Foto: Anja Poeschke

Existenzgründung in der Schweiz – ein Interview

Mein Name ist Anja Poeschke. Ich bin Gründerin von
Reserviert für Kinder. Für mein Interview habe ich Fragen ausgearbeitet, um mich, meine Erfahrungen und mein Konzept vorzustellen. Ganz im Sinne der Kinder und Eltern.

 

Wie alt sind Sie?

Ich bin 38 Jahre.

Woher kommen Sie und wo leben Sie jetzt?

Ich bin geboren in Sachsen Anhalt, aufgewachsen im
Bundesland Brandenburg . Seit 7 Jahren lebe ich mit meinem berufstätigen
Ehepartner und unseren zwei Kindern in der Schweiz im Kanton Zürich.

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Ja, Schaufensterdekorateurin war mein Traum. Später wollte ich Kulissen gestalten in Theater und Filmstudios.
Restaurateurin wäre meine weiterführende Tätigkeit geworden. Als Journalistin
schreiben und Grafikdesign  war dann mein späterer heiß ersehnter Wunsch, was ich Beides jedoch privat erlerne und lebe. Seit Oktober 2015 bin ich Existenzgründerin meiner Einzelfirma Reserviert für Kinder. Ich habe damit in der Schweiz mein langjährig ausgearbeitetes Konzept in die Tat umgesetzt.

Was haben Sie gelernt?

Marketingfachfrau, in Berlin Schöneberg. Ich habe vorher 3 Jahre ein BWL Studium gemacht. Aber ich habe mich für eine praktische und vor allem kreative Ausbildung  entschieden. Daher hielt ich einen Abschluss in einer Werbeagentur für angemessener. Ich verfüge außerdem über vertiefte
Kenntnisse in der gehobenen Gastronomie. Ich habe in Berlin, Potsdam und in der Schweiz für namhafte Caterer, Eventfirmen sowie Hotels gearbeitet. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich war immer in verschiedenen Branchen tätig.

Haben Sie Ihre Träume verwirklicht?

Es gibt Träume die ich verwirklicht habe, darum bin ich
froh. Dazu gehört natürlich, dass ich eine eigene Familie gegründet habe. Die Auswanderung in die Schweiz war ungeplant und ist dennoch zu einem großen Traum geworden. Meinen festen Traum der beruflichen Erfüllung verwirkliche ich gerade.

Haben Sie heute ein Vorbild? Wen und warum?

Ab Mitte 20 sind Unternehmerinnen, mein Vorbild geworden. Mütter, die aus eigener Kraft ein gutes Konzept in die Tat umgesetzt haben. Innovative Frauen, die Ihr Unternehmen selbst leiten. Ich verfolge schon lange Jahre Zeitungsberichte oder Fernsehdokumentationen, in denen Frauen schildern, wie sie sich beruflich verwirklicht haben, vor allem Existenzgründerinnen. Nichts ist doch so gut, wie ein clever überlegtes Konzept für eine bestimmte Sparte. 

Zudem habe ich, neben meinen immer berufstätig gewesenen Eltern, in der alten Heimat einen Freund zum Vorbild. Er steht mir mit strategischen und klaren Tipps stets zur Seite. Er hat einige Sichtweisen, die Ihn zum Vorbild machen.

Was arbeiten Sie derzeit?

Ich habe in der Schweiz im Kanton Zürich meine Firma im Oktober 2015 gegründet und arbeite für diese. Ich beschäftige mich intensiv mit dem Social Media Management und ich bin Mitglied von 5 Facebook Gruppen. Das sind spezielle Gruppen für Unternehmerinnen in der Schweiz und für Mütter. Hier tauschen wir untereinander wertvolle Informationen.  

