Foto: Tinder

Tinder: Sind weibliche Mitgründer wertlos?

Ex-Tinder-Marketing-Chefin Whitney Wolfe verklagt das Unternehmen. Sie fordert ihren Mitgründer-Titel zurück und erhebt schwere Vorwürfe. Eine Debatte.

 

Tinder verklagt

Die ganze Welt ist im Tinder-Fieber. Selbst Langverliebte nutzen die App um die „Stickiness zu prüfen“. Casual Dating ist salonfähig geworden. Doch was spielt sich intern bei Tinder ab? Das milliardenschwere Startup aus Los Angeles steht in der Kritik, dies berichteten zahlreiche US-Medien wie das Magazin INC. Whitney Wolfe, ehemalige Vizepräsidentin für Marketing bei Tinder, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. Sie verklagte Tinder sowie die Muttergesellschaft IAC/ Interactivecorp. Ihre Klageschrift ging am Montag dem States Court in Los Angeles zu. Ihre Anschludigungen: sexuelle Belästigung und Diskriminierung.

Der Vorwurf, CMO Justin Mateen hätte ihr ständig sexuell aufgeladene Beschimpfungen und Drohungen entgegengebracht. In E-Mails und Nachrichten. Tinder-CEO Sean Rad und der Corporate-Supervisor von IAC, Sam Yagan, hätten weggeschaut. Whitney Wolfe will mit ihrer Anklage auf ein Grundsatz-Problem aufmerksam machen: Frauen, so ihre Erfahrung, werden im Tech-Business nicht ernst genommen.

Junge und weibliche Mitgründer wertlos?

Die Vorwürfe von Whitney Wolfe tragen weit. Sie behauptet, sie sei als „Witz“, eine „Krankheit“, „Hure“ und auch „Schlampe“ bezeichnet worden. Und ihre Klage spielt auf ein weiteres Problem an, welches in den USA derzeit breit diskutiert wird. In der Klageschrift heißt es, man habe ihr den Mitgründer-Titel genommen. Mateen habe ihr deutlich gemacht, eine weibliche Gründerin würde den Wert einer Firma herabsetzen. Den Co-Founder-Titel, der ihr 2012 noch zugesprochen wurde, habe man ihr im November 2013 genommen. Aufgrund ihres Alters und des Geschlechts. Auf einmal habe Tinder nur noch vier und nicht mehr fünf Mitgründer gehabt. Mateen und Wolfe waren zuvor ein Paar gewesen. Als die Beziehung zerbrach, fingen die Beleidigungen und Diskriminierungen an, so Wolfe.

Wolfe sei gezwungen gewesen das Unternehmen von sich aus zu verlassen, nachdem weitere Mitinvestoren und CEOs naher Startups sich geweigert hätten, Wolfe und ihre Sorgen ernst zu nehmen. Tinder-Investoren sollen erst jetzt, im Licht der Klage, Mateen entlassen haben. Das offizielle Statement von Tinder betrachtet die Klage als Privatangelegenheit und zweifelt eine Mitschuld durch Tinder-Manager an. Tinders offizielles Mitarbeiter Memo dazu hat der Blog Techcrunch veröffentlich.

„Dies ist die Geschichte einer Frau, die Mitgründerin war und zentraler Bestandteil des Firmenerfolgs. Trotzdessen wurde sie Opfer sexueller Beleidigungen in eben diesem Unternehmen“, zitiert die New York Times einen der Anwälte von Wolfe. Der Hintergrund der Klage ist nicht alleine Whitney Wolfes Forderung nach finanzieller Kompensation – als sie im Frühjahr 2014 aus der Firma ausschied, war das Startup bereits Milliarden wert.

Sturm der Entrüstung

Die Berichte der Feindseligkeit gegenüber Frauen sind in den USA derzeit weit verbreitet. Auch namhafte Venture-Capital-Firmen, darunter Kleiner Perkins Caulfield & Byers sowie große Tech-Unternehmen wie Github, stehen in der Kritik. Valleywag, ein Tech-Blog aus den USA veröffentlichte vor kurzem eine E-Mail vom Snapchat-CEO, die lächerliche und erniedrigende Bemerkungen über Frauen enthielt. Ihren Anwälten nach geht es Wolfe vor allem um eines: Sie fordert, dass ihre Rolle als weibliche Führungskraft nicht aus der Firmengeschichte gestrichen wird. Mit ihrer Anklage löste sie einen Sturm der Entrüstung aus. Sind weibliche Mitgründer wertlos? Unser Fazit: Dass der nötige Respekt allen Mitarbeitern gegenüber selbstverständlich sein sollte, ist klar. Was aber wirklich zählt, ist, dass Frauen einfordern, was ihnen zusteht. Sei es ein Titel oder Anteile an einem Unternehmen. 

 

 

 

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