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Man kann nicht alleine auf ein Festival gehen? So ein Quatsch!

Wie es sich anfühlt alleine auf ein Festival zu gehen und wie es helfen kann, die Einsamkeit zu bekämpfen und mit sich glücklich zu sein.

 

Ganz allein auf einem Festival 

Es ist heiß. Jeder Schritt ist staubig, als ich auf dem Weg Richtung Festival-Gelände unterwegs bin. Die Musik wird mit jedem Gang lauter und die Menschenmenge wird größer. Vor mir geht eine kleine Gruppe junger Studenten, sie lachen und schmieden Pläne, was sie als erstes auf dem Festival sehen wollen, es wird abgestimmt, denn man will zusammenbleiben. 

Ich muss diese Unterhaltung heute nicht führen. Ich geh mit mir selbst aus. Allein. Es soll nicht traurig klingen, denn das ist es nicht. Klar irgendwie ist es so gekommen, dass ich eigentlich eine zweite Karte übrig habe, aber es macht mich nicht traurig. Und einfach mal los gehen und schauen was passiert, das Beste aus dem Tag machen, das ist nicht traurig, das ist mutig, finde ich. Also los.

Musik, Menschen, Lachen 

Ich komme dem Eingang immer näher und dann geht es irgendwie ganz schnell, die Eintrittskarte abgeben, einen Stempel aufs Handgelenk und schon mache ich mir gar keine Gedanken mehr dazu, dass ich alleine unterwegs bin. Neben dem Eingang arbeitet ein Graffiti-Künstler an seinem Werk, eine Gruppe Mädels sitzt im Schatten und genießt das Essen der Food-Stände. Ich gehe erstmal an die Bar, um mir etwas zu trinken zu holen. 

Mit einem Bier in der Hand geht es Richtung Hauptbühne, mitten in der heißen Nachmittagssonne spielt eine Indie Band, überall liegen und sitzen Menschen vor der Bühne, genießen die Sonne und die Musik. Ich setzte mich einfach dazu. 

Es fühlt sich gar nicht so alleine an, jeder redet hier mit jedem, Kinder laufen durch die Menge und spielen mit Wasserpistolen, die Musik ist angenehm laut. Ich lasse mich treiben. 

Zweiter Eindruck

In der Sonne sitzend genieße ich das Treiben um mich herum, genieße die Ungebundenheit. Entscheide, dass ich jetzt etwas essen könnte, also stehe ich auf und mach mich auf den Weg zu den Food-Ständen. In der Warteschlage treffe ich alte Bekannte, man grüßt sich, ein wenig Smalltalk, so geht praktischerweise auch die Warterei schneller vorbei. 

Mit meinem Burger in der Hand suche ich mir ein schattiges Plätzchen. Perfekte Sicht auf all die Menschen, die Vielfalt und das Treiben. Ich komme mit einem Pärchen ins Gespräch und schnell ist klar, das nächste Konzert schauen wir uns zu dritt an. Also wieder zurück zu den Bühnen. Wir reden, lachen. Nach der Band gehen wir wieder getrennte Wege, schön wars. 

Die Nacht beginnt. Und über das Festival Gelände legt sich eine angenehme Kühle. Noch eine Band, eine kleine Tanzperformance, eine Theater-Liebesgeschichte und ein paar Getränke später mache ich mich auf den Weg Richtung Ausgang.

Heimweg

Es ist mitten in der Nacht, von der Sonne gebräunt und glücklich begebe ich mich auf meinen Weg nach Hause. Es war ein guter Tag. Dass ich alleine unterwegs war, habe ich selten gemerkt. Ich habe viele neue Menschen getroffen, Eindrücke ganz anders, fast schon bewusster, erlebt.

Mitgenommen von diesem Festivaltag haben ich ein Gefühl, ein Gefühl mit mir selbst im Klaren zu sein. Das Wissen, dass ich alles machen kann, wenn ich nur mutig bin. Klar, dass ich alleine unterwegs war, ist keine große Heldentat, aber es ist ein Schritt, eine Aussage und ein Gefühl. Ich mag mich, ich kann auch mit mir alleine sein und alleine unter Menschen, denn ich bin nicht einsam. Dieses Gefühl hilft, wenn es grade mal nicht so gut läuft oder eine neue Liebe zerbricht.

Und jetzt ?!

Rückblickend kann ich nur empfehlen: Macht mehr nur mit euch, so ganz allein. Einfach mal in einem Restaurant Essengehen, ein Konzert oder einen Kinofilm alleine besuchen, wer weiß was es für jeden einzelnen bringt. Aber eins ist sicher, bevor wir zu viele Abende alleine Zuhause verbringen und in Einsamkeit zerfließen, sollten wir mutig sein und das Alleineausgehen zelebrieren, denn alleine unter Menschen verliert die Einsamkeit ihre Kraft. Zusammen alleine ist man weniger einsam. 

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