Foto: Roxanne Desgagnes - Unsplash

Klima, ich habe die Menschen für dich geschrumpft!

Im Film „Downsizing“ wird die Menschheit geschrumpft, um den Klimawandel zu stoppen, doch letztlich zählt nicht Klima, sondern Kapitalismus – Warum der Film keinen wertvollen Beitrag zum Diskurs über den Klimawandel darstellt.

 

(Achtung, kleine Spoiler!)

Begeisterten Menschen (als auch dem Kinopublikum) wird am Anfang des Films „Downsizing“ ein halb voller Sack vor die Nase gehalten, dessen Inhalt mit nicht verwertbarem Müll von um die 20 Personen einiger Jahre gefüllt ist. Erstaunte Gesichter und begeisterter Applaus sind die Reaktion auf diese erstaunlich kleine Menge an Müll. Verständlich, denn der durchschnittliche Mensch verbraucht über 200kg Verpackungsmüll in einem Jahr. 

Die Lösung stellt laut Film das Downsizing dar. Doch ist das die einzige Möglichkeit? Müssen wir wirklich auf die Zukunft warten – darauf, dass wir geschrumpft werden können (mal abgesehen von der realistischen Möglichkeit, Menschen zu schrumpfen), um als winzige Menschen ein ebenso verschwenderisches Leben führen zu können, das aber eben nur winzige Auswirkungen auf die Umwelt hat? Die Frage lässt sich natürlich klar mit Nein beantworten. Der Klimawandel betrifft uns alle und zwar genau jetzt. Viele Menschen machen bereits vor, dass man seinen Müll sogar auf ein Einmachglas reduzieren kann. Es gibt Zero-Waste-Märkte und mittlerweile sogar Cafés, die ihren Müll auf ein Minimum reduzieren. 

Im Film taucht jedoch kein Anzeichen von Ideen oder Menschen auf, die eine Verbesserung hervorrufen könnten. Im Gegenteil: Der Kapitalismus spielt die tragende Rolle. Am Ende zählt für fast Niemanden in der kleinen Stadt die Umwelt. Viel wichtiger ist, dass ein Miniatur-Schmuck-Set weniger als 100 oder winzige Zigarren nur einen Dollar kosten, wenn man auf Zentimeter herunter geschrumpft wurde. Im Laufe des Films stellt sich heraus, dass die wenigsten BewohnerInnen der Stadt aus Klimaschutzgründen dort leben. Entweder hat sie Langeweile, Geldprobleme oder sogar Straftaten zum Schrumpfen getrieben. 

Ein Mal wird dann doch der eigentliche Grund für das Downsizing angesprochen: Das Auftauen des Permafrostbodens, das Methan freisetzt, welches weitaus schädlicher wirkt als Kohlendioxid. (Den Protagonisten juckt das weniger, viel störender ist der Musik hörende Nachbar, der ihm das Date versaut.) Dieser Fakt soll gegen Ende des Films auch das Ende der Menschheit bedeuten. Downsizing kam zu spät, der Mensch lebt seine letzten hunderte, tausende Jahre. 

Auf eine lehrende Botschaft, auf einen Aufruf an das Kinopublikum zum bewussten Leben, zu nachhaltigen Alternativen wartet man vergebens. Ist ja eh alles egal, wir sterben sowieso bald aus. Dann können wir den Planeten Erde einfach gleich mitnehmen. Hier lässt sich natürlich anbringen, dass der Film vielleicht satirisch geschaut werden kann und somit findet sich dann auch der kritische Umgang mit der globalen Erwärmung wieder. Dennoch wäre ein didaktischer Anknüpfungspunkt wünschenswert gewesen. Vielleicht hätte ein Hollywood-Film mit einer solchen Reichweite Menschen angesprochen, etwas zu bewegen, bevor es wirklich zu spät ist. 

Trotz alledem ist der Film kein Fehltritt, denn er liefert unbekannte Bilder: Die Vorstellung des Downsizing erweckt Gänsehaut und zugleich das kindliche Verlangen mit Puppenhäusern zu spielen. Gerade die Rolle der Ngoc Lan Tran (gespielt von Hong Chau) ist gut gewählt als auch gespielt. Sie öffnet Paul Safranek (Matt Damon) die Augen, dass selbst in der geschrumpften Welt die Missstände der großen Welt vorherrschen. Diese Anspielung auf Kritik am Rassismus, der Klassengesellschaft oder der Flüchtlingsproblematik wirken jedoch wenig aussagekräftig. So will der Film einerseits Komödie, als auch Drama sein und nebenbei noch satirisch mit eben genannten Themen als auch der Klimaerwärmung dealen. Am Ende ist das dann doch etwas zu viel für einen Film wie „Downsizing“.

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