Foto: Christian Newman | Unsplash

Altersarmut: Das sind die größten Fehler, die Mütter in Bezug auf Geld und Beruf machen können

Denkt bloß nicht, ihr seid über euren Ehemann und oder den Vater eurer Kinder finanziell abgesichert. Die Zeiten sind vorbei! Und wer sich nicht mit dem Thema beschäftigt, ist eventuell im Alter arm.

 

Was finanzielle Sicherheit heute bedeutet

Eine neue Studie, die Ende Februar veröffentlicht wurde, machte es deutlich: In keinem OECD-Land tragen Frauen mit Kindern so wenig zum Haushaltseinkommen bei wie in Deutschland. Der durchschnittliche Anteil bei Paaren mit Kindern beträgt in Deutschland 22,6 Prozent. Das ist nicht gut, meine Damen … wir müssen reden!

Werfen wir noch mal kurz einen Blick zurück: Es gab eine Zeit, da war eine Frau abgesichert, wenn sie heiratete, Kinder bekam und sich um Haushalt, Ehemann und Nachwuchs kümmerte. Der Mann zahlte, die Frau stand der Hälfte des Gewinnes zu, bei einer Scheidung bekam sie Kinder, das Sorgerecht plus die Hälfte des Ehegewinnes ausgezahlt, dazu gab’s Unterhalt für die Kinder und Extra-Unterhalt für sich!  Das waren vergleichsweise sichere Zeiten für Mütter und ihre Kinder – und harte Zeiten für Väter, wenn ihre Frauen die Scheidungen einreichten, vorausgesetzt natürlich, der Ehemann war zahlungsfähig. Aber: Diese fetten Jahre sind vorbei! 

Der Staat pimpt Mutterschaft nicht mehr in dem Sinne, wie er es eben früher getan hat, sondern möchte lieber möglichst viele Steuerzahler und Steuerzahlerinnen und „fördert“ dementsprechend,  dass alle Eltern arbeiten gehen. Leider steht das zum Widerspruch mit der harten Wirtschaftsrealität, Mütter sind nicht gerade erste Wahl auf dem deutschen Arbeitsmarkt – auch wenn immer wieder gute Argumente dargelegt werden, wieso Mütter tolle Managerinnen abgeben würden – meistens ernten diese Versuche mildes Lächeln.

Noch ein Grund, warum die Lage sich geändert hat: Weil viele Ehemänner es leid waren, ewige finanzielle Verantwortung für ihre Ex und die Kinder zu tragen (obwohl es ja löblich ist), liefen sie den politischen Entscheidungsträgern die Türen ein, gründeten Lobbyverbände und setzten durch, dass die Gesetze geändert oder ganz abgeschafft wurden. Heute ist es so, dass Mütter für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen müssen, sobald das Kind drei Jahre alt ist. Mit der Folge, dass heute nach einer Scheidung oder Trennung inzwischen die Väter in der Regel finanziell begünstigt werden und Mütter UND die Kinder das Nachsehen haben. Alleinerziehend zu sein ist eines der größten Armutsrisiken unserer Gesellschaft geworden.

Ganz ehrlich: So billig wie heute kamen Väter noch nie weg

Im Bezug auf ihre Vaterschaftspflichten wurde es den Männer durch Politik und Gesetzgebung inzwischen „easy like Sunday Morning“ gemacht, so dass es sich inzwischen für Männer fast richtig lohnt, Frauen zu schwängern, sie sitzen zu lassen und im Nachhinein, je nach Lust und Laune und Wochentag zu entscheiden, ob sie sich denn nun um den eigenen Nachwuchs kümmern oder nicht kümmern wollen.

Im Rechte einfordern sind die Väter inzwischen gut organisiert – das Engagement steht leider im Gegensatz zur Einhaltung ihrer Unterhaltspflichten, Sorgerechtspflichten und Umgangspflichten. Wenn Väter sich nicht um den Nachwuchs kümmern wollen, sind die Möglichkeiten von Müttern und Kindern sehr begrenzt. Ganz ehrlich: So billig wie heute, kamen Väter noch nie weg. 

Das Praktische für die Herren Väter in Deutschland anno 2017: Wenn die Rechte nicht eingehalten werden, geht die Gerichtsmaschinerie gegen die Mütter los, wenn sie allerdings ihre Pflichten nicht einhalten, passiert in der Regel faktisch erstmal: GAR NICHTS. Der Staat hat noch immer kein funktionierendes Konzept, Unterhalt einzutreiben.

Verkehrte Welt eigentlich. Ändern kann man das nur, in dem die entsprechenden Gesetze (wieder) geändert würden. Das machen Politiker aber nur auf Druck aus der Bevölkerung – und noch sind zu wenig Frauen politische aktiv. Leider. 

