Foto: © 2017 Twentieth Century Fox

„Battle of the Sexes“ – Emma Stone kämpft in ihrer nächsten Rolle für Gleichberechtigung

Im November kommt der Film „Battle of the Sexes“ in die Kinos, in dem die Diskussion über gleiche Preisgelder für Männer und Frauen den Grundstein für das vielleicht wichtigste Tennismatch der 70er legt.

 

Gleiches Geld für gleiche Arbeit?

Vor Kurzem veröffentlichte Forbes eine Liste der bestbezahlten Schauspieler und Schauspielerinnen Hollywoods. Platz Eins der Frauen: Emma Stone, bekannt aus La La Land oder Birdman, mit einem Jahreseinkommen von
geschätzten 26 Millionen Dollar. Nicht schlecht! Trotzdem wäre sie mit dieser Summe gerade mal auf Platz 15 der Männerliste. Stone sagte dazu in einem Interview, sie habe bei Drehs nur dann das gleiche Gehalt bekommen wie ihre
männlichen Kollegen, wenn diese freiwillig auf einen Teil ihres Gehaltes verzichtet hätten. Hier kann von gleicher Bezahlung also ganz und gar nicht die Rede sein.

Es ist fast ironisch, spielt Stone doch aktuell die Hauptrolle in „Battle of the Sexes“, einem Film, der auf den Ereignissen rund um ein Tennismatch in 1973 basiert und in dem gleiche Entlohnung für gleiche Leistungen eine wichtige Rolle spielt. Emma Stone verkörpert die 29-jährige Billie Jean King, die 1973 zu den besten Tennisspielerinnen der Welt gehörte. Der Film begleitet ihren Kampf gegen die patriarchalen Strukturen in der Sportwelt und rückt dabei ihr Match mit dem in die Jahre gekommenen Tennischampion Bobby Rigg, im Jahr 1973, in den Mittelpunkt, das mit 90 Millionen Zuschauern als das meistgesehene Sportevent in die Fernsehgeschichte einging. 

Worum geht’s?

Alles beginnt damit, dass Billie Jean King zu Beginn des Filmes ein Angebot vorgelegt bekommt, laut welchem Frauen nur 12,5 Prozent des Gewinnes der Männer zustehen. Anders ausgedrückt: das Preisgeld der Männer ist achtmal so hoch, wie das der Frauen. Billie Jean King lässt sich diese Ungerechtigkeit nicht bieten und ruft daraufhin die „Women’s Tennis Association“ ins Leben.

Damit bringt King die Altherren-Verbände der Tenniswelt gegen sich auf und ruft den verschuldeten Ex-Champion Bobby Riggs auf den Plan. Bobby kommt nicht mit seiner Position abseits des Medienrummels zurecht und hofft durch ein Match mit Billie Jean King seine Karriere wieder ankurbeln zu können. Nach einigem Hin und Her willigt King ein und das Spiel wird von den Medien als „Battle of the Sexes“ inszeniert.

„Ich sage nicht, dass Frauen besser sind. Ich sage nur, dass wir den gleichen Respekt verdienen!“

– Billie Jean King (Battle of the Sexes)

Im Film wird deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Ziele der beiden
Kontrahenten sind. Bobby präsentiert sich als Werbemaskottchen, nutzt
jede Gelegenheit für Publicity und provokante Äußerungen. Für ihn ist
das Match eine reine Show der Selbstdarstellung. Für Billie Jean geht es
um viel grundlegendere Themen: es geht um Respekt für Frauen, darum
ernst genommen zu werden und zu zeigen, mit was für absurden Argumenten strukturelle Ungerechtigkeit verteidigt wird.

Geschichten jenseits des Spielfelds

Neben dem Match lässt der Film viel Platz für die privaten Sorgen und Nöte der Hauptfiguren. Bobby Riggs schlägt sich mit den Überresten seiner an Spielsucht gescheiterten Ehe und einem übertriebenen Geltungsdrang herum und gerät immer wieder in Konflikt mit seiner Rolle als Vater zweier Söhne.

Billie Jean King hingegen entwickelt Gefühle für eine Frau und sucht nach einer Möglichkeit, diese auszuleben. Dabei stehen ihr zum einen die gesellschaftlichen Konventionen der 70er Jahre im Weg und zum anderen die Angst, ihren Ehemann zu verletzen und zu verlieren. Der Film schafft es, die Geschichte des Love Triangles ohne die Einteilung in gut und böse zu erzählen. Weder der betrogene Ehemann, noch Billie Jeans Affaire Marilyn werden zum Feind erklärt, vielmehr fühlt man als Zuschauer mit den drei Beteiligten gleichermaßen mit.

