Foto: Stocksnap

Wie wir unsere Töchter zu pink liebenden Hascherln erziehen

Werkzeug und Fernrohre für die Jungen, pinkfarbene Iphones und Glitzereinhörner für die Mädchen: Kein Wunder, dass wir so stereotypes Verhalten heranzüchten.

 

Frauentag gegen rosa Wahnsinn

Ich bin entrüstet. Immer noch. Am 8. März war – wie wir alle aufgrund reger medialer Binnen-I- und Gehaltsdiskussionen mitbekommen haben – Weltfrauentag. Ein Tag, an dem die Frau mit all ihren Möglichkeiten (?) und ihren Leistungen (!) rund um Job, Familie, Kinder und Co im Mittelpunkt der Berichterstattung steht. 

Exakt drei Tage später „laufe“ ich im wahrsten Sinne des Wortes in einen rosa Wahnsinn, der mich an der Ernsthaftigkeit dieser Diskussionen mehr als zweifeln lässt: Im Magazin-Shop kündigen an zwei Seiten platzierte Schilder Kindermagazine an. Unter dem einen Schild findet man blaue, grüne, gelbe, rote Heftchen, eingeschweißt in extra Kunststofffolie, damit die beigelegten Gadgets wie Kompass und Kaleidoskop sicher ihrem Käufer zugeführt werden können. 

Doch dreht man – oder besser gesagt „frau“ – sich 90 Grad weiter, wird sie von einer pinken Welle an Sinnlosigkeiten überrollt: Rund 30 verschiedene, knallpinke Magazintitel zeigen Mädchen, womit sie sich so zu beschäftigen haben: Fake-Lipgloss, pinkes Plastik-i-Phone, Plastik-Einhorn… geziert von Manga-ähnlichen Girlies mit schwungvollen Riesenwimpern. Nun frage ich mich: Führen wir tatsächlich und ernsthaft eine Geschlechterdiskussion rund um die Möglichkeiten unserer Töchter?

Wer noch einmal zu mir sagt „Unsere Töchter stehen total auf Pink, und ich weiß nicht, wieso“ oder „Meine Kleine will unbedingt ein Pferd, dabei hat sie nicht mal eine Freundin, die eines hat“ …Wer also das sagt und tatsächlich glaubt, dem sei geflüstert, dass diese illusorischen Hefte die Realität unserer Kinder prägen. Sie zeichnen eine Welt, die für die kleinen Leserinnen erstrebenswert scheint. Solange wir unseren Töchtern also Magazine samt Schminkspiegel, Glitzer-Plastik-Fake-Iphones und sinnlosen Einhörnern vorsetzen, bezeichne ich alle Gender-Diskussionen als genauso scheinheilig wie Kritik an Germany´s Next Top-Model.

                                                                               Quelle: Barbara Pirringer

Ich bin immer noch entrüstet. Und ich behaupte sogar, wir züchten absichtlich Männer, die sich von Kindheit an mit echten Aufgaben beschäftigen, die Werkzeuge bekommen, um die Welt zu erfassen und selbst zu gestalten. Und wir züchten absichtlich „dumme“ Hascherl, die am Glitzer-Iphone und mit Schatzis Kreditkarte nach pinken Einhörnern googlen. Anders kann ich mir das Angebot und die Nachfrage dieser Magazinpalette beim besten Willen nicht erklären.

Hascherl ist übrigens eine in Österreich und Süddeutschland verbreitete Bezeichnung für ein bemitleidenswertes, oft naives Kind oder eine naive Person. 


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Barbaras Blog. Wir freuen uns, dass wir ihn auch bei uns veröffentlichen können.

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