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Unterschiede – Wir Frauen ticken einfach anders

Alle Jahre wieder startet irgendwer den Versuch, einen ebenso gigantischen wie jungfräulichen Markt für Computerspiele zu erschließen.

 

Alle Jahre wieder startet irgendwer den Versuch, einen ebenso gigantischen wie jungfräulichen Markt für Computerspiele zu erschließen. Gemeint sind natürlich die weiblichen 50 Prozent der Menschheit, die sich, trotz aller neuzeitlichen Umwälzungen, der Sucht bisher auf unerklärliche Weise zum größten Teil entziehen konnten. 

„Alles nur eine Frage des Marketings“ dröhnt sofort eine Kohorte expansionswilliger Vertriebsleiter (natürlich alles Männer), schließlich könne sich die holde Weiblichkeit nicht unbedingt mit muskelbepackten Helden, Kanonen und schnellen Autos identifizieren. Gut gebrüllt, Löwe! 

Alles eine Frage des Denkens

Also programmieren wir einen multimedialen Schminkkurs, färben die Kartons zartrosa, packen noch einen Lippenstift dazu – und fertig ist das Marketing für Frauen!? Mag sein, dass ein Barbie-Simulator ein kommerzieller Erfolg werden kann, doch im Grunde genommen ist auch er alles andere als eine Auseinandersetzung mit weiblichen Spielansprüchen. Im Gegenteil: Die Barbie-Software ist die karikaturhaft übertriebene Bestätigung für die starre geschlechterspezifische Rollenverteilung unserer Gesellschaft. 

Ach, das ist also die moderne Jung-Frau? Technik und Software na klar – aber dann blöd Püppchen am Monitor einkleiden? Glaubt man wissenschaftlichen Studien, liegen die Häschen ganz woanders im Pfeffer: Männer und Frauen unterscheiden sich grundlegend in ihren Denkansätzen. Während Männer zum „funktionalen“ Denken neigen, also Abläufe als das Ineinandergreifen von Wirkungen sehen, bevorzugen Frauen „begriffliches“ oder „ganzheitliches“ Denken. 

Achievements for her

Im Klartext: Männer lösen Aufgaben bevorzugt sequentiell, also in kleinen Schritten, Frauen erfassen tendenziell lieber erst das ganze Problem, bevor sie eine Lösung anbieten. Analysiert man einige Spielegenres, wird deutlich, dass sequentielle, also eher männliche Lösungsansätze für den Spielerfolg meist günstiger sind als ganzheitliche. Mit dem Spielerfolg stolpern wir in die nächste Falle: Männer bevorzugen den Wettstreit, ihre Belohnung ist es, der Stärkste zu sein und das auch gerne mit technischen Hilfsmitteln . Frauen spielen lieber miteinander. 

Und zwar nicht unbedingt „Call of Duty“ oder „Rainbow Six“. Aber was denn dann? „Kinect Adventures“? „Kirby & die wundersame Spiegelwelt“? Das müssen andere heraus finden. Diese Diskussion ließe sich jedenfalls beliebig auf Buchstärke aufpusten. Vorläufige These: Bis Computerspiele so selbstverständlich von einer Mehrzahl der Frauen genutzt werden wie das Auto (auch das war mal anders), wird noch manches „Games for Her“-Label pleite gehen…

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