Foto: Tanja Heffner | Unsplash

Was macht eine Familienbegleiterin? „Meine Arbeit ist es, meine Arbeit unnötig zu machen“

Wie wird man eigentlich Familienbegleiterin und welche Aufgaben warten in diesem Beruf? Davon erzählt unsere Community-Autorin Katharina Theissig.

 

Mir war schnell klar: Ich will mit Eltern und ihren Kindern arbeiten

Immer wieder kommt die Frage auf, was genau ich denn arbeite. Und ob ich vielleicht Lehrerin sei. „Nein“, sage ich dann, „Ich bin Familienbegleiterin und meine Arbeit ist es, meine Arbeit unnötig zu machen.“

Als ich vor vielen, vielen Jahren mein Studium der Pädagogik anfing, wusste ich nur so vage, dass ich irgendetwas mit Menschen machen möchte. Denn ich war schon von klein auf sehr interessiert an den Lebensgeschichten anderer und schon immer konnte ich gut zuhören. Das Studium kam und ich schwankte lange zwischen den Themenbereichen „Elementar- und Familienpädagogik“ und der „Erwachsenenbildung“. Die entscheidenden Weichen für alle weiteren Entwicklungen hat dann mein Praktikum im Jugendamt gestellt. Denn dort habe ich erlebt, wie wichtig und schön die Arbeit mit Eltern und Kindern ist. Und ich wusste: Genau das ist mein Ding! Von da an stand fest: Nach meinem Studium möchte ich unbedingt im Jugendamt arbeiten.

Mir war wichtig, junge Familien frühzeitig zu unterstützen

Mein Leben hat dann noch ein paar Wege kreuz und quer gemacht – inklusive einer Übersiedelung nach Österreich und befristeten Jobs bei Weiterbildungsträgern, bei denen es um die Eingliederung von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt ging. Schlussendlich las ich dann 2009 eher durch Zufall, dass im Jugendamt im Nachbarslandkreis auf deutscher Seite eine Sozialpädagogin gesucht wird. Also bewarb ich mich und bin seither erst im Pflegekinderdienst, dann bei KoKi, dem „Netzwerk frühe Kindheit“ und jetzt auf der Familienförderstelle tätig.

Im Laufe der letzten Berufsjahre habe ich entdeckt, dass mein Herz vor allem für Schwangere und junge Familien schlägt. Es macht einfach Sinn, Familien frühzeitig zu unterstützen und zu stärken und nicht erst einzugreifen, wenn „das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“ und sich die Probleme bereits aufgetürmt haben. Deshalb habe ich auch meine Fachkenntnisse dahingehend vertieft und gezielt Weiterbildungen im Bereich der Frühen Hilfen gemacht, wie z.B.  ein „Early life care“ – Masterstudium, eine Zertifizierung zur Elternbegleiterin und eine Weiterbildung zur Sprachfördertrainerin.

Ich will Eltern in eine bindungsorientierte Elternschaft begleiten

Ich begreife meine Arbeit als Komplettpaket: Ich begleite und unterstütze Eltern auf ihrem Weg. Ich zeige ihnen auf, wie Elternschaft gelebt werden kann. Leider ist es so, dass der Weg in die Elternschaft heute nicht immer einfach ist und dass viele Eltern viele Fragen und Probleme haben und Hilfe benötigen. Da bin ich da und stelle all mein Wissen den Eltern um mich zur Verfügung. Dadurch möchte ich sie auf ihrem Weg zu einer liebevollen, bindungsorientierten Elternschaft unterstützen.

Ich berate sie dazu, wie sie die Geburt gestalten können, wo sie eine gute Hebamme finden und erkläre ihnen die Vorteile einer guten Geburtsbegleitung durch Hebamme und Doula. Ich bin nach der Geburt da, um zu unterstützen, um beim Aufbau einer guten Stillbeziehung zu helfen, um zu sehen, welche Möglichkeiten es gibt, wenn die Kinder viel Schreien oder das Schlafen ein Problem ist. Ich begleite auf dem Weg durch die Elternzeit mit Ideen, Spielen und Liedern. So kommt es auch, dass ich viele Eltern über Jahre hinweg begleite. Mal mehr, mal weniger. Viele von denen, die ich eine Zeit begleitet habe, melden sich immer mal wieder, schicken Fotos oder melden sich später mal wieder mit Fragen.

Wie so ein Alltag aussieht? Es wird nicht langweilig: Ich bin viel unterwegs, besuche Eltern zu Hause, ich habe viele Termine, wo ich mich und meine Arbeit in Spiel- und Krabbelgruppen vorstelle. Wir Familienbegleiterinnen arbeiten sehr eng zusammen mit Kinderärzten, Gynäkologen, Frühförderstellen, Krankenhäusern, Hebammen. Uns allen ist es wichtig mit unserer Arbeit, den Eltern ein kleines Stückchen auf ihrem Weg weiter zu helfen, ihnen den Alltag zu erleichtern und ihnen neue Möglichkeiten aufzuzeigen oder sie zu bestärken in der Art, wie sie schon leben. So, dass sie es auch aus sich heraus schaffen, einen guten Weg zu gehen und ihren Kindern eines Tages das auf den Weg mitgeben können, was sie vielleicht selbst nicht bekommen haben. Mein Weg ist also, meine eigentliche Arbeit unnötig zu machen!

Mehr bei EDITION F

„Wenn wir Jugendlichen nichts zutrauen, dann tun sie das auch nicht“ Weiterlesen

1:1-Betreuung bei der Geburt sei „Luxus“ – Krankenkassen schaffen das wohnortnahe Angebot für Schwangere ab. Weiterlesen

So werden Mädchen stark und selbstbewusst – 5 Tipps für die Erziehung. Weiterlesen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About Zeen

Power your creative ideas with pixel-perfect design and cutting-edge technology. Create your beautiful website with Zeen now.

Weitere Beiträge
Frauen dürfen mit so vielen Menschen schlafen, wie sie wollen – kommt drüber weg!