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Sehe ich etwa aus wie ein Einhorn?

Kennst Du solche Tage? Du willst am liebsten in eine
Freakshow abdüsen und dort für einige Tage verweilen. Du fühlst Dich erst gut und dann nimmt der Tag ab wie ein Zuckerhut. Dann fühlst Du Dich nur noch genauso ernst genommen, als ob Du im Kostüm vor den Leuten stehst. Ich gehe heute in die Einhorn Freakshow.

 

Mein freier Tag führte mich an den 40 Kilometer entfernten
Bodensee. Mit einer Erkältung. Ich suchte nach Entspannung. Die Betonung liegt auf Ent.

Meine kleine To do Liste schrumpfte heute Vormittag angenehm
rasch, so dass ich noch Ruhe fand, meinem Magen mit Wellness Food Gutes zu tun.
Die Donuts beim Bäckermeister erinnern auch nur noch an Einhörner und bunte Regenbogenschlösser. Die Farbstoffe mindern meine Lust auf solches Food.

Der durch gutes Essen nach hinten verschobene letzte Punkt
auf der Liste ermahnte mich an den Gang zum Optiker. Ich habe mir Weitsichtigkeit eingefangen.  Was mich aus dem Konzept bringt – ich trage nun die Verantwortung gegenüber eines teuren Glassichtgerätes.

Ich gehe nicht gerade willig in den Laden.

Ich fragte nach meiner Brille. Mit ganz grossen Augen fragte mich der Verkäufer mehrfach lautstark mit Zeitlupenstimme nach meinem Namen. Er buchstabierte immerzu und wiederholte mein Geburtsdatum vor hereinkommenden Kunden. Ein Kunde rammte mir einen Stuhl in den Fuss. Ich schien nicht zu existieren.
Ich wollte am liebsten verblüfft und leicht beleidigt die Hufen schwingen.

Man hielt mich aber mit Fragen fest. Man suchte und suchte und meinte, es wurde keine Brille geliefert. Ich diskutierte nicht. Seine furchteinflössenden Augen drangen weit zu mir vor.
Es ist nicht so, dass ich mich in dem Laden durch Diskretion aufgehoben fühlte.

Ich wanderte aus dem Stall ab – ohne Brille. Meine Abscheu gegen Brille wurde wohl erhört.

Aus einer sehr gut geführten Parfümerie wollte ich einem
Freund eine after Shave Lotion mitbringen, die Er schwer bekommt. Das sollte
auch für mich gelten. Das Produkt wurde vom Markt genommen – ohne Alternative. Die Tonlage der Verkäuferin passte dazu. Ein Ton der vollendeten Tatsachen, auf den mir nur noch einfiel: „Und was heisst das für mich?“ Ich fühlte mich eher bestraft als verwöhnt.

Mein Ent wandelte sich wegen des schönen Wetters dennoch nicht
in An – spannung und so sass ich singend im Auto auf dem Heimweg. Einfache
Rückfahrt 40 Kilometer.

Ich dachte, ich gönne mir in den restlichen freien 20 Minuten
zu Hause einen dringend benötigten Kurzschlaf…. Die Kinder waren doch schneller ran als gedacht.

Der Nachmittag. Ohne Sonne, See und Brille, dafür müde, stand
ich dann in einem der Kinderzimmer, da mein Mann mich verwundert befragte,
weshalb ich heute etwas für das Kind gekauft habe. „Habe ich doch gar nicht.“

In der Reihenfolge:

Das Geschenk

von der heutigen To do Liste,

lag aufgerissen und

verteilt im Kinderzimmer.

Ich explodierte wie eine Pinata.

Mein Sohn hatte heute 3 Freunde im Haus. Einer der Freunde
meinte, das Präsent einfach auspacken zu müssen. So schnell konnte Keiner
schauen, waren Süssigkeiten verteilt, der Experimentierkasten halb aufgebaut
und die Zauberknete auf Bettlaken und an der Zimmerdecke verteilt.

Ich hielt meinen heulenden Sohn im Arm, mein Mann war nur
noch sprachlos, unsere Tochter freute sich über Ihren neuen Einhorn Haarschmuck.

Dann war da noch das Geschenk, welches 80 Kilometer gekostet hat und natürlich..
tja, die Brille. Inmitten der angestachelten Situation bemerkte ich eine
Mailboxnachricht. Meine Brille sei geliefert worden. Mit einem Ton, so als ob
Sie mit einem Baby sprechen würde: „ Ja schau mal. Wo hat es sich denn
versteckt. Wo war denn der kleine Übeltäter.“

Ganz zufällig heute wurde nach meinem erfolglosen Besuch die
Brille geliefert? Daran verlor ich den Glauben.

Mit einem Blick in den Spiegel fragte ich mich: Habe ich nur
das Gefühl oder bin ich heute im Einhornkostüm gegangen?

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