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Für die Erfüllung unseres Kinderwunsches auf alles verzichten? So ein Blödsinn!

Wenn es darum geht, wie man am besten schwanger wird, überschlägt sich unser Umfeld oft mit Ratschlägen. Muss ich wirklich jeder Empfehlung folgen oder gibt es auch ein „Zuviel des Guten”?

Freudige Erwartung

Am Anfang der Kinderwunschzeit ist alles aufregend und neu: Das Verhütungsmittel wird abgesetzt und das Abenteuer Schwangerschaft und Baby darf beginnen. In dieser Zeit schwelgen die meisten Paare in freudiger Erregung und genießen das Leben in vollen Zügen. Es scheint, als hätte die Hormonlage ihren Höhepunkt erreicht und sich wohltuend mit Zukunftsplänen und intensiven Gefühlsmomenten vermischt.

Wie verlockend, sich eine App für die monatlichen Verlaufskurve auf das Smartphone zu ziehen und in verschiedenen Foren nach fruchtbarkeitssteigernden Maßnahmen zu stöbern. „Das kann ja nicht schaden“, denken wir uns und voller Motivation füttern wir unsere App mit Zyklusdaten und uns (und unseren Partner) mit den neuesten Superfoods, weil ja auch das helfen soll.

Endlich etwas für die Gesundheit tun – der Partner zieht mit und tatsächlich fühlen wir uns aktiver und noch ein wenig aufgeregter, was unseren Herzenswunsch angeht. Aber da geht bestimmt noch mehr, oder? Es gibt so viele Möglichkeiten, Tipps und Tricks, die man befolgen kann, soll, muss.

Der Kinderwunsch krempelt dein Leben um

Hast du dich auch schon mal dabei ertappt, wie du deinen Lebensstil und deinen Alltag nach Dingen durchforstest, die eventuell dem Kinderwunsch im Wege stehen könnten? Was liegt auf dem Teller und was landet in deinem Magen? Ist das heiß geliebte Tässchen Kaffee vielleicht doch nicht so gut? Irgendwo hast du doch mal gelesen, dass Kaffee die Fruchtbarkeit beeinflusst. Und die Badewanne? Also die geht nun im Moment wirklich nicht – und schon gar nicht für den Partner. Wird ja auch mal ein paar Monate ohne Badewanne gehen … Die Sitzheizung – die muss jetzt auch mal Pause machen. Vielerorts steht schließlich geschrieben, dass eine Sitzheizung nicht gut für Spermien sei.

Wir haben Frühling und bald Sommer – Urlaubszeit! Urlaub ist fantastisch und ein echter Lichtblick im Jahr, nur das mit der Flugreise, das sollte nochmal überlegt werden. Was wenn wir gerade schwanger sind? Auch die Strahlungen oben in der Luft könnten negative Auswirkungen auf ein eventuell entstehendes Leben haben. Dann doch lieber die Fahrradtour durchs Elsaß – aber warte mal, langes Sitzen auf dem Fahrradsattel ist der männlichen Fruchtbarkeit nicht zuträglich. Und überhaupt Elsaß. Da gibt es Zwetschgenwasser und Cremant d’Alsace. Alkohol ist bei einem Kinderwunsch nicht gut. Da verkneift man sich besser das Gläschen. Sonst ist man noch hinterher Schuld, dass es nicht klappt. Tartes und Törtchen haben zu viel Zucker, den schrauben wir generell schon runter. Eine Ausnahme könnte da alles wieder ins Wanken bringen. Also besser nicht Elsaß.

Mit Freunden an die See? Die haben schon Kinder und das passt dann irgendwie auch nicht. Da ist dann auch immer die leise Angst davor, dass wir nach unseren Plänen gefragt oder kalt erwischt werden mit: „Na, wann ist es denn bei euch soweit?“ „Ach“, denken wir uns, „dann bleiben wir dieses Jahr mal zuhause.“

Was gut tut, ist erlaubt!

Und vielleicht fühlen wir uns  – unglücklich auf dem Sofa sitzend – vom Leben abgeschnitten. Wo ist die Freude hin? Wo der Genuss? Wo die Leidenschaft und das Quentchen Leichtigkeit? Die Verzichtfalle hat zugeschnappt. Aber, mach dir keine Sorgen, aus dieser Falle gibt es einen Ausweg.

Verordne dir bewusst all die Dinge, die dir immer Spaß gemacht, lecker geschmeckt und für einen kurzen Moment glücklich gemacht haben. Ganz egal, ob irgendjemand mal geschrieben hat, das dies oder jenes aus diesen oder jenen Gründen nicht ratsam sei. Frauen mit konkretem Kinderwunsch neigen dazu, alle Ratschläge zu jedem Zeitpunkt zu 100 Prozent durchführen zu wollen. Da summieren sich die Tipps & Tricks enorm und irgendwann sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Alle Tipps kann man gar nicht beherzigen – oft widersprechen sie sich ja sogar.

In erster Linie kostet es außerdem Kraft und Energie, die wichtigsten Ressourcen auf dem Kinderwunschweg. Mein Tipp deshalb: Geh in Gedanken an den Punkt zurück, an dem du glücklich und kraftvoll warst. Was hat dir Freude geschenkt? Wie sah dein/euer Wochenend-Ritual aus, das dich so froh gestimmt hat? Welches ist dein Lieblingsrestaurant und wohin wolltest du immer schon mit deinem Partner reisen? Hol dir diese Kraftquellen zurück. Stück für Stück. Tag für Tag.

Ilkas Text ist zuerst auf ihrem Blog erschienen. Wir freuen uns, ihn auch hier veröffentlichen zu können.

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