MINT ist nicht die Lösung

„Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen nach wie vor besser als der Arbeitsmarkt“ (Allmendinger) – was läuft da so grundverkehrt?

 

 MINT ist nicht die Lösung – Plädoyer
für eine Aufwertung der sog. Frauenberufe
 

  

Unlängst stieß ich auf ein Zitat von Prof. Dr. Jutta Allmendinger, das aus einem
Zeit-Interview vom August 2017 stammt: „
Der
Heiratsmarkt bezahlt Frauen nach wie vor besser als der Arbeitsmarkt.
[i] Das ist, um ein derzeit
leider inflationär verwendetes Prädikat zu verwenden, unfassbar. Was läuft da
so grundverkehrt?
 

Die Ursachen dafür, dass Frauen schlechter bezahlt werden, sind vielfältig und komplex. Zudem
gibt es zwei Formen der schlechteren Bezahlung: Auf der einen Seite wählen Frauen
häufig Berufe, die schlechter dotiert werden, auf der anderen Seite werden sie
aber auch für gleiche Arbeit schlechter bezahlt. Letzteres sollte mit dem
„Entgelttransparenzgesetz“ bekämpft werden, das allerdings nur für Unternehmen
mit mehr als 200 Beschäftigten gilt; und dann muss es auch noch mindestens
sechs Kollegen mit einer vergleichbaren Tätigkeit geben. Was die „falsche“
Berufswahl betrifft, gibt es seit vielen Jahren schon MINT-Programme, die
Mädchen und junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Fächer
begeistern wollen. Fächer, die zu Jobs mit höherem Einkommen führen sollen. Der
Anteil der Frauen unter den Studienanfängern in den MINT-Fächern ist in diesen
Fächern von 2013 bis 2016 von 26 auf knapp 32 Prozent gestiegen.
[ii] 

Das ist für diejenigen jungen Frauen, die sich dafür entscheiden, zweifellos eine gute
Sache. Und die Idee dahinter ist natürlich sehr respektabel. Aber ist das die
Lösung? Nein. Gesamtgesellschaftlich ist es nicht die Lösung, wenn Frauen nun
überwiegend Ingenieurinnen und Handwerkerinnen würden: Wir brauchen ja
Sozialpädagoginnen, Altenpflegerinnen und Kindergärtnerinnen (und auch
Friseurinnen, Buchhändlerinnen und Lektorinnen). Die Lösung müsste darin liegen, die schlecht bezahlten „Frauenberufe“
aufzuwerten: vom Ansehen her und vor allem finanziell.
 

Darüber, wie wir das schaffen können, sollten wir eine breite Debatte führen. Ein Ansatz
wäre vielleicht, die Ausbildung zum Altenpfleger und zum Kindergärtner mit
einem Bachelor zu verknüpfen. Auch ein Grundschullehrer muss schließlich
studieren (und zwar nicht, um sich die Inhalte der Grundschulbildung
anzueignen).
 

   

 

[i] https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-08/jutta-allmendinger-frauen-entscheidungen/seite-2  

 

[ii] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Frauenanteil-bei-MINT-Studiengaengen-auf-ueber-30-Prozent-gestiegen-3578082.html    

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