Foto: Miu Miu

Miranda Julys App verwandelt die Welt

In Miranda Julys Multi-Media-Arbeiten geht es um Beziehungen. Ihre App „Somebody“ will den Blick der Nutzer für ihre Umwelt öffnen.

 

Miniatur-Drebücher

Mit Liebe gemacht: So wirkt die App „Somebody“, die Regisseurin Miranda July zum Start der Filmfestspiele in Venedig mit der Welt teilen will. Sie wird als Nachrichtenservice angekündigt, wandelt sich in der Anwendung tatsächlich dann aber in viele kleine Drehbücher, die alle Teilnehmenden und ihre Umwelt in einen Miranda-July-Film verzaubert – wenn es denn klappt.

Die App funktioniert so: Man schreibt eine Nachricht an einen Kontakt aus dem eigenen Telefonbuch, diese wird dann aber an eine Person gesendet, die bei „Somebody“ angemeldet ist und sich in der Nähe desjenigen befindet, der die Nachricht eigentlich bekommen sollte. Besonders gut funktioniert sie also als lokaler Dienst, denn der Fremde, der die Botschaft bekommen hat, soll sie an ihren eigentlichen Empfänger verbal überbringen. Gemeinsam mit der Nachricht können Regieanweisungen verschickt werden.

Ein kleiner Film auf der zugehörigen Website erklärt, wie die Künstlerin sich die Anwendung vorstellt – auch wenn die erste Szene zunächst ein trauriges Ereignis ist. Eine Frau will per SMS mit ihrem Freund Schluss machen. Auf dem Display eines Mannes im Park blinkt die Nachricht auf, zudem sieht er ein Foto eines jungen Mannes mit der Aufforderung: „Look for Caleb“. Der fremde Überbringer des Beziehungsendes fasst sich ein Herz, kniet vor Caleb, der gerade auf der Wiese ein Picknick eindeckt, nieder, beendet die Beziehung mit einem emotionalen Schauspiel und nimmt ihn anschließend zum Trost in den Arm.

Privatsphäre in der Kunst

„Somebody“ ist nicht das erste Multi-Media-Projekt von July. Einen weiteren künstlerischen Umgang mit der digitalen Welt, der tief in die Privatsphäre einsteigt, hat sie schon im vergangenen Jahr gewagt. „We think alone“ hieß das Kunstprojekt, das eine wöchentliche E-Mail zu einem bestimmten Thema umfasste, geschrieben von einem prominenten Freund von July, und dann an alle Abonnenten des Services ging. Sie wollte damit zeigen, wie sehr E-Mails in unseren Alltag eingreifen und weiteres Denken anstiften.

In Julys Arbeiten stehen Beziehungen, analoge Interaktion und daher zuletzt auch „Re-Connect“ in der digitalen Gesellschaft im Mittelpunkt. „Somebody“ bezieht nun die Nutzer mit ein und verlangt von ihnen Mut in der analogen Welt. Anders als bei Dating-Apps wie Tinder geht es dabei nicht um den persönlichen Nutzen, sondern um den Blick über den Tellerrand: Wer sind die Personen um uns herum, was tun sie, denken sie, mit wem sind sie verbunden? Julys App will, wie sie auf der Website beschreibt, aus jeder Zweierbeziehung in eine Kommunikation über drei Ecken verwandeln.

Doch dieses Mal reicht es nicht, sich im Kinosessel zurückzulehnen und die Kreativität der Künstlerin zu genießen. Wer Julys Performance-Art honorieren will, muss mitmachen, die App herunterladen und über sie sprechen, damit ein Netzwerk von Schauspielern in der eigenen Umgebung entsteht, die als Siri aus Fleisch und Blut die Nachrichten der Freunde vortragen.

Enwickelt hat July die App gemeinsam mit der Designerin Thea Lorentzen. Das bunte Bubblegum-Design passt außerdem hervorragend zum italienischen Kooperationspartner Miu Miu, der das Projekt finanziell unterstützt hat und als Teil seiner Serie „Women’s Tales“ präsentiert. Die Kurzfilmreihe zu allerlei Aspekten der Weiblichkeit wird von Filmemacherinnen umgesetzt; Julys Beitrag ist Nummer acht der Serie. Sollte es am Wochenende noch regnen, seid ihr so schon einmal mit spannendem Bewegtbild versorgt.

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Miranda Julys App „Somebody“

 

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