Foto: © House of Cards - Netflix

Pokerface: Bluffen im Job

Viele Frauen wollen die gleichen Ziele wie Männer erreichen. Aber woran scheitern sie? Wieso bluffen im Job wichtig ist. Über den Sinn von Pokerfaces.

 

Kann die Quote helfen?

Plötzlich geht ein lauter Aufschrei durch die Büros erfolgreicher Frauen, die es bisher mit harter Arbeit und Kompetenz geschafft haben, die Karriereleiter ohne politische Steigbügelhalter zu erklimmen. Niemand möchte gern eine Quotenfrau sein oder sich den Vorwurf gefallen lassen, nur deshalb die begehrte Stelle erhalten zu haben. Wie kann es aber sein, dass wir zwar das Recht auf Gleichberechtigung erwirkt haben, aber noch immer nicht gleich gegenüber Männern behandelt werden und deshalb angeblich politische Schützenhilfe benötigen? Wie können wir es schaffen, die gleiche Karriere wie Männer hinzulegen, genauso viel Geld zu verdienen und bei den erfolgreichsten Gründern, CEO’s oder Vorständen nicht als einsamer Exot heraus zu stechen, sondern ganz normal eine unter vielen Karrierefrauen zu sein?

Fest steht: Viele Frauen wollen die gleichen Ziele wie Männer erreichen. In einer Welt, in der vorwiegend Männer in den Chefetagen sitzen, sollten sie sich deshalb damit beschäftigen, was karrierewillige Männer von karrierewilligen Frauen unterscheidet. Männer sind anders als Frauen, das ist naturgegeben einfach so. Frauen und Männer haben aber im Schnitt den gleichen Intelligenzquotienten, Frauen sind meist besser gebildet und machen seit mehr als zehn Jahren die besseren Abschlüsse.

Was also hält sie davon ab, die gleiche oder eine bessere Karriere zu machen?

Die anderen sind schuld

Man kann natürlich anfangen, die Fehler bei anderen zu suchen, aber wenn man etwas wirklich will, muss man zuerst an sich selbst glauben. Nur dann kann man auch andere überzeugen. Frauen verhalten sich in vielen Dingen anders als Männer, weil sie anders geprägt sind. Manches davon steht ihnen vielleicht später im Weg, manches können sie aber auch zu ihrem Vorteil nutzen.

Was aber machen Frauen anders als Männer?

Eine Erklärung: Sie verkaufen sich nicht gut genug. Gerade in Vorstellungsgesprächen führt dieses Verhalten oft nicht zum gewünschten Ziel. Ein Beispiel aus der Praxis meiner Personalberatung: Für eine Teamleiterstelle sind nur noch eine Frau und ein Mann im Bewerbungsprozess übrig. Beide Kandidaten sind gleich qualifiziert, beide haben noch keine Erfahrung im Führen von Mitarbeitern. Die Frau spricht das offen an, sagt aber auch, dass sie sich die Aufgabe zutraut.

Frauen verkaufen sich zu schlecht

Der Mann behauptet, er hätte Erfahrung in der Teamleitung, weil er öfter kurzfristig ein Team betreut hätte, das sei bloß so nicht aus seinem Lebenslauf ersichtlich. Preisfrage: Wer erhält den Job? Antwort: Natürlich der Mann. Und warum? Einfach, weil er sich besser verkauft hat. Er hat vermittelt, dass er nicht scheitern wird.

Das Gleiche gilt bei Gehaltsverhandlungen. Frauen sagen oft, was sie im letzten Job erhalten haben, anstatt einfach zu sagen, was sie jetzt wollen. Sie sind viel zu ehrlich zu sich selbst, was ihre Qualifikation angeht, erzählen, wo sie selbst noch Defizite bei sich sehen. Männer hingegen können quasi alles, ihre Bezahlung richtet sich nach dem, was sie leisten werden, nicht was sie geleistet haben, einfach weil sie die Vision verkaufen, genau der richtige Kandidat für den Job zu sein.

Der große Bluff im Vorstellungsgespräch

Dabei müssten sich Frauen doch auch gut vermarkten können. Die meisten optimieren jeden Tag ihr Aussehen mit Make-Up, dem richtigen Style und einer coolen Attitude. Sie bringen damit ihre vorteilhaften Seiten zum Vorschein. Und auch beim ersten Date wird wohl niemand von ihnen erzählen, dass sie eigentlich ein langweiliges Leben führen, das niemanden reizt. Nein, sie erzählen von ihrem tollen Job, den lustigsten Erlebnissen mit ihren Freunden, von ihren aufregenden Reisen oder den Geschichten aus ihrer Kindheit, die sie geprägt haben. Und mit Sicherheit schmücken sie die eine oder andere Geschichte auch ein bisschen aus. Einfach um besser dazustehen und interessant für das Gegenüber zu sein.

Warum verkaufen sie sich dann nicht so im Job? Es wird wahrscheinlich noch ein paar Generationen dauern, bis jede Frau diese Art von Selbstinszenierung auch in ihrer beruflichen DNA fest verankert. Aber fürs Erste sollte sich jede karrierewillige Frau in jedem Vorstellungsgespräch, in jedem Meeting und bei jeder Präsentation keine Gedanken mehr darüber machen, was sie falsch machen könnte und das ausstrahlen, sondern einfach ein Pokerface aufsetzen, auch mal bluffen, wenn es nötig ist und so ganz selbstverständlich das gesetzte Ziel erreichen.

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