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Nina Klein: „Wer zögert, hat noch nicht die richtige Geschäftsidee“

Eine Frau, viele Berufe. Nina Klein ist nicht nur erfolgreiche Unternehmerin, sondern auch als Job-Coach für andere Business-Frauen tätig. Was sie alles macht und wie sie das erreicht hat, hat sie uns erzählt.

 

Mit Mut und Naivität in die
Selbstständigkeit

Nina Klein kommt aus einer Speditionsfamilie,
doch statt in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten, hatte sie ganz andere
Pläne. Die heute Anfang 40-Jährige machte sich kurzerhand selbstständig und entwickelte fortan eine Geschäftsidee
nach der anderen. Was sie alles macht, wie es dazu kam und wie sie ihren
trubeligen Joballtag so einteilt, dass auch genug Zeit für ihre Tochter bleibt,
das hat die Berlinerin uns erzählt.

Außerdem hat sie uns verraten, welche Probleme ihr in ihrer Tätigkeit als Coach immer wieder begegnen – und wie man die am besten löst.

Nina,
du hast dich mit 29 mit einer Agentur für Künstler, Stylisten und Make-up-Artists selbstständig gemacht, die in kürzester Zeit Büros in Köln, Berlin und
Hamburg hatte. Wie erinnerst du dich an die Anfänge und was waren dann die
wichtigsten Faktoren für dein erfolgreiches Wachstum?

„Wenn ich an meine Anfangszeit als Unternehmerin
zurückdenke, muss ich immer wieder sehr schmunzeln, mit welcher Portion
Naivität und Mut ich mit der Agentur gestartet bin. Ich glaube aber, dass
gerade diese Naivität eine positive Kraft für mich gewesen ist, um mich
kontinuierlich am Markt zu beweisen und offen für andere Wege zu sein. Ich
habe den Markt sehr aufmerksam beobachtet, um zu sehen, welche Aufgaben es für
ein erfolgreiches Unternehmen zu erfüllen gibt. Ich hatte immer schon die
Vision, etwas Größeres aufzubauen und bundesweit tätig zu sein, daher kamen
schnell die Zweigstellen in anderen Städten dazu.
Da ich schon immer selbständig sein wollte, war mein Commitment von Beginn an
sehr hoch. Und meine Freude, das eigene Business aufzubauen, haben die Kunden wahrgenommen. Ich glaube, deshalb hat es nicht lange gedauert, bis die ersten
Auftraggeber mir vertraut haben und buchten.

Aller Anfang ist schwer. Wie bist du mit Rückschlägen umgegangen?

Rückschläge, die ich während des Aufbaus der
Agentur auch immer wieder hinnehmen musste, waren leicht zu verkraften. Ich war
jung und es galt einfach weiterzumachen. Zum Beispiel im Bereich Kundenakquise
galt für mich schon immer: ein Nein ist nur ein Nein für den Moment und
gilt nur so lange, bis ich alle Voraussetzungen für ein Ja herausgefunden und
umgesetzt habe. Das hat mich immer inspiriert und angespornt, dranzubleiben
und durchzuhalten – und das ist bis heute so.“

Welchen
Beruf hast du vor deiner Selbstständigkeit ausgeübt?

„Da ich aus einem Speditionshaushalt komme, war die
Ausbildung zur Speditionskauffrau naheliegend, nachdem ich schon in der elften
Klasse von der Schule abgegangen bin. Ich wollte den Familienbetrieb der
Spedition aber nicht übernehmen, da mir die Tätigkeit nicht kreativ genug war.
Trotzdem war mir immer klar, dass ich selbst Unternehmerin werden wollte – aber bei einer Tätigkeit, bei der ich meinen Leidenschaften kreativ und
kaufmännisch nachkommen konnte. Und so folgten der Ausbildung einige
Auslandserfahrungen im kaufmännischen Bereich und auch ein Zwischenstopp
bei der Welthungerhilfe in Bonn.

Zu dieser Zeit habe ich in Bonn nebenbei die Idee der Gratis-Werbepostkarten namens Yo-Cards 
auch bekannt als Edgar Cards – in Kneipen selbstständig aufgebaut und bekam daraufhin den Auftrag, diese bundesweit für die Filialen der Deutsche Post als
neues Geschäftsmodell zu etablieren. Das war quasi mein erstes eigenes
Business. Das habe ich zwei Jahre lang gemacht, bis alles lief.“

Das ist noch sehr weit davon entfernt, in Richtung
Make-up-Artist zu gehen. Wie ging es weiter?

