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Mein Recht auf Unkommentiertheit meines eigenen Körpers

„Das darf man jetzt also auch nicht mehr sagen“ empören sich Männer,seitdem die Sexismus – Debatte an Fahrt aufnimmt.

 

Die Tage, an denen ich morgens völlig arg- und sorglos zum Kleiderschrank geschlurft bin, um mir ein paar Kleidungsstücke für den Tag zu schnappen, sind lange, lange vorbei. Ich schätze so um die 25 Jahre vielleicht. Jetzt bin ich 36. Was zunächst fast noch als kindliche Spielerei begann, wurde bald zum täglichen Programm. Die Frage nach dem richtigen Outfit und das mehrmalige Umziehen bis zur endgültigen Zufriedenheit gehörten für mich zu einem normalen Tag dazu. Wie schnell oder in welchem Umfang die Zufriedenheit erreicht werden konnte, beeinflusste meine Stimmung. Und mein Selbstwertgefühl.

Aus heutiger Sicht erscheint mir das absurd. Und gleichzeitig ist es leicht erklärbar, warum unzählige Mädchen und Frauen einen Großteil ihrer Zeit aufwenden, um schön, hip und lässig auszusehen. Nichts wird im Leben einer Frau mit solcher Intensität und Konsequenz positiv honoriert wie Äußerlichkeiten. Schon das kleine Mädchen im Kinderwagen lernt, dass es einen ganz zauberhaften Pulli anhat und die passenden Schühchen anhat, noch bevor sie Pulli oder Schühchen sagen kann. Irgendwann muss dann das pubertierende Mädchen erkennen, das es ab jetzt auf sein Gewicht zu achten habe. Die Gefahr, das auch nur an einem einzigen Tag zu vergessen, besteht schon aufgrund der

digitalen Welt nicht, in der sich junge Mädchen so selbstverständlich bewegen, als würden sie sich dort auskennen und deren Gefahren einschätzen können. Hat das Mädchen die Pubertät dann irgendwie hinter sich gebracht, ist aber noch lange nicht der Kampf zu Ende.

Der alltägliche Wahnsinn zwischen Kompliment und Rechtfertigung

Als erwachsene Frau sieht man sich nahezu täglich mit zwei möglichen Szenarien konfrontiert. Entweder man hat es geschafft noch schnell die Bluse für den nächsten Tag aufzubügeln und ist morgens zwischen dem Schulbrot für die Kinder und dem Schreiben der To-do-Liste dazu gekommen etwas Makeup aufzulegen. Dann bekommt man ein Sternchen vom älteren Kollegen, der einem sagt, wie gut man doch wieder aussieht und wie sehr er sich freut, mit solch einer schönen Frau zusammen zu arbeiten, denn was kann es denn schöneres geben. Oder man hat sich am Abend vorher einfach dazu entschlossen am nächsten Tag den Wollpulli zu tragen. Am Morgen war es wichtiger den Kaffee nicht runterzukippen, sondern in Ruhe zu genießen. In diesem Fall muss man allerdings damit rechnen in eine Rechtfertigungshaltung gedrängt zu werden. Man beantwortet dann Fragen danach, was denn los sei und ob es einem vielleicht nicht gut gehe.

Es geht mir gut! Es ist nichts los! Ich hatte einfach nur keine Lust. Ich hatte keine Lust mich zu hetzen und wollte lieber die Zeit nutzen, um einen
Moment Ruhe zu finden. Und da ich mich gut kenne und auch nicht alle
Spiegel in meiner Wohnung abgehängt habe, weiß ich in der Regel,
wie ich aussehe. Manchmal müde. Manchmal fit. Manchmal sexy. Eben so
wie ein Mensch aussieht, wenn er sich mal mehr und mal weniger gut
durchs Leben schlägt.

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