Weiterbildungen im administrativen Bereich sowie im Social Media Management sind in der Schweiz teuer. Daher studiere ich derzeit in Eigenregie.
Ab August geht unsere Tochter in den Kindergarten und ich werde mich dann gezielt meiner Unternehmung widmen. Zudem verbringe ich gern meine Auszeiten in Bibliotheken. Das selbständige Studieren ist eine wertvolle Überbrückung in Leerlaufzeiten. Das finde ich als Mutter, die die meiste Zeit zu Hause die Kindererziehung verantwortungsvoll übernimmt, sehr wichtig. Ich suche trotz meiner Selbständigkeit eine Teilzeitstelle, bis mein Unternehmen meine volle Anwesenheit benötigt. Mit einer zusätzlichen Tätigkeit kann ich mich wieder in den beruflichen Alltag integrieren. 

Was ist die Absicht Ihrer Unternehmung?

Meine Message von Reserviert für Kinder ist mein Firmenname. Ich beschäftige Kinder sinnvoll und gebe Eltern die Chance, gut essen zu gehen. Kinder, die keine Ganztagsschule besuchen, werden in Ihrer vielen Freizeit oftmals gefordert, diese wertvoll zu gestalten. Vor allem die Eltern müssen sich Gedanken machen, wo sich eine
Kindergärtnerin oder Lehrerin darum sonst im Alltag kümmert. Es gibt viele Angebote für Kinder außerhalb der Schule. Eltern die zu Hause mit den Kindern sind, auch Verwandte, müssen sich damit auseinander setzen, das Kind zu fördern. Ich möchte einen Beitrag zur sinnvollen Beschäftigung von Kindern tun.

Außerdem gehen Kinder heute oftmals sehr schlecht essen. Ich bin als Mutter stets gefordert, an den Fastfood Geschäften vorbei zu ziehen und auch sonst überall lassen Kinderspeisekarten zu wünschen übrig.  Das Essen ist immer
ungesund und ungenießbar. Wenn Eltern essen gehen, bleiben die Kinder meistens, obwohl sie ebenso Gast sind, am langweiligen Tisch sitzen und nach 20 Minuten ist die Geduld aufgebraucht, der Abend verläuft nicht entspannt.

Ein Kind wählt nach einem Besuch eines guten Restaurants nicht
mehr die fettigen Nuggets oder Pommes Frites. Und es fühlt sich auch
aufgehoben, wenn das Restaurant zudem noch kinderfreundlich ausgestattet ist.

Mein Konzept stellt eine Win – Win Situation für Gastronom, Eltern und Kinder.

Welche sind die Leistungen von Reserviert für Kinder?

Ich erstelle Konzepte hauptsächlich für gastronomische Betriebe jedoch auch für  Spitäler, Warteräume jeder Art und sonstige Orte, wo Kinder warten müssen. Ein Restaurant zum Bespiel bekommt von mir eine kindgerechte Spiel-und Sitzecke, Besteck und Geschirr.

Zudem bin ich mit einer mobilen Kreativ Insel unterwegs.
Die Eltern können in Ruhe essen und die Kinder dürfen bei mir am Platz eine
schöne Kreativarbeit gestalten. Diese mobile Variante bietet sich überall an, wo Kinder kurzweilig und sinnvoll beschäftigt werden sollten.

Ich habe weiterhin einen Platz im Coworking Place. Dort unterstütze ich Coworkerinnen und Coworker, die ungestört an Ihrem gebuchten Büroplatz arbeiten möchten, aber Ihr Kind mitnehmen müssen. Ich beschäftige die Kinder mit kleinen kreativen Arbeiten.

Im Coworking Place gebe ich auch regelmäßige Kinder Kreativ Kurse.

Haben Sie Kinder? Wie alt sind sie?

Ja zwei Kinder, 7 und 4.

Was machen sie, wenn Sie an der Arbeit sind?

