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Frauen und Männer verhalten sich im Job gleich – sie werden nur anders behandelt

Frauen seien weniger proaktiv und weniger durchsetzungsfähig – die Versuche, den Gender-Pay-Gap zu begründen, sind durchaus kreativ und vielfältig – aber allesamt falsch, zeigt eine neue Studie der Harvard Business Review.

 

Frauen = weniger durchsetzungsfähig?!

Die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Unternehmen ist ein frustrierendes Thema. Denn noch immer wird der Gender-Pay-Gap nicht kleiner. Frauen sind noch immer stark unterrepräsentiert – in Unternehmen im Allgemeinen, und in den Führungsetagen erst recht. Doch was ist der Grund dafür? Als Antwort darauf existieren bisher lediglich Vermutungen: Frauen seien weniger durchsetzungsfähig, weniger proaktiv, weniger stark. Ihr angebliches „zurückhaltenderes Verhalten“ ist eine Phrase, die in diesem Zusammenhang gerne in den Mund genommen wird. Doch ist das tatsächlich so? Verhalten sich Frauen so signifikant anders als Männer?

Harvard Business Review hat genau das am Beispiel einer multinationalen Firma, die sich mit Unternehmensstrategien beschäftigt, untersucht. In der Firma arbeiten circa 35 bis 40 Prozent Frauen, in den einzelnen Etagen sind jedoch deutlich immer weniger Frauen vertreten, je höher die Verantwortungsebene ist. In der zweithöchsten Etage sind gerade mal 20 Prozent Frauen beschäftigt.

Auf der Suche nach Antworten 

Über vier Monate hinweg sammelte HBR die Daten zur E-Mail-Kommunikation und Terminplänen von insgesamt 500 Angestellten aller Etagen. Im zweiten Schritt wurden 100 dieser Angestellten mit sogenannten „Sociometric Badges“ ausgestattet. Diese enthalten Sensoren, die die Anzahl an Face-to-Face-Interaktionen, Dauer, Betonung, Lautstärke sowie Geschwindigkeit von Gesprächen und die physische Nähe zu Personen messen können. Die daraus gewonnenen Daten wurden anonymisiert und ausgewertet. Das Ziel: möglicherweise einen Grund dafür zu finden, warum Frauen im Arbeitskontext noch immer anders behandelt werden. Vielleicht haben Frauen weniger Face-to-Face-Interaktionen mit Managern? Oder womöglich sind sie weniger proaktiv oder sprechen anders?

Die Antwort ist kurz, knapp und ganz einfach: Nein. Frauen verfügen sowohl über die gleiche Anzahl an Kontakten wie Männer, beschäftigen sich genauso viel mit den Themen rund um Führungspositionen, erhalten nahezu identische Leistungsbeurteilungen, haben die gleichen Arbeitsmuster. Die Studie zeigt: Frauen und Männer handeln gleich – sie werden nur anders be-handelt. 

Die Frage nach dem Warum ist also nicht in dem Verhalten zu finden, sondern viel tiefer verankert: in der Voreingenommenheit, in den Vorurteilen, in den Unternehmensstrukturen, die diese Tendenzen weiterhin fördern anstatt sie zu stoppen.

Was können Unternehmen dagegen tun?

Die Unternehmen sind in der Pflicht, Aufklärung zu betreiben. Sie bieten den Raum, in dem die Vorurteile weiterhin verstärkt und verbreitet werden können – daher sind sie umso mehr in der Pflicht, mit ihren Mitarbeitern daran zu arbeiten und die Vorurteile zu entkräften. 

Was diesen Unternehmen fehlt, ist: Diversity-Kompetenz. Denn solange die Mitarbeiter nicht frei von Vorurteilen sind, Frauen als weniger geeignet betrachten und sie dadurch von höheren Positionen ausgrenzen, ist das Miteinander stark von Diskriminierungsmustern belastet. 

Daher ist es die Aufgabe der Unternehmen, gezielt Schulungen zur Weiterentwicklung der Diversity-Kompetenz anzubieten, die über Gleichbehandlungsgesetze aufklären und zur Reflektion des eigenen Handelns anregen. Die Mitarbeiter lernen auf diese Weise nicht nur theoretisch, was Diversity im Berufsalltag bedeutet, sondern auch, welche konkreten Handlungsstrategien dafür notwendig sind. 

Frauen und Männer sind gleich. Sie verhalten sich gleich. Sie handeln gleich. Warum also werden sie nicht auch gleich behandelt?

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