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Leisten Kinderlose mehr?

Eine Studie der Universität Konstanz räumt mit Vorurteilen gegenüber arbeitenden Eltern auf: Ihre Produktivität leidet nicht.

 

Angst vor dem Karriere-Knick

Über Eltern als Mitarbeiter gibt es viele Vorurteile: Arbeitgeber fürchten, dass Sie weniger produktiv sind und öfter fehlen, weil das Kind krank wird.
Dass Kinder für die Karriere ein Hindernis sein können, ist keine große Überraschung. Denn Kinder kosten nicht nur Nerven, man braucht vor allem Zeit für sie. Zeit, die dann im Berufsleben fehlt. Gerade deshalb stehen immer mehr Menschen vor der grundlegenden Entscheidung zwischen Famillie und Karriere. Viele wissen: Beides gemeinsam ist schwierig. Auch die Angst dem Arbeitgeber nicht mehr zu genügen oder keine Stelle zu finden, spielt eine Rolle. Doch wie stark beeinflusst eine Elternschaft wirklich die Arbeitsleistung? Diese Frage haben Wissenschaftler der Universität Konstanz jetzt in einer Studie genauer untersucht. Befragt wurden um die 10.000 Wirtschaftswissenschaftler aus 75 Ländern – mit Kindern und ohne. Getestet wurde ihre Produktivität gemessen an der Anzahl und Qualität ihrer wissenschaftlichen Publikationen. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Wie produktiv sind Eltern?

Von den rund 9.400 Befragten hatten lediglich 6.400 eigene Kinder, wovon Männer im Durchschnitt 0,2 Kinder mehr hatten als die weiblichen Befragten. Dass sich in vielen Kulturen vor allem in den Anfangsjahren Frauen in Vollzeit um die Kinder kümmern, spiegelt diese Ergebnisse wider. Berufstätige Wissenschaftlerinnen verzichten also eher auf Kinder als ihre männlichen Kollegen. Väter unterstützen die Familie häufiger finanziell, indem sie weiterhin ihren Beruf ausüben. 

Laut den Ergebnissen der Studie hängt die berufliche Produktivität eines Mannes weniger mit seiner aktuellen Familienlage zusammen als die von Frauen. Sie sank mit Kind nur um fünf Prozent. Bei Müttern jedoch sank die berufliche Produktivität um 15 bis zu 17 Prozent. Zu den Gründen, warum die Publikationsanzahl der Wissenschaftlicherinnen im Vergleich zu ihren Kollegen, die Kinder hatten, sank, liefert die Studie keine Erkenntnisse. Hierzu könnten Forschungsarbeiten Aufschluss bieten, die sich mit der Arbeitsbelastung zu Hause auseinandersetzen und zum Beispiel fragen: Leisten Mütter mehr Familienarbeit als Väter? Machen sie weniger Überstunden und arbeiten etwa nicht am Wochenende?

Den Produktivitätsverlust der ersten Jahre gleichen Eltern übrigens wieder aus: Vor allem Wissenschaftler und Wirtschaftlerinnen mit Kindern erwiesen sich als emsige Forscher, wenn man ihre Arbeit vor der Elternschaft und ab einem bestimmten Alter der Kinder in die Produktivitätsmessung miteinbezog. Eltern mit zwei Kindern publizierten in der Gesamtbetrachtung ihrer Laufbahn sogar mehr als Kollegen mit einem oder keinem Kind. Das Vorurteil, dass nur Kinderlos besonders fleissige Mitarbeiter sind, hat die Studie also widerlegt.


Ein Vater und eine Mutter mit ihren zwei Kindern. (Quelle: Parker Knight I Flickr I CC BY 2.0)

Das Geheimnis lautet: „Plant eure Elternschaft“

Die Studie fand außerdem heraus, dass es erhebliche Unterschiede in der langfristigen Effizienz von Frauen und Männern gibt, die ihre Elternschaft mit in ihre Karriere eingeplant haben. Bei dieser Gruppe wurde ein erheblich geringerer Produktivitätsverlust gemessen. Frauen mit einer geplanten Schwangerschaft – meist über 30 – konnten sich nach der Elternzeit leichter wieder in die Arbeitswelt hineinfinden als Frauen, die von einer Schwangerschaft überrascht wurden. Bei ihnen waren Auszeit und Wiedereinstieg besser geplant. Wem also Karriere und Familie ähnlich wichtig sind, der kann von den Ergebnissen der Studie insofern profitieren, auch diesen „Karriereschritt“ zu planen.

Für Firmen bedeutet dies außerdem, dass eine Unternehmenskultur, die Elternschaft fördert und Angestellten ermöglicht, Familienthemen offen anzusprechen, Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert. Davon profitieren auch die Unternehmen, denn eine gute Planung, die von Organisationen mitgetragen wird, erhöht die Produktivität ihrer Mitarbeiter. Unternehmen, die eine eigene Betriebs-Kita anbieten, so dass Mitarbeiter zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl wiedereinstiegen können, sind hier die besten Vorbilder. Damit auch Menschen, die öffentliche Kitas benötigen, diese Flexibilität nutzen können, muss in Deutschland noch einiges passieren.

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