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Warum Plus-Size-Models uns kein besseres Gefühl geben

Plus Size ist der neue Trend, der sich Size Zero entgegensetzt. Schöne, anmutige Frauen, die vor allem eines gemeinsam haben: Kurven. Aber ist es wirklich der richtige Weg, solche Frauen mit dem Etikett „Plus Size“ zu versehen?

 

Ständig wechselndes Schönheitsideal

Das Schönheitsideal ist etwas, mit dem sich Kultur und Gesellschaft schon seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, herumschlagen. Mal ein bisschen dicker, dann wieder spindeldürr. Hier Wespentaille, dort dann so gut wie gar keine. Nicht nur, dass man bei diesem ganzen Hin und Her Gefahr läuft, ein Schleudertrauma zu bekommen, nein: 

Es lässt uns Frauen nach etwas streben, wovon wir uns eigentlich gar nicht beeinflussen lassen wollen.

Models prägen die Plakatwände, Fernsehspots und Zeitungsanzeigen. Models mit wunderschönen langen Beinen, durchtrainierten Körpern, perfekter Haut. Models, die uns schon im Kindesalter vermitteln: „Hey, schau mich an. So solltest du später auch aussehen, damit du begehrenswert wirkst.“ Und das nehmen wir so hin, weil es halt alle so machen.

Dank des Internets und den sozialen Netzwerken wissen wir, dass diese Ideale auch nur mit Hilfsmittelchen erreicht werden. Photoshop macht alles möglich! Was es alles möglich machen kann, seht ihr beispielsweise hier. Da wird aus einem Stück Pizza ein Model. Aber das nur so als Beispiel.

Nachdem jedenfalls diese ganzen ziemlich unheimlichen Entdeckungen ans Licht gekommen sind, setzt die milliardenschwere Modeindustrie, der wir natürlich auch trotz alles Wissens nach wie vor (und wenn es nur ein Stück weit!) verfallen sind, noch einen drauf: Plus Size Models. Models wie du und ich, Models mit Ecken und Kanten – und was viel wichtiger ist, mit Kurven. Models, die uns das Gefühl geben sollen, auch ein Teil des Großen und Ganzen zu sein. 

Das funktioniert leider nur nicht so. Hier können wir nämlich zwischen zwei verschiedenen Sorten „Plus-Size-Model“ unterscheiden.

Die erste Sorte hat nicht viel mit dem herkömmlichen BMI-14-Model zu tun: Es werden wieder die Ideale der, ich will es mal vorsichtig ausdrücken, der Fülligeren von uns präsentiert. Die mit vollen, prallen Brüsten, einer trotz allem schmalen Taille. Die mit kurvigen Hüften und langen, im Verhältnis dünnen Beinen. Die Frauen, die vielleicht fünf Prozent der Plus-Size-Kundschaft wirklich ähnlich sehen.

Die zweite Sorte definiert sich über Frauen, die ungefähr 3 Kilo mehr wiegen als ein Size Zero-Model. Damit werden praktisch alle anderen Frauen, die ihre Klamotten nicht in der Kinderabteilung kaufen, in die Sparte „Plus Size“ geschmissen. So auch ich. Und du bestimmt auch. 

Leute. Es ist klar, dass Designer sich attraktive, dem aktuellen Schönheitsideal entsprechende Frauen aussuchen, um ihre Kleidung präsentieren zu lassen. Aber uns muss klar sein, dass wir als Gesellschaft eben jenes Schönheitsideal bestimmen. Jeder ist schön und das auf die eigene Art und Weise. Und wenn wir aufhören, Frauen, die eine Konfektionsgröße von 38 tragen, als „Plus Size“ zu kategorisieren, dann geben wir vielleicht nicht nur ihnen, sondern auch uns selbst ein besseres Gefühl.

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