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„Finde dich selbst” – Ja, verdammt, wie denn?

Alle wollen sich selbst finden, aber keiner verrät einem, wie das gehen soll. Ich finde mich einfach nicht. Und jetzt?

 

Alles auf Neuanfang 

Bisher war ich in meinem Leben ständig auf der Suche: nach einer moderneren Wohnung, einem besseren Job, ein T-Shirt, das die Rolle vom letzten Winter verdeckt – und seit einem halben Jahr nun nach mir selbst. Diese große Reise, auf der man sich endlich kennenlernen und die einem inneren Frieden bringen soll. Ich habe meinen sicheren Job in der Automobilbranche aufgegeben und mich von meinem Freund getrennt. „Jetzt wird alles anders!”, sagte ich mir. „Ich mache mich selbstständig und gehe als selbstbewusste Frau meinen eigenen Weg.”

Ich habe einen Businessplan geschrieben und begonnen als freiberufliche Projektmanagerin zu arbeiten. Ich habe alle Sicherheiten über Bord geworfen und mich ins volle Risiko gestürzt. Und es hat funktioniert: Vom ersten Tag an wurde ich zu interessanten Networking-Events eingeladen und wurde völlig unerwartet in diese super hippe Start-Up-Szene aufgenommen. Dort fanden sie mich cool, obwohl ich so „Business-Manager-mäßig” sei. Solche Leute wie mich bräuchte man eben auch. 

Mutig? So fühle ich mich gar nicht 

Bis auf meinen Ex-Freund fanden alle meine Mitmenschen meine Entscheidung großartig und bewunderten meinen Mut. Aber besonders mutig kam ich mir gar nicht vor. Ich war mit meinem alten Leben als Angestellte einfach nicht mehr glücklich. Ich wollte mehr. Ich wollte meine eigenen Entscheidungen treffen und mich kreativ austoben können. Aber vor allem wollte ich eins, mich selbst kennenlernen! 

Das Problem ist nur: Ich finde mich einfach nicht. Ich hab alles versucht: Ich war auf Yogareisen, hab mich von meinen blonden Extensions getrennt (ich bin ja schließlich kein „Girly” mehr), habe voller Inbrunst Karaoke gesungen und renne seit neuestem mit meiner fancy pinken Leggins regelmäßig durch den Wald. Doch irgendwie stellt sich einfach keine Erleuchtung ein. 

Das einzige, was ich rausgefunden habe, ist, dass ich total von mir genervt bin.  Von meiner ständigen Ruhelosigkeit, von meiner Ambivalenz und von meiner kontinuierlichen Suche nach irgendetwas! Hier schließt sich der Kreis. Ich hab mich anscheinend gar nicht verloren und muss mich dementsprechend auch nicht (wieder)finden. Mein Umfeld und meine Interessen haben sich geändert, aber mein Wesen und meine Persönlichkeit nicht. Ich habe in den letzten sechs Monaten gelernt, für mich einzustehen und mich nicht mehr allem anzupassen. Ich bin selbstsicherer und entspannter geworden, obwohl ich als Existenzgründerin nicht weiß, was die nächsten Monate bringen. „Das kriege ich schon irgendwie hin”, ist mein Credo. Ich stehe endlich zu mir und meinen Macken und das ist doch schon mal ein schönes Teilziel auf dieser langen Reise, die sich Leben nennt. 

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