Foto: Pixabay Fotograf Falco

Viel Lärm um nichts

Wenn einem der Lärm der Stadt mächtig auf den Geist geht und man eigentlich nur etwas Ruhe sucht, ist das einer dieser Tage, an denen man einen Buddha to go bräuchte.

 

Überall ist Lärm! Ich sitze auf meinem Balkon und von der Baustelle gegenüber dröhnt der Krach des Presslufthammers herüber. Zwei Häuser weiter versucht jemand seiner Wand mit einem Bohrer den Gar aus zu machen und unter mir im Innenhof brüllen die Kinder unserer Nachbarn ihrem Vater am Fenster die Eissorten zu, die sie zu essen gedenken, samt deren einzeln buchstabierter Schreibweise.  Ich sitze in meinem Stuhl und versuche zu lesen und hasse die ganze Welt. 

Ich will doch einfach nur meine Ruhe haben, einen kurzen Moment zumindest, das würde mir ja schon genügen. Ich will keine aufgestemmten Treppenabsätze, keine quietschenden Autos und vor allem keine Menschen mehr. Denn die sind scheinbar überall. Auf jedem Balkon hocken sie, so wie ich auch. Über mir, unter mir, neben mir, überall sitzen sie und quatschen, als hätten sie die letzten zehn Jahre im Schweigekloster zugebracht. Ich mag meine Nachbarn, aber nicht in dieser Lautstärke. Die Stille, nach der ich mich sehne, bekomme ich nicht. Das habe ich jetzt davon, dass ich mitten in der Stadt lebe. Kein Wunder, dass alle nach draußen ziehen. 

Da ich auf die Schnelle keine Lösung herbeizaubern kann, bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich gehe rein und zeige der Sonne die kalte Schulter, oder ich arrangiere mich. Ich könnte auch Unflätigkeiten von meinem Hochsitz brüllen, aber ich kenne ja die Berliner, die kratz Irrsinn nicht im Mindesten. 

Je mehr ich mich darauf fokussiere, mich zu entspannen, um so mehr verkrampfe ich mich. Und das ist der Knackpunkt. Ich muss aufhören, alles kontrollieren zu wollen. Ich will immer alles sofort und dazu noch perfekt. Wie soll man so schaffen, dauerhaft zufrieden zu sein? Die Welt hat etwas anderes vor und tickt, wie es ihr gefällt. Dass ich mich von so vielen Dingen aus der Ruhe bringen lasse, ist nicht die Schuld der Dinge, sondern einzig und allein mein Problem. Entweder ich lerne damit umzugehen oder ich ärgere mich. 

Lektion Nummer eins für heute ist also, die Dinge so hinzunehmen, wie sie sind und nicht ständig dagegen anzukämpfen. Lektion Nummer zwei: ich brauche einen Instant-Buddha; hej, ich würde mich auch mit einer billigen Reproduktion zufrieden geben.

Mit dieser Erkenntnis schaffe ich es tatsächlich ein paar Kapitel zu lesen und träume von einem Garten ganz weit weg. Das hilft also auch, kleine Gedankenflucht für zwischendurch. 

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