Diversitäts- statt Frauenquote?

Ostdeutsche Männer sind aufgeschlossener gegenüber Frauen in
Führungspositionen, weil sie ein geschlechtergerechtes Modell
favorisieren.

 

Die Zahlen hinsichtlich der Wirksamkeit der Frauenquote sind ernüchternd. So lautet mein Fazit nach dem Vortrag von Dr. Anja Kirsch, die uns im Rahmen der 4. Gender-Studies-Tagung des DIW Berlin und der FES ihre Forschungsergebnisse präsentiert. Für die meisten Unternehmen kam die Einführung des Gesetzes zur Frauenquote zu schnell, sodass ihre freiwillig gesetzten Zielgrößen NULL entsprachen, denn die bisherigen Vorstandsposten konnten nicht so schnell „umgesetzt“ werden.

Blicken wir zurück: Der Gender Pay Gap zwischen vollbeschäftigten Frauen und Männern in den neuen Bundesländern ist 1990 längts nicht so hoch, wie in den alten Bundesländern. In den neuen Bundesländern waren im Jahr 1989 mit 91,3%
gegenüber 51% in Westdeutschland deutlich mehr Frauen beschäftigt
[Quelle: bmfsfj: geschlechter-gerechtigkeit in Ost-u. Westdeutschland].
 In derselben Studie wird dargelegt, dass der Anteil von  Frauen in
Leitungsfunktionen in Ostdeutschland deutlich größer als in den
Bundesländern Westdeutschlands [Seite 29] ist. Es werden drei
Erklärungen gegeben und ich möchte eine vierte Erklärung hinzufügen:

  1. höhere Vollzeiterwerbstätigkeit bietet Frauen bessere Möglichkeiten für Übernahme von Führungspositionen,

  2. besser ausgebaute Kinderbetreuungsmöglichkeiten u. deren Nutzung ist weit verbreitet,
  3. Frauen bekommen durchschnittlich früher Kinder, haben kürzere Unterbrechungszeiten und damit geringere Karrierenachteile.
  4. Ostdeutsche Männer sind aufgeschlossener gegenüber Frauen in
     Führungspositionen, weil sie ein geschlechtergerechtes Modell
    favorisieren.

Nehmen wir also an, dass nun auch mehrheitlich ostdeutsche Männer Führungspositionen übernehmen, ist es doch denkbar, dass sie ihre geschlechtergerechte Perspektive einbringen und sich verstärkt für Frauen einsetzen. Prof. Dr. Naika Foroutan, Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) spricht sich klar FÜR Quoten aus, allein schon zum Zwecke der Repräsentation (nur 8% der Bundestagsabgeordneten haben einen Migrationshintergrund und der Frauenanteil beträgt lediglich 30,9%). Wenn sich nun ostdeutsche Führungskräfte aufgrund ihrer Sozialisation der These „Ostdeutsche sind auch Migranten!“ von der Migrationsforscherin anschließen, könnte  dies zur Folge haben, dass sie sich nicht nur für Frauen sondern allgemein für mehr Diversität in den Unternehmen einsetzen. Also am Ende eine Win Win Situation. Ist es daher vermessen, nach Quoten für Ossis zu fragen? Eigentlich doch nicht, nur leider sind bisher auch die ostdeutschen Männer selbst noch nicht ausreichend repräsentiert in entscheidenen Führungspositionen. So sitzen nur 5 Ostdeutsche [Gesamt: 196]  in den DAX Vorständen und nur etwa ein Fünftel aller Führungskräfte in den neuen Bundesländern stammt aus dem Osten. Es gibt also noch viel Luft nach oben…!
  

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