Foto: Unsplash | Anna Vander Stel

Einwanderer finden Deutsche verschlossen und wenig freundlich

In Deutschland sind die Jobs sicher, aber die Mitmenschen eher unfreundlich – und es ist schwer, Anschluss zu finden. Das hat nun eine Studie herausgefunden. Business Insider hat die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Deutschland ist nicht unbedingt als Land der netten Menschen bekannt

83 Prozent derer, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen, sind mit dem Leben hier zufrieden. Das liegt häufig jedoch vor allem an der Arbeitssituation und nicht so sehr an den Mitmenschen. Zu diesem Ergebnis kommt die große Expat-Studie des Auswanderer-Netzwerks „InterNations“. Dise befragen jedes Jahr rund 14.000 Auswanderer nach allen möglichen Facetten ihres Lebens. Wohin sind sie gegangen? Warum? Und wie gefällt es ihnen dort? Jedes Land wird in fünf Kategorien bewertet, von der allgemeinen Lebensqualität bis hin zu den persönlichen Finanzen. Christoph Sackmann von Business Insider hat sich die Studie mal etwas genauer angesehen. 

Top bei der Arbeit…

Deutschland schneidet dabei so mittelgut ab. Dieses Jahr landen wir auf Platz 17 von 67 Ländern insgesamt. Das ist ein Platz schlechter als im Vorjahr und sogar fünf schlechter als vor zwei Jahren. Vor uns liegen etwa Mexiko, Rumänien, Neuseeland oder Malta. Die Mittelmeerinsel ist dieses Jahr sogar überraschend Gesamt-Zweiter hinter dem neuen Spitzenreiter Taiwan.

Dass Deutschland nicht unter den beliebtesten Auswandererländern zu finden ist, hängt damit zusammen, dass wir in den einzelnen Kategorien sehr unterschiedlich abschneiden. Gelobt werden durchgehend die äußeren Rahmenbedingungen: 92 Prozent loben unser Verkehrssystem, also Straßen, Busse und Bahnen. 90 Prozent sind sehr zufrieden mit der Sicherheit und der politischen Stabilität im Land.

Im Subindex „Arbeiten im Ausland“ liegen wir sogar auf Platz drei. Der Job ist für die meisten der Befragten der Hauptgrund gewesen, nach Deutschland zu kommen. Da freut es, dass unsere Arbeitszeiten unter dem globalen Wochendurchschnitt liegen: 42,4 Stunden sind es hierzulande, 44,6 Stunden weltweit. Außerdem: Wer einmal einen Job in Deutschland, der verliert ihn auch nicht so schnell  das ergibt Platz zwei in der Kategorie „Jobsicherheit“.

… Flop bei der Freundlichkeit

Gut ein Fünftel der Befragten sagt aber, dass das hier verdiente Geld nicht zum Leben reicht. Die hohe Steuerlast wird als größter Negativfaktor unseres Landes genannt. Bei den persönlichen Finanzen gab es in den vergangenen Jahren den heftigsten Absturz von Platz 16 auf Rang 33. Allerdings liegen wir beim persönlichen Einkommen und bei den Lebenshaltungskosten noch in der oberen Hälfte des Klassements.

Das ändert sich, wenn es um das Thema Integration geht. Bei sozialen Fragen steht es schlecht um Deutschland. Im entsprechenden Index sind wir auf Platz 57 von 67 Ländern abgerutscht. Das hat erst einmal Ursachen, für die der Deutsche an sich wenig kann. So ist etwa das Wetter ein Beschwerdegrund für ein Drittel der Einwanderer, und viele empfinden es als sehr schwer, die deutsche Sprache zu lernen.

Das führt zu weiteren Problemen: Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, findet auch schwerer einheimische Freunde  entsprechend rutscht Deutschland auch in diesem Ranking ab. Doch auch bei der generellen Freundlichkeit schneiden wir Deutschen schlecht ab, genauer gesagt, landen wir auf Platz 55 des Index. Internations zitiert einen der anonymen Befragten: „Die Menschen hier sind nicht so offen wie in anderen Ländern, und es dauert eine Weile, Freunde zu finden und akzeptiert zu werden.“

Das sind die befragten Einwanderer

Und wer sind diese Befragten? Nun, Internations gibt sie als im Schnitt 38,7 Jahre alte Menschen an, darunter etwas mehr Frauen als Männer. Die meisten kommen aus den USA (14 Prozent), Großbritannien (neun Prozent) und Italien (sechs Prozent).

Rund ein Drittel von ihnen verdient pro Jahr mehr als 45.000 Euro brutto, ein weiteres Viertel mindestens 22.500 Euro, also etwas mehr als das durchschnittliche Jahresgehalt für eine Halbtagsstelle hierzulande. 47 Prozent der Einwanderer sind einfache Angestellte oder Manager, elf Prozent bezeichnen sich als arbeitssuchend, sieben Prozent sind als Studenten gekommen.

Viele der Einwanderer kommen übrigens als Familie — und da ist Deutschland dann auch wieder top: Das Bildungs- und Gesundheitssystem wird von Eltern meist hoch gelobt, 84 Prozent preisen zudem die Freizeit- und Kulturmöglichkeiten im Land. Insgesamt macht das einen zehnten Platz im Familienranking. Das wird übrigens von Finnland angeführt. Aber die Finnen sind uns ja in einigen Bereichen um einiges voraus.

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