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Heike Baur-Wagner: „Es gibt keinen Grund, warum Frauen anders Karriere machen sollten als Männer“

Warum die Diskussion über Frauen in Führungspositionen so oft in Schlagwörtern wie der gläsernen Decke versandet.

Die Glasdecke hat Risse bekommen

Die Frau, von grauen Herren unterjocht? Nein, findet Heike Baur-Wagner, Vice President Sales bei American Express Global Corporate Payments. Das wahre Problem liege ganz woanders. Arne Gottschalck von unserem Partner Manager Magazin Online hat mir ihr gesprochen.

Warum versandet die Diskussion über Frauen in Führungspositionen eigentlich so oft in den üblichen Schlagworten wie gläserne Decke?

„Wir sind auf einem guten Weg, diese Denkweise zu überwinden. Die ,gläserne Decke´ hat in den vergangenen Jahren deutliche Risse bekommen. Frauen schaffen sich die Voraussetzungen dafür, ihre Karriereplanung selbst in die Hand zu nehmen. Zum Beispiel in Netzwerken, die ihnen beim Weiterkommen helfen. Wichtig ist aber, dass diese Bewegungen nicht in alten schwarz-weißen Denkmustern verharren. Dann ist es eine Frage der Zeit, bis die gläserne Decke zum Mythos wird.“

Wie erleben Sie die Realität in Führungspositionen? Krankt das System – oder unsere Einstellung?

„Sowohl die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als auch unsere Einstellung, was Frauen in Führungspositionen betrifft, müssen sich noch weiterentwickeln. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Frauen oft nicht zutrauen, eine Führungsposition anzustreben oder anzunehmen, wenn sie eine Familie haben. Da gibt es viele Fragen zu klären und Vieles zu organisieren. Im Hinblick auf eine gute Kinderbetreuung, die immer noch nicht flächendeckend gewährleistet ist, verlässt Frauen oft der Mut. Da müssen wir alle, sowohl Frauen als auch Männer, an unserer Einstellung arbeiten. Es gibt keinen Grund, warum Frauen anders Karriere machen sollten als Männer.“

Welche Rolle spielt die Branche dabei, sind Dienstleistungsunternehmen beispielsweise weiter als das produzierende Gewerbe?

„Die jeweilige Branche hat heute immer noch einen Einfluss darauf, wie stark Frauen in Führungspositionen repräsentiert sind, auch wenn sich das langsam verändert. Im Dienstleistungssektor sind von jeher mehr Frauen tätig als im produzierenden Gewerbe. Nehmen wir als Beispiel den Maschinenbau als klassische Männerdomäne. Allein schon die Tätigkeit bedingt, dass der Frauenanteil im Dienstleistungssektor insgesamt höher und damit in diesem Bereich auch die Geschlechterverteilung in den Führungspositionen ausgeglichener ist.“

Wie wichtig ist eigentlich das „geführt-werden“, sprich die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich „einzulassen“?

„Meines Erachtens kann ein Team, das aus einem Vorgesetzten und seinen Mitarbeitern besteht, nur dann erfolgreich sein, wenn sich beide auf ihre Rollen einlassen. Dazu müssen eine gute ,Leadership´, die leitet, Ziele setzt und gleichzeitig die Weiterentwicklung der Mitarbeiter fördert sowie die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich führen zu lassen, Hand in Hand gehen. Das ist wie beim Tanzen: Gibt der eine keinen Halt und lässt sich der andere nicht führen, ist das Paar unkoordiniert und wird sein Ziel nicht gemeinsam erreichen.“

Sprechen wir in zehn Jahren eigentlich noch von der „Quote“?

„Vielleicht sprechen wir dann von einer Männerquote? Im Ernst: Ich wünsche mir, dass wir in zehn Jahren nur noch davon sprechen, dass Positionen nach Kompetenzen besetzt werden. Unabhängig vom Geschlecht und erst recht nicht quotenkonform.“

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