Inzwischen sind beide Kinder vormittags betreut. Schule und Kindergarten sind hier allerdings in unserer Gemeinde 11.40 Uhr beendet. Vorher habe ich jedes Kind bis zu seinem 4. Lebensjahr daheim voll betreut. Ich bin jetzt bald 8 Jahre damit beschäftigt. Das ist mit einer 90% Stelle vergleichbar. Unsere Kinder sind auch altersmäßig 3 Jahre auseinander. Das macht auch Einiges aus. Unser Sohn ist in den Kindergarten gekommen, aber ich war dann für unser zweites Baby weitere 3 Jahre daheim.

In Brandenburg gibt es ein bezahltes Babyjahr und mit 1 Jahr kann man sein Kind in eine Fremdbetreuung abgeben, die auch bezahlbar ist.

Es gibt in der Schweiz Angebote, die variieren unter den Kantonen. Es gibt auch subventionierte Betreuungsplätze und Betreuungszuschüsse gibt es inzwischen auch für beide arbeitenden Elternteile. Es ist etwas anders auf Gemeinden zu leben, da gehört es einfach dazu, dass die Mutter vorerst nicht schaffen geht. Schade, dass ein Babyjahr nicht vom Staat bezahlt wird. Ein Ganztagsplatz in der Kinderkrippe kostet am Tag im Schnitt 120 Franken. Die Kinder sind weit verbreitet bis zum 4. Lebensjahr daheim. Das ist eine Vollzeitstelle für den Elternteil, der zu Hause bleiben muss.

Wie managen Sie Ihre Zeit, wenn die Kinder daheim sind?

Ich konnte bisher stets mit meinem Mann, der im Schichtdienst schafft, immer alle Termine oder meine Arbeitseinsätze vorplanen. Das klappt natürlich nicht immer ideal und ich musste meistens zu Hause bleiben, um auf die Kinder zu schauen. Wir teilen alles unter uns Beiden auf. Das ist die Herausforderung einer Auswandererfamilie in der Schweiz. Aber Jeder von uns kann das sehr gut mit den Kindern allein managen, wenn Einer nicht da ist. Das wird vielen
Müttern hier in der Schweiz und auch in anderen Ländern so gehen. Es ist normal, dass Mütter sich hier untereinander helfen.

Was ist Ihr Ziel als Unternehmerin?

Der Trend geht Richtung kurzzeitiger Büroarbeit außerhalb des Hauses. Die Eltern wollen flexibel sein, sie möchten nicht mehr nur 8 Stunden daheim bleiben. Sie suchen sich Möbelhausketten mit Indoor Spielparks für Ihre kleinen Kinder. Familien gehen auch gern auswärts essen, auch das soll ein Vergnügen sein.

Aufgrund der geschilderten Situationen in meinen Beiträgen, trage ich dazu
bei, dass Eltern mit Ihren Kindern auch wieder Familienfreundlichkeit spüren.

Reserviert für Kinder bietet eine sinnvolle Beschäftigung des Kindes. Es bekommt seine Aufmerksamkeit in einem anderen Rahmen. Ich
arbeite in einem kreativen, ruhigen Raum. Darin fühlt sich ein Kind auch einmal
wohl.

Und ich sorge dafür, dass noch mehr Restaurants und alle anderen Orte, wo sich Kinder aufhalten, kindgerecht sind und sich Familien in der Öffentlichkeit aufgehoben fühlen. Nicht zuletzt sollten unsere Kinder auswärts wieder gut essen dürfen. Dafür wird das Unternehmen, in dem ich meine Leistungen anbieten darf, auch ausgezeichnet mit einer eigens designten Plakette. Damit erkenne ich ein Unternehmen an, was familienfreundlich ist.

Was ist Ihr Wunsch?

Ich wünsche mir in meiner Wahlheimat Schweiz Offenheit für meine Vorhaben und ich suche weiterführende Kontakte für mein Konzept. Ich möchte dieses Jahr meine Leistungen bekannter machen. Und ich hoffe auf ganz viele neue Kinder in meinen Kreativ Kursen, auf Coworkerinnen, die mein Angebot annehmen und auf Restaurants, die etwas zur Kinderfreundlichkeit
beitragen möchten.

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