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Kunst

Es gibt Künstler, die frönen ihrem ideenreichen Tatendrang auf Leinwänden oder im Schaffen von Skulpturen.

 

Dem Amerikaner James Kuhn ist diese Art von Kreativität ein wenig zu langweilig. Zwar malt er auch gern mit dem Pinsel in der Hand, doch tut er dies eher selten an einer Staffelei. Kuhn ist Künstler mit Leib und Seele – man sollte besser sagen mit Seele und Leib! 

Denn der Mann aus dem Bundesstaat Michigan bemalt sein eigenes Gesicht – und das auch noch fast täglich. Mit Wasserfarbe und Pinsel in der Hand sitzt er dann teils bis zu fünf Stunden vor dem Spiegel und kreiert ein „face painting“. Jedes Mal ein neues Motiv und jedes Mal ein detailreiches und faszinierendes Kunstwerk. Der Amerikaner bezeichnet seine Schöpfungen selbst als „transformations“, da er sich immer wieder in eine neue Gestalt verwandelt. 

Horrorfratzen und Vaseline

Die Idee zum „face painting“ kam ihm, als er im Winter zu Hause eingeschneit wurde und sich die Zeit vertreiben musste. So kam es dazu, dass der 48-jährige sein Gesicht bemalte und fortan jeden 

Tag seine Kreation online stellte. Einige Prominente und bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen finden sich mittlerweile darunter, wie z.B. Scooby Doo, Spongebob, Michael Jackson, Clint Eastwood oder passend zu Halloween gruselige Filmgestalten wie Hannibal Lector, Pennywise, der Clown aus dem Stephen King Thriller „Es“ oder auch Freddy Krüger. „Der war schwierig“, schrieb er seinen Anhängern im World Wide Web, „nachdem ich mir die Klingen auf meine rechte Hand klebte, war es fast unmöglich noch zu malen.“ Der Künstler erfindet sich jeden Tag neu. 

Fantasievoll und zumeist farbenfroh präsentieren sich seine Motive aus den verschiedensten Bereichen. Ob angepinselt wie ein grüner Turnschuh, als Pitbull mit weit aufgerissenem Maul, als Esel (ein bisschen fühlt man sich dabei an Shrek erinnert) oder gar als Cola-Flasche – Kuhns Ideenreichtum ist schier unerschöpflich. Mittlerweile hat Kuhn eine riesige Internet-Fangemeinde, die mit Spannung seine neuesten Werke erwartet. Beliebt sind auch seine amüsanten Kommentare zu den Kunstwerken. So porträtierte er sich einst Mr. T auf den Kopf. Als kleine Anedokte berichtet er seinem Publikum, wie er sich einen ziemlich dicken Puppenarm in die Nase steckte, um dem A-Team-Helden möglichst einen plastischen Eindruck zu verleihen. „Das ging natürlich nur mit Vaseline“ verkündete er auf seiner Website bei Flickr. 

Perfekte Illusionen

Manche seiner Schöpfungen lassen sich nicht auf den ersten, sondern erst auf den zweiten Blick erkennen. Andere seiner Kunstwerke geben ihre wahre Schönheit erst beim Anblick aus verschiedenen Blickwinkeln preis. Das nahm Kuhn zum Anlass, seine Arbeiten auch als Videos (aka hawhawjames) ins Netz zu stellen, um so dem Betrachter mit wechselnden Perspektiven in den Bann zu ziehen. Dabei mimt James Kuhn gerne auch mal den Clown, legt die passende Mimik auf und zieht fiese bis komische Grimassen. Hin und wieder gibt er einen kurzen Einblick in die Schaffensphase eines neuen „Gesichtes“. Quasi ein Making-of, bei dem er in bebildeter Form zeigt, wie er zum Beispiel die Konturen für ein Motiv auf seinem Körper vorzeichnet. 

Cornflakespackungen und Pizzakartons

James Kuhn achtet bei seinen Arbeiten darauf, möglichst mit einfachen Mitteln eine perfekte Illusion zu schaffen. So bastelt er sich aus Pappkartons, die er von Cornflakespackungen und Pizzakartons nimmt, Haarteile, Kopfbedeckungen und andere Anbauelemente, die er dann mit Farbe entsprechend seinen Bedürfnissen koloriert. Der Künstler überrascht den Betrachter auch gern mit Illustrationen, die er verkehrt herum auf sein Gesicht pinselt. Ein anderes Mal bedient er sich gar seines Halses und der Schultern um sein künstlerisches Werk zu erweitern. Seine Inspiration scheint schier unerschöpflich. Manchmal schafft es Kuhn sogar mehrere Figuren gleichzeitig auf dem Gesicht darzustellen. Spektakulär ist dabei zum Beispiel das Porträt aller vier Mitglieder der Rockband Kiss auf seiner Gesichtfront. Auch Harry Potter nebst Dumbledore und Voldemort illustrierte er bereits gleichzeitig in einem Gesichtsporträt. 

Beinah jeden Tag kommt ihm eine neue schräge Idee. So auch jene vom 14. April dieses Jahres, als er sich mit dem Konterfei von Professor Edward C. Burke alias Lon Chaney aus dem Stummfilm „London after midnight“ (aus dem Jahre 1927) bemalte. Der US-amerikanische Schauspieler Lon Chaney wurde als „der Mann mit den 1.000 Gesichtern“ bekannt und trat überwiegend in Horrorfilmen auf (unter anderem spielte er den „Glöckner von Notre-Dame“ (1923) und die Hauptrolle in „Das Phantom der Oper“ (1925)). James Kuhn schreibt zu seinem Abbild von Lon Chaney: „Ich hoffe selbst einmal 1000 Gesichter zu erreichen“. Bei dem Output, den James Kuhn bislang liefert, dürfte auch diese Zahl schon in Bälde nur noch eine Momentaufnahme darstellen. Man darf gespannt sein, was dem Künstler als nächstes einfällt. 

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