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Absage ohne Grund: Lieber Personaler, ich muss wissen, woran ich gescheitert bin

Ein Bewerbungsprozess ist oft mit vielen Absagen verbunden. Warum aber sagt einem kein Personaler, woran man gescheitert ist?

 

Standardnachrichten und automatische Antworten

Hat man als Bewerber die „Wir-haben-ihre-Bewerbung-erhalten-und-werden-sie-umgehend-prüfen-Runde” gemeistert und wurde per E-Mail zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen, heißt es am Ende dieses Gesprächs fast immer: „Wir melden uns dann bei Ihnen“. Wann genau dieses sich Melden stattfindet, sprich wie lange der Bewerber mit dieser zähen Ungewissheit im Bauch leben muss, wird allerdings selten gesagt.

Wie erfrischend wäre in dieser Welt der unendlich lang andauernden
Bewerbungsprozesse ein: „Am Freitag geben wir Ihnen Bescheid“, auf das man sich verlassen kann? Warum bedienen sich immer mehr Arbeitgeber der gleichen Parameter, die auch die Beziehungsgefüge in unserer heutigen Gesellschaft zu kennzeichnen scheinen: vage, abzuwartend, ob nicht noch ein besserer Kandidat um die Ecke kommt, sich Hintertüren offen lassen, den Bewerber hinhalten, ohne sich dabei je wirklich zu positionieren?

„Für ihren Lebensweg wünschen wir Ihnen alles Gute”

Wenn dann die Absage-E-Mail kommt, ist es eigentlich nie das Nein, die Ablehnung, die schmerzt, sondern die Art und Weise: ein vorfabrizierter Standardtext voll mit allgemeinen, nichtssagenden Floskeln. „Wir treffen täglich Entscheidungen – auch solche, die uns weder leicht fallen, noch angenehm sind“, „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen an dieser Stelle kein ausführliches Feedback zukommen lassen können“ oder mein persönlicher Favorit, „Gerne
würden wir Sie aber an unsere Partner von XYZ weiterempfehlen“. Mit dem
Bewerber zusammen arbeiten möchten sie nicht, aber an ihm Geld zu verdienen
geht in Ordnung.

Und wenn ich nicht gestorben bin, bewerbe ich mich noch heute

Wie, fragt man sich, soll man es denn jemals von der engeren Auswahl auf die
Pole-Position, sprich die tatsächliche Stelle, schaffen, wenn man keine
Gründe für die Absage erhält? Auch auf Nachfrage muss man sich als Bewerber –
vorausgesetzt man erhält überhaupt eine Antwort – mit einem „Es ging
wirklich nur um Nuancen im Lebenslauf“, zufrieden geben. Welche Nuancen? Welche Einzelumstände ? Welche Qualifikationen fehlen? Von welchen Kernkompetenzen oder Aufgabenbereichen ist die Rede? Welcher Herausforderung war man nicht gewachsen? Welche Anforderung überstieg den eigenen Erfahrungsbereich? Was genau könnte man beim nächsten Bewerbungsgespräch anders oder besser machen? 

Kurzum: Was hat er oder sie, was man selbst nicht hat? Anstatt die immer gleich
klingenden Textbausteine oder unerträgliche Phrasen wie „Bitte sehen Sie diese
Absage nicht als Beurteilung ihrer Kenntnisse oder Fähigkeiten – was ist eine
Absage denn anderes als die Bewertung meiner Kenntnisse und Fähigkeiten – sollten sich HR-ler bemühen, das richtige Nein für jeden „falschen” Bewerber zu finden. Sie selbst erwarten doch auch Schlagfertigkeit, Originalität und Ehrlichkeit von ihren Bewerbern. Solange ich mit jemandem aus dem HR-Department und nicht mit einem Roboter in Kontakt stehe, erwarte ich zumindest einen Hauch Individualität und Persönlichkeit bei der Ansprache – auch bei einer Absage.

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