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Verhüten oder schneller schwanger werden – das Wearable Trackle erhält ein sechsstelliges Investment

Katrin Reuter und ihr Team haben ein Device entwickelt, das sowohl bei der Verhütung als auch beim Schwangerwerden helfen soll – hormonfrei. Gerade hat das FemTech-Startup aus Bonn eine Finanzierungsrunde im sechsstelligen Bereich abgeschlossen.

 

Hormonfrei verhüten

Die symptothermale Methode gilt als sichere Verhütungsmethode, wenn sie richtig angewandt wird – viele kennen sie als „Temperaturmethode“, sie wird allerdings um die Auswertung weiterer Körperanzeichen ergänzt. Die symptothermale Methode wird vor allem von Menschen genutzt, die ohne Hormone verhüten möchten, aber zum Beispiel die Spirale oder Kupferkette nicht vertragen und keine Lust auf Kondome haben. Wer sich auf diese Weise mit seinem Zyklus beschäftigt, lernt schnell, an welchen Tagen eine Schwangerschaft möglich ist und wann nicht. Paaren kann dieses Wissen aber auch helfen, wenn eine Frau schwanger werden möchte. Es gibt bereits Apps, die die Anwendung der symptothermalen Methode unterstützen und Wearables verschiedener Hersteller, die anhand von Daten Aussagen über die Fruchtbarkeit einer Frau treffen.

Der vaginal tragbare Temperatursensor, den das das Team vom Bonner High-Tech-Startup Trackle entwickelt hat, soll zwei unterschiedliche Bedürfnisse unterstützen: sicher und hormonfrei zu verhüten und schneller schwanger zu werden. Wir haben mit der Geschäftsführerin Katrin Reute bereits 2015 ausführlich über die Idee hinter dem Gerät gesprochen und uns von ihr die Funktionsweise erläutern lassen, seither ist einiges passiert. Gestern gab Trackle bekannt, eine weitere Finanzierungsrunde in sechsstelliger Höhe von erfahrenen Investoren aus dem Medizinsektor abgeschlossen zu haben. 

Mit EDITION F hat Katrin Reuter darüber gesprochen, wie sie ihre Investoren überzeugt hat und wie die Entwicklung von Trackle weitergehen wird.

Female Health ist ein Bereich, in dem mehr und mehr Innovationen gerade beim Zyklus-Tracking zu verzeichnen sind. Wie habt ihr eure Investoren davon überzeugt, auf Trackle zu setzen?

„Für unsere Gespräche mit Investorinnen und Investoren war es sehr hilfreich, dass wir nicht die einzigen sind, die sich in diesem Bereich auf den Weg machen. Das zeigt, dass dort Potenzial liegt. In diesen Gesprächen wurde uns immer wieder gespiegelt, dass es vor allem drei Aspekte sind, die an Trackle überzeugen: die Daten und die Methode, mit der wir berechnen, sind wissenschaftlich unstrittig, die Ergebnisse verlässlich und vertrauenswürdig. Die elektrotechnische und digitale Expertise, die wir mitbringen, ermöglicht stringente Entwicklungsleistung. Und schließlich überzeugt die Glaubwürdigkeit der Marke und unser persönliches Commitment, das wir in das Startup stecken.“

Was macht die Stärke eures Teams aus? Seid ihr noch zu dritt oder bereits gewachsen?

„Mir geht regelmäßig das Herz auf, wenn ich an unser Team denke – die Art der Zusammenarbeit und des Spirits, den wir leben, lässt mich jeder Herausforderung positiv entgegensehen. Das Entwicklerteam und das Kommunikationsteam hat sich vergrößert, wir konnten externe Expertise zum Beispiel in Rechts- und Vertragsfragen hinzuziehen. Und natürlich spielen die Business Angels, die unser Team inzwischen bereichern, eine große Rolle: Sie sind vom Fach und bringen jahrelange Erfahrung im medizintechnischen Bereich mit – und die Lust darauf, Startup-Luft zu schnuppern.“

Ich habe neulich in einer Gruppe von Bekannten mitbekommen, wie sie sich über eine Zyklus-App lustig machten und offenbar überhaupt kein Verständnis dafür hatten, warum Frauen so etwas tracken. Auf der anderen Seite erlebe ich Männer, die total dankbar sind, mehr Einblick in den Zyklus und die damit zusammenhängenden Verhütungspraktiken zu bekommen. Beobachtest du, dass sich angetrieben durch den technologischen Fortschritt, auch unter den Geschlechtern bei diesem Thema etwas tut?

„Auch ich erlebe diese Zweiteilung – und interessanterweise ist das keine Trennlinie, die zwischen den Geschlechtern verläuft. Auf der einen Seite gibt es eine Gruppe von Menschen, die sich nie mit den Geschehnissen des Zyklus auseinandergesetzt haben – weil sie es nicht mussten, weil sie kein Interesse hatten oder weil sie durch hormonelle Verhütungsmittel dieses Thema quasi ,ausgeknipst‘ hatten. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die dem sehr aufgeschlossen gegenüberstehen – weil sie einen Kinderwunsch haben, weil sie bereits hormonfrei verhüten oder weil es für sie einfach dazugehört, zu verstehen, wie so ein Frauenkörper funktioniert. Und das sind nicht nur Frauen, im Gegenteil: Männer und werdende Väter sind da häufig sehr informiert und kümmern sich partnerschaftlich. Ich hoffe, dass das nicht nur auf den technologischen Fortschritt zurückzuführen ist. Den finden Frauen und Männer gleichermaßen zeitgemäß und fast schon selbstverständlich.“

Wir haben das erste Mal 2015 über Trackle gesprochen, da gab es den Prototyp und eine Vision. Welche Schritte seid ihr in der Zeit bis heute gegangen? 

„An der Grundfunktion des Devices und den Kern-Assets, also der Erfassung der Körperkerrntemperatur, hohe Datenschutzstandards und sichere Methodik, hat sich nichts geändert und auch bei der Weiterentwicklung des Prototypen haben wir festgestellt, dass wir daran festhalten können und werden. 2016 haben wir den Proof of Concept erbracht und es war ein erhebender Moment, echte, von uns erfasste Daten über unsere Server laufen zu sehen.“

Was war die wichtigste Entscheidung auf diesem Weg?

„Es gab einige wichtige und wegweisende Entscheidungen, herausgreifen möchte ich die zur Energieversorgung des Sensors: Wir konnten erreichen, dass der Sensor batteriefrei, also mit einer ungiftigen Energieversorgung funktioniert. Das ist technisch herausfordernd, aber trägt dem Sicherheitsbedürfnis unserer Kundinnen – und auch unserer eigenen Überzeugung – Rechnung, explodierende Smartphoneakkus lassen grüßen.“

Wann wird Trackle marktreif sein?

„Wir planen in Kürze eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, bei der Trackle vorbestellt werden kann. Die Auslieferung wollen wir im Laufe des ersten Halbjahres 2017 beginnen. Dabei ist die Zertifizierung als Medizinprodukt, mit der wir aktuell viel Zeit verbringen, eine arbeitsreiche Herausforderung.“

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