Frauen müssen heute finanziell unabhängig sein

Frauen müssen heute, wenn sie Mama werden wollen, komplett anderes denken, als ihre Mütter: Sie müssen vom Mann finanziell unabhängig sein und bleiben.

Nur leider: Anders als in der DDR, als der Arbeitsmarkt um jede Arbeitskraft rang, ist in der deutschen Wirtschaftsrealität 2017 – schon gar nicht bei den sicheren Festanstellungen – nicht viel Platz für berufstätige Eltern! Es  gibt zu wenige gut bezahlte Jobs für Mütter, wenn dann sind sie in den Pflegeberufen und an den Supermarktkassen zu finden, die Niedriglöhne zahlen.

Die Kinderbetreuung für kleine Kinder ist für den Staat teuer und es lohnt sich, wenn Mütter diese Arbeit selbst übernehmen. Die bezahlten Jobs werden meisten viel lieber den Leuten überlassen, die flexibel arbeiten können, von Wirtschaftsunternehmen ordentlich eingesetzt werden können und hohe Steuersätze zahlen. Keine schöne Denke, nur leider Realität.

Und auch das ist Fakt: Die familiengesetzliche und steuerrechtliche Struktur in Deutschland macht es dazu überhaupt nicht profitabel für Mütter, wenn sie mehr arbeiten würden (Stichwort Ehegattensplitting). Soweit so gut, die Kinder sind da, der Mann verdient und Mama bleibt zu Hause. Aber was, wenn Plan A nicht mehr greift?

Wenn der Mann als Haupternährer wegfällt? Was wird dann aus diesen Frauen und Müttern, die die letzten Jahre gar nicht bis mäßig im Arbeitsmarkt integriert waren? Dann stehen sie da – und sind auf sich allein gestellt, oft geht es finanziell bergab. Die Kinderarmut steigt unter Alleinerziehenden Elternteilen signifikant an.

Das wir noch so tief in diesen traditionellen Mustern stecken, liegt meiner Meinung nach auch an dem vor allem in Deutschland etablierten (Frankreich, Spanien, Italien ticken anders – von Skandinavien ganz zu schweigen) hart-kalkulierenden patriarchalen System und die Lobby der konservativen und katholisch geprägten Gruppen, die das Familienbild „Vater (Familienoberhaupt), Mutter, Kind“ mit all seinen Stereotypen als deutsches Familienleitbild hochhalten – subtil unterstützt der 50er-Jahre-Historie „Heimchen-am-Herd-und-williges-Frauchen-im-Bett“, die bis heute die Männerfantasien befriedigt und sich hartnäckig in den Köpfen hält. Nur im Osten der Republik ist es für Mütter auch noch nach über zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall selbstverständlicher, Vollzeit zu arbeiten. Die Tendenz ist aber auch hier rückläufig.

Was können wir selbst tun?

Ich bin ehrlich, jetzt wo ich schwanger bin (mit einer Tochter!), macht es mich noch wütender als sonst, dass es so ist, wie es ist. Mir gefällt so eine Gesellschaft nicht. Was können wir tun? Am besten unser Handeln überprüfen und optimieren. Daher kommt hier meine Check-Liste. Fragt Euch selbst mal, ob da nicht mehr geht im Bezug auf finanzielle Unabhängigkeit.

Hier die größten Fehler, die Mütter heute im Bezug auf Geld und Beruf machen können:

1. Zu denken, der Mann ist deine Alterssicherheit, deine Bank oder auch dein Finanzplan. 

Äh, nee…  Am besten ist es, du denkst schon in der Ausbildung daran, dass de (nur du allein) für dich finanziell zuständig und verantwortlich bist. Dass du eine gute Altersabsicherung brauchst (am besten unterschiedliche Vorsorgemodelle, je früher der Abschluss, desto besser, mein Sohn ist jetzt schon mit 25 Euro monatlich dabei), vielleicht einen Bausparvertrag (wenn du auf Wohnungseigentum setzen willst) und in eine gesundheitliche Versorgung investierst (z.B. private Zusatzversicherung). Wenn Du irgendwann mal Kinder haben wirst, plane auch schon bei der Karriereplanung ein, dass du eine zeitlang beruflich aussetzen musst, im Idealfall einen Job brauchst, der mit Kinder kompatibel ist und du rechtzeitig und zuverlässig die entsprechenden Karrieresprünge machen musst, bzw. dich nach genügend Berufserfahrung auch nach selbständigen Modellen und Weiterbildungen umschaust, dich mit den richtigen Leuten zusammentust, einfach beruflich zukunfts- und zielorientiert planst.

