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Ein Hoch auf die Verletzlichkeit! Wie negative Emotionen uns weiter bringen können (wenn wir sie zulassen)

Negative Emotionen wie Verletzlichkeit, Scham und Angst können uns in Karriere und Alltag sehr weit bringen! Wie? Das erklärt die Wissenschaftlerin Brene Brown.

 

Ein neues Licht auf negative Gefühle werfen

Verletzlichkeit? Das ist etwas Schlechtes. Wer will schon verletzlich sein? Heute sind wir alle stark. Unabhängig, unnahbar, undurchschaubar und cool. Gerade am Arbeitsplatz wollen wir professionell wirken und nicht emotional. Wir sollen möglichst keine Fehler machen, perfekt und effektiv arbeiten. Gleichzeitig aber wollen wir Ansehen. Wir sehnen uns nach Beziehungen und Verbindungen zu den Menschen um uns herum. Denn „Connection“, wie die Wissenschaftlerin Brene Brown es bezeichnet, gibt unserem Leben Bedeutung. Die Professorin an der University of Houston hat es sich zur Aufgabe gemacht, unsere Wahrnehmung dahingehend zu erweitern, dass wir die Wichtigkeit von Verletzlichkeit für unser Leben und unsere Persönlichkeit erkennen. Ihr TED-Talk „The Power of Vulnerability“ ist einer der Erfolgreichsten aller Zeiten.

Neben der Verletzlichkeit nennt die Autorin dreier Bücher eine weitere sehr wichtige, jedoch negativ behaftete Emotion: Scham. Denn Scham, Verletzlichkeit und die Sehnsucht nach Verbindung sind eng miteinander verbunden: durch die Angst davor, nicht gut genug zu sein. Die Angst, keine Anbindung zu finden, nicht gemocht zu werden. Angst davor, zu scheitern. Zu verletzlich zu sein.

Einfach mal ins kalte Wasser springen

Doch was ist das eigentlich, Verletzlichkeit? Verletzlichkeit lassen wir zu, wenn wir um Hilfe bitten. Zuerst „Ich liebe dich“ sagen. Uns aufrichtig für etwas begeistern. Unsere Meinung vertreten, ohne die des Gegenübers zu kennen. Uns auf eine Beziehung einlassen, ohne die Gewissheit, dass es die richtige Entscheidung ist. Auf jemanden zugehen. Ins kalte Wasser springen. Scheitern zulassen. Uns erlauben, gesehen zu werden. Und zwar so gesehen zu werden, wie wir sind.

Verletzlichkeit macht uns schön; sie schenkt uns Selbstbewusstsein und lässt uns sein, wie wir sind. Sie ist wichtig, um ein aufrichtiges Leben zu führen.
Verletzlichkeit ist zwar einerseits das Herz der schlechten Gefühle, wie Scham, Angst und dem Kampf um Selbstwert, auf der anderen Seite ist es die Geburtsstätte für Freude, Kreativität, Zugehörigkeitsgefühl und Liebe. Letztlich ist Verletzlichkeit, so Brown, der beste Maßstab für Mut.

„Vulnerability is not winning or losing: It’s having the courage to show up and be seen when we have no control over the outcome. Vulnerability is not weakness: It’s our greatest measure of courage.“

Warum wir uns erlauben sollten, verletzlich zu sein

Jeder ist verletzlich. Doch weil diese Eigenschaft mit so vielen negativen Emotionen in Verbindung gebracht wird, werden wir häufig dazu verleitet, sie zu betäuben, erklärt Brown. Wir überspielen unsere Verletzlichkeit, um nach außen stark zu wirken. Doch dabei merken wir nicht, wie wir mit ihr all unsere anderen Emotionen auch vergraben. Indem wir versuchen, perfekt zu werden und unsere Makel zu übertünchen, geben wir eine Sicherheit vor, die keine ist.

Dabei sollten wir diese Verletzlichkeit viel eher für uns nutzen, indem wir unsere Persönlichkeit zeigen. Indem wir von ganzem Herzen lieben. Indem wir Dankbarkeit und Freude zeigen. Indem wir daran glauben, dass wir selbst genug sind. Dieses Wissen um die Wichtigkeit von Verletzlichkeit kann uns auch am Arbeitsplatz weiterbringen. Verletzlichkeit und Schuld sind, so Brown, die größten Motivatoren für Kreativität und Innovation. Denn um etwas zu kreieren, das es vorher noch nie gab, muss man unglaublich verletzlich und unglaublich mutig sein.

„So let me go on the record and say, vulnerability is the birthplace of innovation, creativity and change. To create is to make something that has never existed before. There’s nothing more vulnerable than that. Adaptability to change is all about vulnerability.“

Das nächste mal, wenn die Angst vor einer großen Aufgabe uns also heimsucht, sollten wir daran denken, dass es diese Verletzlichkeit, diese Angst vor dem Scheitern ist, die uns stark macht. Sie macht uns mutig!

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