Foto: JT Touristik

Wie Jasmin Taylor in sechs Jahren ein millionenschweres Unternehmen aufbaute

Jasmin Taylor hat innerhalb von sechs Jahren ein millionenschweres Unternehmen aufgebaut. Wie, hat sie uns erzählt.

 

Ein starker Wille ist Trumpf

Jasmin Taylor kam mit 17 aus dem Iran nach Deutschland, hatte gerade einmal 500 Euro in der Tasche, verstand die Sprache nicht und hatte kein Netzwerk. Klingt nicht nach den einfachsten Voraussetzungen, um als erfolgreiche Unternehmerin durchzustarten. Und doch hielt sie das nicht auf. Jasmin Taylor machte einen Sprachkurs, schaffte das Abitur, studierte und gründete ein Online-Reisebüro. Doch nach ein paar Jahren wollte sie mehr – und hatte eine entscheidende Idee, die sie zum Erfolg führte.

Mit  JT Touristik zog sie ein Unternehmen hoch, das innerhalb von gerade mal sechs Jahren einen Jahresumsatz von 151 Millionen Euro verzeichnen kann. Welche Faktoren sie erfolgreich machten und was es braucht, um sich als Frau in einer Männerdomäne durchzusetzen, erzählt sie uns im Interview.

Frau Taylor, Sie kamen als junge Frau mit gerade einmal 500 Euro in der Tasche in Deutschland an. Heute gehört Ihnen ein Unternehmen, das 151 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht. Was haben Sie in den ersten Jahren in Deutschland gemacht und wie kam es zur Idee, ein Touristik-Unternehmen zu gründen?

„Ich habe die deutsche Sprache in einem Sprachkurs und auf dem Gymnasium gelernt und vier Jahre später mein Abitur gemacht. Um mir mein Leben zu finanzieren, habe ich Vollzeit in einem Hotel gearbeitet und von einer Zukunft als Unternehmerin geträumt. Neben meinem Gründergeist und meinem ausgeprägten Faible für die Branche war ein wichtiger Punkt das Internet. Als ich 2002 vor der Entscheidung stand, ein Unternehmen zu gründen, gab es im Grunde nur drei Produkte, die man erfolgreich online vertreiben konnte: Bücher, CDs und Reisen.“

Direkt nach dem Studium zu gründen, dazu gehört sehr viel Mut – aber auch das nötige Know-how. Was war rückblickend wichtiger?

„Ich habe 2002 mit einem Computer und einem Gewerbeschein angefangen. Bevor ich 2009 JT Touristik gründete, betrieb ich ein Online-Reisebüro. Ich denke, der unbedingte Willen und Fleiß sind die tatsächlichen Voraussetzungen, die das nötige Know-how Schritt für Schritt mit sich bringen. Meine Eltern haben mit meiner Erziehung den Grundstein dafür gelegt, dass ich die Kraft und den Mut hatte, an mich selbst zu glauben und meine Träume umzusetzen, das ist für mich eine Grundvoraussetzung, nicht nur für die Gründung eines Unternehmens.“

Was waren die wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen der letzten Jahre, die zu Ihrem heutigen Erfolg geführt haben?

„Ich hatte zur richtigen Zeit die richtige Geschäftsidee. Die Vereinigten Arabischen Emirate, und speziell Dubai, galten damals fast noch als Insider-Destinationen, so war die Positionierung und der stetige Ausbau unserer Expertise für die Vereinigten Arabischen Emirate ein wichtiger Faktor für unser Wachstum. Ich hatte viele Kontakte in die arabische Welt und konnte dort – ebenso wie bei unseren mittlerweile zahlreichen Vertriebskunden im Inland – langjährige Geschäftsbeziehungen aufbauen. Natürlich waren neben harter Arbeit und viel Fleiß auch immer das Quentchen Glück und der Support eines tollen und kompetenten Teams wichtige Kriterien, die zum Erfolg führten.“

Gerade wurden Sie mit dem IF Design Award ausgezeichnet. Überzeugt haben Sie die Jury mit Ihrer starken Corporate Identity. Wie kam es zur Farbe Pink und was ist neben der Farbe das wichtigste Merkmal der CI von JT Touristik?

„Wir haben uns auf der Suche nach einer starken Corporate Identity für eine frische und feminine Farbe entschieden, nicht zuletzt auch deswegen, weil Frauen oft die Entscheidung für die Urlaubsreise treffen. Zudem sind ein gutes Auge für den Markt, ständige Verbesserungen der Produkte und das Bestreben, besten Service anzubieten, Erfolgskriterien, die JT Touristik zu einem der wichtigsten Reiseanbieter der Touristik-Branche gemacht haben.“

Wenn die Corporate Identity ein wesentliches Erfolgsmerkmal des Unternehmens ist, geht es dabei dann vor allem um den Wiedererkennungswert?

„Pink ist eine Farbe, die Schönheit suggeriert, Qualität ausstrahlt und weiblich ist. Wir haben uns bei der Erabeitung unseres Markenauftritts viele Gedanken gemacht und unter anderem auch das Buchungsverhalten und die Wirkung von Farben berücksichtigt. Mein Psychologiestudium war hier ein wichtiger Baustein für das Definieren der JT-Farbe. Bei unseren Angeboten dreht sich alles ums Genießen, Spaßhaben, Loslassen. Das suggeriert Pink.“

Sie selbst sind durch ihre pinken Outfits schließlich zur lebenden Marke geworden. Wie fühlt es sich an, so mit dem eigenen Unternehmen zu verschmelzen?

„Ich bin überaus stolz auf das Unternehmen, das ich zusammen mit meinem Team geschaffen habe. Die Arbeit füllt einen großen Teil meines Lebens, es ist mir daher wichtig, dass mir meine Aufgabe Spaß macht. Ich verkörpere JT Touristik und arbeite jeden Tag mit Leidenschaft und Ehrgeiz, es fühlt sich also sehr gut an, ein wichtiger Teil des Unternehmens zu sein und gleichzeitig zu wissen, dass das Unternehmen ein wichtiger Teil von mir ist.“

Man stelle sich vor, Sie würden Ihr Unternehmen verkaufen wollen. Würde JT Touristik überhaupt ohne Jasmin Taylor funktionieren?

„Langfristig ist es mein Ziel, weniger zu arbeiten und mich getreu meines Credos ‚Travel as much as you can’, vermehrt dem Reisen zu widmen. Ich liebe meinen Job und arbeite sehr gern, einen Verkauf meines Unternehmens strebe ich derzeit nicht an. Für meine Reisevorhaben habe ich ein starkes Team, das in meinem Sinne agiert und dem ich während meiner Abwesenheit voll und ganz vertrauen kann.“

Was war der wichtigste Karriere-Ratschlag, den Sie je bekommen haben?

„Lass Dich nicht unterkriegen! Es war nicht einfach, sich in einer von Männern dominierten Geschäftswelt als Migrantin durchzusetzen, ich brauchte ein starkes Selbstvertrauen und die Kraft und Begeisterung, mich für meinen Weg einzusetzen.“

Und welchen Tipp würden Sie jungen Gründerinnen mit auf den Weg geben?

„Habe keine Angst vor Rückschlägen. Den Mut, seine Träume zu verwirklichen und die Hoffnung, die einen jungen Gründer wachhält, waren stets eine unschätzbare Hilfe für mich, um mich auch bei Fehlschlägen nicht unterkriegen zu lassen. Erfolg ist die Summe vieler, vieler Misserfolge.“

 

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