„Zeiten ändern sich. Du solltest das wissen. Du hast grade etwas Großes verändert.“

Battle of the Sexes

Die sexistischen Äußerungen, die im Film fallen, wirken mitunter so überzogen, dass man sie für einen kurzen Moment als (lustige) Übertreibung abtun möchte: wie verrückt, dass jemand öffentlich so herablassend über Frauen sprechen konnte, ohne dass es einen Aufschrei der Empörung gab. Doch schnell schleicht sich das ungute Gefühl ein, dass sich manche Dinge gar nicht so sehr verändert haben, wie man meint. Die fadenscheinigen Begründungen für die Preisgeld-Differenz kommen einem auch heute noch bekannt vor. Erst im letzten Jahr forderte der provokative Tennisstar Novak Djokovic höhere Preisgelder für Männer, weil diese angeblich mehr Tickets verkaufen würden. Auch der fast 60-jährige John McEnroe schaffte es, sich durch die provokanten Äußerung, Serena Williams wäre auf der Rangliste der Männer höchsten Platz 700, wieder auf den Radar der Medienmacher zu schummeln. 

Glücklicherweise rufen solche Äußerungen heute Empörung und Gegenwind hervor und werden nicht einfach schulterzuckend hingenommen. Trotzdem ist es frustrierend, festzustellen, wie lange es dauert, bis Denkmuster sich ändern und wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Immerhin: gleiche Preisgelder für Männer und Frauen gibt es seit 2007 bei den vier sogenannten Grand-Slam-Turnieren, zu denen unter anderem Wimbleton gehört.

Emma Stone als Billie Jean King und Steve Carell als Bobby Riggs        ©2017 Twentieth Century Fox

Feminismus mit Popcorngeschmack

In „Battle of the Sexes“ gibt es viele Momente, in denen Frauen etwas riskieren.
Allzu oft wird dabei trotzdem nach außen das Bild der vor allem netten, hübschen  – und damit auch recht ungefährlichen – Frau aufrechterhalten. Umso mehr erfreuen einen die Glanzmomente des Filmes, in denen sie auf den Tisch hauen. Wenn Bobbys Frau Priscilla sich sein großspuriges Geschwafel nicht mehr bieten lässt und ihm gehörig den Kopf wäscht, freut man sich als Zuschauer ungemein darüber, dass gerade eine sonst eher flach angelegte Rolle so einen starken, selbstbestimmten Moment im Film bekommt.

Bei aller guten Unterhaltung entsteht jedoch trotzdem das Gefühl, dass der Film eine Hollywood-Version von Feminismus zeigt, die ein bisschen zu bunt und zu seicht für das eigentlich immer noch so brisante Thema daherkommt. So wird Billie Jean King etwa als kluge und zielstrebige Frau portraitiert, darf aber bei aller Kampflustigkeit nicht öffentlich wütend werden. Dass sie und die Zuschauer den Chauvinismus des Filmes tolerieren müssen, hängt natürlich auch mit dem Frauen- und Männerbild der 70er zusammen. Und doch täte dem Film mehr Ausbruch und Offensive durch die Frauen hier und da gut.

„I’m gonna put the ‘show’ back in ‘chauvinism’!“      –

 Bobby Riggs (Battle of the Sexes)

Doch wie werden Frauen heutzutage in den Medien dargestellt? Drehbuchautor Simon Beaufoy verwebt den Sexismus der Vergangenheit so geschickt mit aktuelle Klischees, dass es manchmal schwerfällt, zu unterscheiden, was eine Anspielung auf das Schubladendenken des letzten Jahrhunderts und was immer noch gängiger Humor der Unterhaltungsbranche ist. Wenn etwa Minuten vor Beginn des entscheidenden Matches der Vater von Billie Jean King zu seiner Tochter sagt: „Man sollte nie zwischen eine Frau und ihre Friseurin kommen!“ Haha, ja, voll lustig, wir Frauen sind eben alle darauf bedacht, dass die Haare richtig sitzen und die Nägel gemacht sind. Im Film selbst hat der Vater allerdings recht: die Gefühle zwischen Billie Jean und ihrer Friseurin Marilyn sind zu stark, um sich aufhalten zu lassen.

Alles in allem ist „Battle of the Sexes“ ein unterhaltsamer Film, der Lust darauf macht, sich an verregneten Herbsttagen in den Kinosessel zu lümmeln und sich in die farbenfrohen Welt der 70er fallen zu lassen. Die Regisseure Valerie Faris und Jonathan Dayton liefern einen leicht verdaulichen Film über ein komplexes Thema, der deutlich macht, was sich in den letzten 45 Jahren in unserer Gesellschaft geändert hat – und was nicht.

„Battle of the Sexes“ läuft am 23.11. in deutschen Kinos an.

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