„Ich machte nebenher ein Abendstudium im Bereich
Marketing/Kommunikation und übernahm danach die Geschäftsführung bei einer
bekannten Schule für Make-up-Artisten und Maskenbildner in Köln. Nachdem ich
den Job gekündigt hatte, fragten mich ehemalige Schüler, ob ich ihre Agentin sein
möchte – und so kam die Idee, die Agentur zu gründen.“

Du bist nicht nur
Unternehmerin, sondern berätst auch andere Business-Frauen als Job-Coach. Mit
welchen Wünschen wenden sich die Frauen am häufigsten an dich?

„Häufiges Thema bei meinen Klientinnen ist die
Neuausrichtung der eigenen Pläne und Visionen für ihr Unternehmen und wie sie
daraus dann die notwendigen Etappenziele und Projekte ableiten. Oft ist es auch
eine gemeinsame Analyse, bei der wir herausfinden, welche Voraussetzungen im
gewünschten Ergebnis stecken. Verantwortung abzugeben, Vertrauen gegenüber den
Mitarbeitern aufzubauen und generell Work-Life-Balance sind auch wichtige Themen. Wenn das durch die ersten Stunden Coaching gelungen ist, geht es mit
denselben Klienten oft nur noch um die Besprechung der aktuellen Ergebnisse,
Erkenntnisse und Korrekturen, die vorzunehmen sind, um die formulierten Ziele
auch zu erreichen.“

Gibt es Ängste, die dir während deiner
Beratung immer wieder begegnen?

Ängste treten hauptsächlich auf, wenn die
Ausrichtung der Unternehmung nicht klar ist. Daher gilt es wach zu sein, und
die Ausrichtung immer wieder der aktuellen Lebenslage anzupassen. Wenn diese
klar und inspirierend ist, treten Zweifel und Ängste in den Hintergrund. Ängste
und ‚Fehler’ dienen daher als sehr gute Indikatoren für eine Korrektur.“

Es ist oftmals leichter, anderen
Menschen als sich selbst zu helfen. Geht dir im Beratungsgespräch mit anderen
Frauen manchmal auf: „Mensch, mir geht es ganz genau so!“?

„Absolut! Coaching-Gespräche beinhalten auch immer
neue Erkenntnisse für mich. Ich bleibe wach und aufmerksam und höre nicht auf, mich
selbst weiterzubilden – ob mental oder fachlich. Zudem habe ich auch einen
Coach, der mit mir meine aktuellen Fragen zusammen auflöst.

Was machst du denn konkret, um dir deinen wachsamen
Blick für dich selbst zu bewahren?

„Eine wichtige Institution für neue Ideen und
Selbstreflektion in den letzten fünf Jahren waren für mich meine Pop-up-Offices
in der Winterzeit. Für mehrere Wochen habe ich mein Büro in Städte wie
Kapstadt, Los Angeles oder Miami verlegt – alles Orte, an denen auch viele
meiner Kunden und Artists während der Wintersaison vor Ort sind und
produzieren. Meine Tochter habe ich immer mitgenommen und wir konnten eine
andere Form des Alltags erleben, wo Arbeit und Abenteuer miteinander verbunden
werden. Das war eine großartige Erweiterung, sowohl beruflich als auch
persönlich. Ich verbringe generell viel Zeit mit Selbstreflektion und
Visualisierung meiner gewünschten Ergebnisse. Und als Mutter wird man
automatisch immer wieder dazu gebracht, Dinge mit Abstand zu betrachten und
offen zu bleiben.“

Apropos Mamasein: Fällt es dir manchmal
schwer, Kind und Unternehmertum zu vereinbaren?

„Im Umgang mit meiner Tochter Eve war mir immer
wichtig, die Zeit, die wir zusammen haben, auch nur für uns zu nutzen – oft
auch bewusst alleine und ohne übertriebene Unternehmungen, die vom Wesentlichen
ablenken. Ich habe schnell erkannt, dass genau dieses Einlassen unsere Verbundenheit
stärkt und mich wieder auf frische Gedanken bringt. Zudem hatte ich Glück und für Eve immer tolle
Ersatz-Mamas und Omas, wenn ich geschäftlich länger unterwegs war. Ich hab die
Zeit, die Eve dann nicht mit mir zusammen war, für sie nie als Mangel gesehen,
sondern als Erweiterung, da diese Frauen ihr auch ihren ganz eigenen Input
geben. Davon profitiert Eve heute noch.“

Nutzt du auch Zeit ganz bewusst für dich selbst?

„Ja, ich habe immer darauf geachtet, auch Zeit für
mich zu haben, um die eigene Batterien aufzuladen, zu reflektieren und frisch
an Sachen ranzugehen. Mir hilft es etwa sehr, den Tag mit Sport zu beginnen,
auch wenn es nur eine kurze Zeit ist. Dabei sortiere ich mich und setze
Prioritäten. Es hilft mir sehr, regelmäßig meine eigenen Ziele und Projekte zu
überarbeiten, um effizient durch den Tag zu gehen und so allem gerecht zu
werden.“

Deine Tochter war es auch, die dich zu
einem weiteren Projekt brachte: „BeSafeAngel“, ein Schmuckstück, auf denen Namen und
Telefonnummer eingraviert sind. Was hat es damit auf
sich?

