Foto: Luke Porter I Unsplash

Eine Firma aus Neuseeland macht es vor: Auf zur 4-Tage-Woche!

Ein großes neuseeländisches Unternehmen hat die Vier-Tage-Woche eingeführt und sich dabei wissenschaftlich begleiten lassen – der Chef der Firma will jetzt Unternehmen weltweit von dem Modell überzeugen.

 

Freitag machen wir frei!

Im November des vergangenen Jahres startete das Unternehmen Perpetual Guardian, ein neuseeländisches Finanzdienstleistungsunternehmen, einen Feldversuch: Für alle 240 Mitarbeiter*innen wurde eine Vier-Tage-Woche eingeführt, die Standard-Wochenarbeitszeit auf 30 statt 37,5 Stunden reduziert, ohne Gehaltseinbußen. Der Freitag war ab sofort ein freier Tag, es galt, die Arbeit, die bisher an fünf Tagen erledigt wurde, bis Donnerstagabend geschafft zu haben.

Eine Studie zu dem Modellversuch, die nun veröffentlicht wurde und über die der„Guardian“ berichtet, zeigt: Die Produktivität der Mitarbeiter*innen stieg in den verbliebenen vier Tagen so stark an,  dass insgesamt nicht weniger Arbeit erledigt wurde als vorher. Zwei Universitäten aus Auckland hatten das Unternehmen während des Versuchs wissenschaftlich begleitet. Die Forscher*innen stellten fest, dass das Unternehmen bei Kriterien wie Motivation, Engagement und „Empowerment“ unter den Mitarbeiter*innen besser abschnitt als noch bei einer Befragung aus dem Jahr 2017.

Das Stress-Level sank im Vergleich zur Befragung von 2017 von 45 auf 38 Prozent, die Zufriedenheit in Sachen Work-Life-Balance stieg von 54 auf 78 Prozent.

Fünf-Tage-Woche, gib dich geschlagen!

Andrew Barnes, der Gründer und CEO des Unternehmens, reagierte geradezu euphorisch auf die veröffentlichen Zahlen: „Das ist ein ganz klarer Wink, wessen Zeit endgültig vorbei ist“, sagte er. (Wir mutmaßen: die der Fünf-Tage-Woche?), und weiter: „Wir müssen mehr Firmen dazu kriegen, das Modell auszuprobieren. Alle werden überrascht sein von den Verbesserungen für das Unternehmen, für das Team, und für sein gesamtes weiteres Umfeld.“ Und um dabei ein bisschen zu helfen, hat Barnes gleich eine Art Handbuch geschrieben für alle interessierten Unternehmen, in dem er Auskunft über den Versuch und die wissenschaftliche Begleitung gibt.

Perpetual Guardian hat bereits mehr als 350 Anfragen von Unternehmen aus 28 Ländern bekommen, die sich für den Modellversuch interessieren, am meisten Interesse kam aus dem Vereinigten Königreich, Australien, den USA – und Deutschland.

Natürlich gibt es noch jede Menge Fragen, die durch eine Vier-Tage-Woche aufgeworfen werden: Ist das Modell auch für Berufsgruppen wie etwa Pflegepersonal möglich, ohne das Angebot zu verschlechtern? Eine Frage, sagt Tammy Barker, die bei dem neuseeländischen Unternehmen eine Führungsposition hat, sei aus Arbeitgeber*innensicht am drängendsten: „Die größte Angst ist, dass man das Modell dauerhaft einführt und die anfängliche Begeisterung und Motivation in Gleichgültigkeit umschlägt und es irgendwann zu Produktivitätseinbußen kommt“. Und weiter: „Um genau das zu verhindern, haben wir für jede Person im Team einen genauen Plan gemäß seiner*ihrer Bedürfnisse erstellt, wie individuell die Produktivität erhalten oder sogar verbessert werden kann.“

Sie selbst, sagt sie, habe während des Versuchs gemerkt, dass sie konzentrierter an Projekten gearbeitet habe, erst etwas beendet habe und nicht von einer Sache zur nächsten gesprungen sei. „Am Ende des Tages stellt ich fest, dass ich dadurch mehr geschafft hatte, als wenn ich versucht hätte, alles gleichzeitig per Multitasking zu erledigen.“

Mehr Engagement und Fokus

Einer der betreuenden Professoren, Jarrod Haar von der Auckland University of Technology, berichtete, laut ihren Vorgesetzten seien die Mitarbeiter*innen des Unternehmens während des Modellversuchs kreativer geworden. Außerdem hätten die Vorgesetzten eine Verbesserung der Kund*innenorientierung festgestellt – weil Mitarbeiter*innen engagierter und fokussierter mit Kund*innenanfragen umgegangen seien.

Falls also jemand das hier liest und denkt, die Vier-Tage-Woche könnte auch für ihr*sein Unternehmen eine feine Sache sein – der*die weiß ja jetzt, an wen sie sich wenden können.

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