2. Keine Rücklagen zu bilden, sinnlos zu konsumieren, statt zu sparen.

Es ist immer möglich und nie zu spät, jede Woche oder jeden Monat eine Summe x zu sparen. Wir geben oft Geld aus für Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen. Das sollten wir einstellen und stattdessen versuchen, 25 Euro pro Woche zur Bank zu tragen auf ein Konto, an das wir am besten nicht so einfach rankommen. Außerdem sollten wir bei großen Anschaffungen auf wenig aber dafür auf Qualität setzen, auch hochwertige Produkte lassen sich besser wieder verkaufen als Ramsch.

3. Schulden machen und das nicht als Problem ansehen.

Scheidung ist der dritthäufigste Grund für Schulden in Deutschland, nach Jobverlust und gesundheitlichen Problemen. Es lässt sich oft nicht vermeiden. Aber viele fangen an, die Schulden zu verdrängen oder noch schlimmer, neue Kredite aufzunehmen, um die alten zu bedienen – und schon sitzen sie in der Schuldenfalle und das ist wirklich übel. Es geht immer schlimm aus und es drohen harte Konsequenzen. Der Verlust der Kreditwürdigkeit, Schufa, keine Möglichkeit mehr eine Wohnung anzumieten. Wenn es ganz übel wird, kann die private Insolvenz eine Möglichkeit sein, die zumindest Aussicht auf ein – wenn auch in weiter Ferne – Ende der Schuldenlast gibt. Am besten ist es aber schon, die kleinsten Schulden als Priorität zu sehen und alles dran zu setzen, die Raten möglichst schnell abzuzahlen. Das geht nur durch langfristigen Verzicht und dem Willen zum Geld verdienen.

4. Für die Ausbildung der Kindern mehr Geld zurückzulegen, als für die eigene Altersvorsorge. 

Ist zwar nett, ist aber nicht schlau. Kinder bekommen staatliche Unterstützung, hier sind gute Noten wichtig, sowie gezielte Förderung. Außerdem werden es deine Kinder vielleicht auch nicht verstehen, wenn du ihnen sagst, dass sie dich im Alter unterstützen müssen, du hättest ihnen dafür die Ausbildung ermöglicht.

5. Nicht nach vorn schauen. 

Ich kenne viele Frauen, die noch immer ihren Ex dafür verantwortlich machen, dass es ihnen heute finanziell mies geht. Meine Damen, ich muss ehrlich sagen, ihr seid leider selbst schuld. Kein Kerl kann euch zwingen, den Job aufzugeben, um nur für die Kinder da zu sein. Und es gibt auch kein MUSS, sich bei den Scheidungsverhandlungen über den Tisch ziehen lassen. Wenn ihr keinen Partnerschaftsvertrag fix macht, in dem z.B. geregelt werden kann, was der andere denn monatlich zahlen muss, wenn der eine seinen Job für Haushalt und Familie zurückstellt oder wie Altersabsicherung für beide – auch für den Fall der Trennung – ausreichend gewährleistet wird, nun ja, der hat sich nicht richtig um sich gekümmert und ist einem großen Fehler aufgesessen. Aber schaut auch nach vorn, ändern könnt ihr es nicht mehr, aber aus euren Fehlern lernen und es besser machen – sofort!

6. Nicht groß denken.

Es fängt bei den Gehaltsverhandlungen an und hört bei der Karrierestufenplanung noch lange nicht auf. Ihr müsst eure wirklichen, großen Träume als Massstab nehmen und ordentlich fordern. Wenn ihr es euch nicht wert seid – die andere Seite wird garantiert an den eigenen Vorteil denken und euch dazu nicht mehr ganz ernst nehmen, wenn ihr euch selbst unter Wert verkauft. Denn das wusste schon meine Oma: „Bescheidenheit ist eine Zier – weiter kommst du ohne.“ Genau!

7. Zu denken, wenn du auf Geld achtest und an Vermögensbildung interessiert bist, bist du nicht mehr liebesfähig. 

Hahaha. Das Gegenteil ist der Fall. Du wirst sehen … ; ). Unabhängigkeit wirkt ziemlich sexy.

Der Artikel erschien zuerst auf dem Blog von Verena Schulemann MAMA BERLIN – A Good Women Project.

Mehr bei EDITION F

Armutsbericht 2017: Die Armut in Deutschland erreicht neuen Höchststand. Weiterlesen

Wie es sich anfühlt, finanziell nicht für sich selbst sorgen zu können. Weiterlesen

Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist. Weiterlesen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About Zeen

Power your creative ideas with pixel-perfect design and cutting-edge technology. Create your beautiful website with Zeen now.

Weitere Beiträge
Millennials folgen einem Kleidungstrend – und schaden damit Billigketten wie H&M und Forever 21