„Als meine Tochter alleine auf einen längeren
Schulausflug ging, kam mir die Idee für Schmuckstücke mit eingravierten Namen
und Telefonnummern. Eve war damals in einem Alter, in dem sie sich Nummern noch
nicht merken konnte. Die Idee kam mir auch für andere Eltern passend vor und so
ging es schnell in die Umsetzung.

Mittlerweile steht Besafeangel nicht nur für einen
Schutzengel für Kinder, sondern wird auch immer mehr als Talisman für
Erwachsene genutzt. Mit der persönlichen Gravur einer lieben Botschaft oder
einem Motto wird der Schmuck zum Einzelstück und zum täglichen Begleiter. Ganz
neu sind die Gravuren von Städte-Koordinaten und ab Herbst kommt der neue
Armreif mit der Gravur von verschlüsselten Botschaften in Morsezeichen.

Mir war von Beginn an wichtig, dass der Schmuck aus
hochwertigen Materialien ist und in Deutschland individuell angefertigt wird.
Das schätzen auch die Kunden sehr und geben uns oft noch nach längerer Zeit
positives Feedback, wenn sie wieder bestellen. Generell ist das persönliche
Kundenfeedback oft sehr rührend.“

Du hast offensichtlich das Geschick, aus
deinen Begabungen und Ideen ein Geschäftsmodell zu machen. War das schon immer
so?

„Es ist wirklich das größte Geschenk, meine
Begabungen beruflich nutzen und ihnen nachgehen zu können. Wichtig ist sicherlich
erst mal, sich seiner Leidenschaften und Begabungen bewusst zu werden. In
meinem Fall war es mir immer wichtig, diese auf meine ganz individuelle und authentische
Weise umzusetzen – auch wenn ich bei der ein oder anderen Entscheidung oftmals
die Einzige war, die davon überzeugt war. Eine dieser Ideen ist zum Beispiel
jährlich ein Editorial erscheinen zu lassen, das ich einer Stilikone aus  dem Bereich Design, Fotografie oder Mode und
einem übergeordneten Thema widme. Hier kann ich meine kreative Ader voll ausleben
und habe alle Freiheiten. In diesem Jahr ist das Editorial ‚Youth’ mit Bildern des legendären Fotografen Brad Elterman. Die
eigenen Ideen umzusetzen hat mich schon immer beflügelt und treibt
mich nach wie vor an. Das bedarf vor allem Durchhaltevermögen und
Beharrlichkeit.“

Ist denn schon mit einer nächsten
Geschäftsidee zu rechnen?

„Ich bin seit längerem dabei, eine einfache Produktivitäts-App zu entwickeln, die als Tool für Selbständige wie etwa meine
Artists oder Coachees gedacht ist. Mit der App können ihre größeren Visionen in
Ziele, Projekte und einzelne Maßnahmen runtergebrochen, notiert und
zeitlich eingeordnet werden.

Durch einen ‚Mischen’-Button erhält der User auf
Wunsch eine Auswahl oder auch Vorschlag der Aufgaben, die zu erledigen und die
aus den unterschiedlichen Projekten zusammengemischt und nach zeitlicher
Priorität sortiert sind. Durch das regelmäßige Über- und Bearbeiten sowie
schließlich das Erledigen seiner Projekte behält der User  automtaisch den Überblick über To-dos und
Ziele. Die App ist sehr simpel gehalten und natürlich nur so effektiv, wie der
User sie füttert. Im Moment bin ich in den letzten Zügen der finalen
Überarbeitung.“

Bei
dir ist das Wagnis der Selbstständigkeit aufgegangen. Welchen Rat würdest du
denn Frauen geben, die mit dem Gedanken an die Selbstständigkeit spielen, sich
aber noch nicht so recht trauen?

„Die Geschäftsidee muss mit der eigenen
Leidenschaft und Begabung übereinstimmen, dann traut man sich auch und
entwickelt das Commitment, von der Idee in die Umsetzung zu gehen und
beharrlich dranzubleiben. Gespräche über Ängste und Bedenken mit einem
Business Coach sind sicherlich auch von Vorteil, gerade in der Anfangsphase.
Aber wenn man von der eigenen Idee und Vision inspiriert ist, traut man sich in
der Regel auch immer loszulegen.

Oft ist das Zögern nur ein Zeichen, dass die Idee
noch nicht hundertprozentig inspirierend oder passend ist. Dem Impuls sollte
man nachgehen und nochmal korrigieren.“

Alle Artikelbilder: Nina Klein


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