz zwischen der eigenen Vorstellung potenziell peinlicher Situationen und der Vorstellung anderer haben Psycholog*innen der Universität Mannheim jetzt genauer untersucht. Sie stellten fest, dass die Testpersonen es grundsätzlich positiv bewerteten, wenn sich andere ihren eigenen Unzulänglichkeiten stellen mussten – sei es beim Singen vor Publikum, einem Vortrag oder schlicht der Situation, dass Freund*innen einen in eine nicht perfekt geputzte Wohnung einluden.

Betrifft es aber die Proband*innen selbst, wurden sie unsicher und ängstlich. Die Vorstellung, selbst vor einer Jury aufzutreten oder den Freundeskreis in die etwas unordentliche Bude einzuladen, beurteilten die Testpersonen grundsätzlich negativ. Sie fühlten sich dann selbst unzulänglich, schämten sich für ihre eigenen Makel und Fehler – wenngleich die anderen selbiges als positiv betrachteten.

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Wer sich selbst verletzlich zeigt vor anderen, strahlt Stärke aus, weil er*sie etwas riskiert — und das ist letztlich ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Stellt euch vor, Steve Jobs hätte nie den Mac der Öffentlichkeit gezeigt, Ed Sheeran hätte sich nie auf eine Bühne getraut oder Elon Musk hätte nie eine SpaceX-Rakete ins All schießen lassen — aus Angst, sich zu blamieren.

Je abstrakter ein Ereignis, desto positiver sehen wir es

Anna Bruk, Sabine Scholl und Herbert Bless von der Universität Mannheim erklären die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung in einem Artikel im „Journal of Personality and Social Psychology“. Grund ist für sie der Grad an Abstraktion, wenn wir uns verschiedene Situationen vorstellen. So ist unsere Sicht stets positiver, je abstrakter wir uns ein Ereignis vorstellen.

Umgekehrt sehen wir Ereignisse negativer, wenn wir sie uns konkret vorstellen. Das ist immer dann der Fall, wenn wir selbst involviert sind, denn wir können uns sehr genau ausmalen, wie es ist, vor Jurys, Chef*innen oder Freund*innen zu stehen. Und die Vorstellung wird konkreter, je näher das Ereignis ist. So ist die Vorfreude auf eine Hochzeit Monate zuvor sehr groß, doch je näher der Moment rückt, desto mehr sorgt sich das Brautpaar, das etwas schief geht.

Wie das Phänomen die Karriere betrifft

Dieses Phänomen betrifft nicht nur Freizeitsituationen, sondern hat auch im Berufsleben deutliche Auswirkungen. So zeigt sich, dass Ärzt*innen oft Therapien verordnen, die sie selbst nie machen würden. Auch bei der Arbeit gilt, dass Kolleg*innen es schätzen, wenn andere ihre eigene Unsicherheit zugeben und um Rat fragen – selbst aber eine Heidenangst davor haben, andere um Hilfe zu bitten.

Einen Rat, wie sich diese gedankliche Diskrepanz bei uns eliminieren lässt, haben die Autor*innen der Studie nicht. Vielleicht hilft es aber schon, sich diesem Unterschied bewusst zu werden – und sich einfach mal öfter verletzlich, unsicher oder unzulänglich zu zeigen und zu merken, dass das Umfeld darauf weniger negativ reagieren, als wir eigentlich denken.

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