Foto: Jules Villbrandt

Camilla Rando: „Wir müssen die Scheu verlieren, offen über Dinge zu sprechen“

Die Mummy-Mag-Gründerin bekommt in Kürze ihr zweites Kind und sagt, dass Mutterwerden ihr das nötige Selbstvertrauen für den Schritt in die Selbstständigkeit gegeben hat. Außerdem hat sie uns erzählt, wer ihre Vorbilder sind.

 

„In Deutschland redet man nicht offen übers Geschäft“

Camilla Rando glaubt, dass Menschen in Sachen Beruf und Business sehr viel mehr voneinander lernen könnten, wenn sie offener wären und öfter ihr Wissen teilen würden – ein Ansatz, den wir mit der „Female Future Force Academy“ verfolgen. Die Gründerin des Mummy-Mags, ein Magazin für Eltern, das sowohl Online als auch gedruckt erscheint, hat in Sachen Gleichberechtigung aber vor allem von ihren Eltern gelernt. Im Interview mit uns erzählt sie, wie die Ehe ihrer Eltern sie geprägt hat und warum in Deutschland die Rollenbilder sich nur langsam wandeln.

Wann hast du zuletzt einen anderen Menschen dazu bewegt, mutig zu sein

„Heute, meine Tochter. Ich bin eine wahre Motivationsmeisterin.“

Welche Erkenntnis hat dich im Leben entscheidend weitergebracht?

„Dass man niemals Angst davor haben sollte, zu scheitern.“

Hast du dich schon einmal komplett neu erfunden?

„Ja, nachdem ich Mutter wurde – es hat mir das nötige Selbstvertrauen gegeben, mich selbstständig zu machen und wirklich das zu machen, was ich machen möchte!“

Was ist deine Super-Power?

„Ich würde sagen, dass ich ziemlich weitblickend denken kann – auch wenn das mein Freund in Bezug aufs Autofahren manchmal in Frage stellt. Mein Team würde wohl sagen, dass ich wahnsinnig enthusiastisch und emotional mitreißend sein kann, wenn ich von etwas begeistert bin.“

Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für dich Hand in Hand?

„Ich denke dass Frauen, aber insbesondere Mütter unglaublich fokussiert, pragmatisch und zielorientiert sein können und dabei gleichzeitig eine sehr hohe soziale Komponente mitbringen. Leider müssen die meisten Frauen noch lernen, dass dies eine äußerst gute Kombination ist und dass dies ein unglaubliches hohes Potential hat – in allen Bereichen!“

Warum tut sich beim Thema Rollenverteilung in Familien eigentlich so wenig? Oder ist es mittlerweile aus deiner Sicht für Mütter schon einfacher, wirklich selbstbestimmt zu leben?

„Ich finde es tut sich schon einiges – die heutigen Mittzwanziger haben dazu schon eine ganz andere Einstellung. In fünf bis zehn Jahren wird sich da einiges grundlegend verändert haben. Zur Zeit gibt es in meinen Augen einen großen Wandel, was die Rollenverteilung angeht, aber oft fehlt noch die offene Kommunikation zwischen den Partnern. Und dieser Wandel geschieht auch in sehr kleinen Schritten. Wir brauchen in Deutschland einfach länger, um wirklich von traditionellen Rollenbilder Abstand zu nehmen. Da sind andere Länder sehr viel fortschrittlicher. Aber ich denke diese Wandlung ist längst nicht mehr aufzuhalten. Unsere Generation ist größtenteils noch damit groß geworden und es erstaunt mich geradezu, wie oft sie die ,klassische‘ Mann-Frau-Rollenverteilung selbst noch leben, ohne damit wirklich glücklich zu sein.“

Das Blog schreibt Camilla zusammen mit anderen starken Frauen. (Foto: Jules Villbrandt)

Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

„Dass sich viele Leute engagieren natürlich. In Deutschland ist das Netzwerken noch etwas passiv, da können wir ganz klar besser werden. Wir müssen die Scheu verlieren, offen über Dinge zu sprechen. In Deutschland redet man nicht offen übers Geschäft, auf keinen Fall über Zahlen und ständig haben die Leute Angst, dass man ihnen die Butter vom Brot klaut. Dieses Denken ist aber völliger Unsinn. Klar, kann einem auch mal etwas auf die Füße fallen, aber unterm Strich ist es so effektiver und erfolgreicher, wenn man sich regelmäßig austauscht. Wenn man über  Geschäftsideen und -modelle spricht, sich vernetzt, Leute vernetzt und einfach offen ist. Man kann so wunderbar voneinander lernen, seinen Horizont erweitern und sich inspirieren lassen. Ich finde es wunderbar, wenn ich von neuen Ideen höre, neue Impulse bekomme – oder eben auch geben kann.“

Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir müssen uns JETZT engagieren. Eine Frauenquote reicht da nicht. Wir Frauen dürfen uns nicht auf dem Feminismus unserer Mütter ausruhen, sondern nutzen, was diese Generation für uns erreicht hat. Wir Frauen sollten aufhören, Dinge hinzunehmen, sondern klare Forderung stellen. Ich sehe nicht ein, warum ich weniger verdienen sollte als ein Mann – was ja heute leider immer noch üblich ist. Wir sind da nicht nur in der Verantwortung für uns selbst, sondern müssen da jetzt die Weichen für unsere Kinder stellen. Das gilt aber natürlich nicht für uns Frauen, sondern auch für Männer. Nur gemeinsam können wir jetzt die Weichen für die Zukunft stellen.“

Welcher Mann und welche Frau haben dich in deinem Leben besonders inspiriert und wieso?

„Tatsächlich meine Eltern, denn sie waren schon immer komplett gleichberechtigt. Meine Mutter hat zwar lange in Teilzeit gearbeitet, aber das hat sie nie geringer gestuft in der Partnerschaft. Sie war schon immer eine sehr starke Frau, die heute auch eine Führungsposition inne hat – und mein Vater hat ihr immer den Raum gelassen, sich zu entwickeln und sie dabei auch unterstützt. Und obwohl mein Vater mehr gearbeitet hat, war er niemals ein Vater, der abwesend war. Er hat den Großteil seiner Freizeit mit mir verbracht, mich nach der Arbeit abgeholt, zum Sport gefahren, hat seine Wochenenden bei meinen Wettkämpfen in der Schwimmhalle verbracht und mich an den Wochenenden mitten in der Nacht von Partys abgeholt. Heute würde ich sagen, dass meine Eltern zu gleichen Teilen für mich da waren. Und genau das scheint auch das Geheimrezept ihrer Ehe – sie haben sich gegenseitig immer gestärkt und keiner von beiden hatte das Gefühl, ständig zurückstecken zu müssen. Cheezy, aber wahr!“

Welchen Rat würdest du heute deinem jüngeren Ich geben?

„Das ich stärker auf mein Bauchgefühl hören soll und weniger darauf geben, was andere von mir erwarten.“


 

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