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Wovor die Menschen in Deutschland so viel Angst haben wie nie zuvor

Terroranschläge, Zuwanderung, EU-Krise: Laut einer aktuellen Studie haben wir so viel Angst wie nie zuvor. Aber woran liegt das wirklich?

 

Politische Unsicherheiten machen Angst

Wenn wir gefragt werden, wovor wir Angst haben, dann fällt den meisten von uns jede Menge ein, einiges davon fällt in den privaten, ganz persönlichen Nahbereich: Wir haben Angst davor, dass liebe Menschen krank werden oder sterben; dass unseren Kindern oder Freunden etwas passiert; dass wir unseren Job verlieren, ganz allgemein vor finanzieller Not. Laut einer aktuellen Studie sind es derzeit vor allem politische Unsicherheiten, die die Ängste der deutschen Bevölkerung auf ein neues Rekordlevel gehievt haben.

Der Versicherungskonzern R+V befragt jedes Jahr (und dieses Jahr zum 25. Mal) rund 2400 Männer und Frauen für eine repräsentive Studie nach ihren größten politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Ängsten. Und in diesem Jahr scheint die Rangfolge der Ängste ziemlich exakt die aktuelle Nachrichtenlage widerzuspiegeln. „Nie zuvor im Laufe unserer Umfragen sind die Ängste innerhalb eines Jahres so drastisch in die Höhe geschnellt wie 2016“, sagte Brigitte  Römstedt, die Leiterin des R+V-Infocenters, bei der Vorstellung der Studie, und weiter: „Die Attentate der Terror-Miliz IS  in Europa schüren die Angst vor terroristischen Anschlägen massiv. Sie steigt um 21 Prozentpunkte und erreicht damit ihren bisherigen Höchstwert – und erstmals Platz eins unseres Ängste-Rankings.“ 73 Prozent der Deutschen haben demnach Angst vor terroristischen Anschlägen.

Ebenfalls stark gestiegen ist die Angst vor politischem Extremismus und vor Spannungen durch den „weiteren Zuzug von Ausländern“, wie es bei R+V heißt. Beide Themen machen zwei Drittel der Befragten Angst und belegen die Plätze zwei und drei. Interessant dabei: Die überwiegende Mehrheit, nämlich zwei Drittel der Deutschen, hat Angst davor, dass die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind und dass die Behörden den Herausforderungen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht gewachsen sind.

„2016 ist das Jahr der Ängste“

Der so genannte „Angstindex“, also der Durchschnitt der jedes Jahr abgefragten Ängste – stieg in diesem Jahr sprunghaft um 10 Prozentpunkte und erreicht mit 49 Prozent sehr hohes Niveau. Das liegt laut R+V an dem ungewöhnlich hohen Anstieg einzelner Sorgen: Zwölf der insgesamt 20 abgefragten Ängste
überspringen zum Teil deutlich die 50-Prozent-Marke. Im Vorjahr waren es nur vier Themen, die mehr als der Hälfte der Befragten Sorgen bereiteten.

Der Politik-Professor Manfred G. Schmidt, der R+V berät, sagt: „2016 ist das Jahr der Ängste“ – und spricht von „erdrutschartigen Verschiebungen“ im Ranking: „Die Sorgen um Geld, Gesundheit und Umwelt – in früheren Jahren noch Top-Themen – sind nicht verschwunden. Aber jetzt werden sie von schwerwiegenden Gefährdungen wie Terror, Extremismus oder EU-Schuldenkrise überlagert.“ Und dann kommt laut Schmidt 2016 noch ein weiterer Faktor dazu: „Die große Mehrheit der Deutschen ängstigt der Kontrollverlust des Staates in der Flüchtlingskrise und die Überforderung der Politiker – ein katastrophales Urteil für die politische Klasse.“

Finanzielle Sorgen spielen nach wie vor eine große Rolle, allerdings hat sich de Ursache für diese Sorgen im Laufe der Jahr verschoben: Nach der Einführung des Euro im Jahr 2001 hatten viele Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten, jahrelang rangierte diese Angst sogar auf Platz eins des Rankings, insgesamt 11-mal und zuletzt im Jahr 2010. Seitdem ist die Angst vor den Kosten der Euro-Schuldenkrise in den Vordergrund gerückt. 2016 befürchteten 65 Prozent
der Befragten, dass die Euro-Schuldenkrise teuer für die deutschen  Steuerzahler wird.

Was persönliche Sorgen betrifft: 57 Prozent haben Angst, im Alter pflegebedürftig zu werden, 55 Prozent davor, schwer zu erkranken. Und um mit etwas Positivem zu schließen: Trotz unverändert hoher Scheidungsraten haben wir offenbar wenig Angst vor dem Zerbrechen unserer Partnerschaften – auch 2016 bildet diese Angst mit nur 21 Prozent das Schlusslicht des Rankings.

Uns interessiert natürlich: Teilt ihr ganz persönlich die Ängste der Mehrheit? Oder was ist es, das euch besonders Sorgen bereitet?

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