Foto: Anja Poeschke

Der Pakt mit den Bergen

7 Jahre Ausland, wo stehe ich und wie schließe ich einen Pakt

 

Man sagt mir manchmal, die Schweiz ist ja nicht wirklich Ausland.
Für mich bedeutet das schon Ausland. Einen größeren Schritt zu gehen, 800 km weit weg zu ziehen und dann auch über die Grenzen hinaus. Ein neues Leben beginnen mit Mitte 30 und mit Baby. Fern ab von der Familie, den Freunden. Inzwischen ist ein zweites Baby dazugekommen. Inzwischen
sind 7 Jahre vergangen.

Und naja, auch wenn die Schweiz nur 800 km entfernt ist von der alten Heimat. Die Mentalitäten unterscheiden sich. Das Urvertrauen
stellt sich nicht ein. Ich lerne kennen, wie Heimweh ist und ich lerne kennen,
was 800 km eigentlich bedeuten können. Die Schweiz ist klein, aber sie hat
Berge. Mächtige Berge. Und ja, man kann Berge versetzen. Die Zeit hier hat mir
aber auch manches Mal ganze Berge in den Weg gelegt. Ich wurde gnadenlos versetzt.

Ich meine, wenn ich herausgefordert werde, habe ich zwei
Punkte zur Auswahl: kehrt machen oder weitermachen. Und inzwischen kann ich Berge versetzen – und zwar immer noch auf volle Kraft voraus.

Ich wurde mein eigener Lehrer

Ich gerate immer mal durch äußere Umstände in kleine wirklich
fiese Sackgassen. Zum Durchziehen gehört eine Menge Mut dazu. Die Motivation aus dem Nichts zu holen, bedeutet, Kraft aufzuwenden, aus freien Stücken. Nicht immer ist gleich ein neuer Freund in der Nähe, alte Freunde und die Familie sind sowieso weit weg.

Ich habe mich ein kleines, aber auch machmal ein grösseres, doch notweniges, Stück aufgegeben für meine Familie, die mich brauchte. Ich war da, dass mein Mann sich auf die Arbeit voll konzentrieren kann.
Ich wollte arbeiten und ging auf die Suche nach Arbeit. Ich habe trotz der Absagen auf meine Bewerbungen stets an mir gearbeitet. Ich habe gelernt, mich auf mich zu konzentrieren und immer ein kleines Stück mehr für mich zu tun aber auch an mir zu tun. Denn verbessern kann man sich immer, egal wie alt man ist. Ich hatte in viele Berufsbranchen Einblick und ich habe gelernt, richtig fleißig zu sein, auch über meine Grenzen hinaus. Ich habe gelernt, mich selbstsicher in gewissen Situationen zu verhalten. Ich habe gelernt, nicht  mehr so rasch
zu verzagen. Ich habe gelernt, auf mich zu achten, mich zu schützen.

Ich verfüge über eine ausgeprägte Kreativität – angeboren und
erarbeitet.. Die totale Langeweile habe ich erlebt. Sie verhalf mir zur Kreativität. Das ist ja erwiesen, dass eine totale Langeweile ganz mächtige
Kreativität produziert.

Ich habe mich wiedergefunden auf so mancher unteren Ebene,
dass ich anfing, zu schreiben oder zu nähen oder Bücher zu studieren – nicht nur gelesen, studiert. Ich wollte etwas für mich tun und nicht nur Kinderbücher lesen. Ich habe gelernt, mit Zeit umzugehen, ich habe gelernt, kontrollierter mit Dingen umzugehen, klar über meine Gefühle und mich zu werden. Ich habe gelernt, wer ich bin, was ich wirklich will und wo ich stehe.

Mein Zeugnis         

Ich finde Trost, ich finde Alternativen. Ich breche Grenzen
auf. Ich beweise Mut, neue Wege einzuschlagen. Ich halte mir den Spiegel vor
Augen.  Ich finde auch mit wenig äußerer
Motivation neue Wege. Natürlich vergesse ich mich nicht mehr bei der ganzen Sache
und genieße, das was mir so geboten wird. Trotz vieler Umstände wird mir viel
geboten. Ich bin zufrieden damit, für den Moment. Ich will mich nicht mehr am
schlechten messen, um mich gut zu fühlen. Ich wollte noch so viel….und nutze
meine Zeit jetzt für Vorhaben sinnvoll. Dinge fanden immer mal nicht statt. Und
doch findet auf der Suche nach alle dem Gewünschten viel mehr statt als ich
geahnt habe. Das macht mir Mut. Ich schätze meine Entscheidungen mehr und wäge besser ab, Standhaftigkeit und Sicherheit sind inzwischen auch dabei.

Ich freue mich darüber. Ich freue mich über all das Erlernte
und ich freue mich über meinen neuen Mut und ich bin stolz auf meine
Fähigkeiten, die so vielseitig sind. Ich habe über den Tellerrand geschaut und
mir ist trotz Langeweile nie wirklich langweilig.  Es gesellen sich viel mehr bessere Eigenschaften zu mir, auch wenn ich noch nicht ganz meine eigene Erfüllung gefunden habe.

Gesamtergebnis

Ich besteige die Berge, wenn sie sich mir in den Weg stellen.
Und es ist allemal besser, einen Pakt mit den Bergen zu schließen, damit kann ich dann Ihre Anwesenheit gelassen nehmen.

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