Foto: Kinga Chichewicz | Unsplash

Unzufriedenheit nervt? So kann man sie als Motor für Veränderungen nutzen

Unzufrieden sein – egal ob im Job, in der Beziehung oder im Alltag – nervt. Wenn wir aber genau hinhören, was unsere Unzufriedenheit uns sagen will, kann das der Anfang von etwas Neuem sein.

 

Mehr als ein bisschen zu viel Stress 

Es gibt Situationen, Tage, Wochen – manchmal sogar Monate, in denen sind wir unzufrieden, mit uns selbst, mit unserer Umgebung, mit unserer Arbeit, mit unserer Familie, den*der Partner*in, dem Alltag, etc. Es gibt Momente, da nervt einfach alles.

Manchmal ist diese Unzufriedenheit nur ein kurzes unangenehmes Gefühl, was schnell wieder vorbeigeht. Wir wissen nicht so recht, was los ist, sind einfach irgendwie mies drauf. Manchmal aber geht dieses unangenehme Gefühl nicht mehr weg. Stattdessen wird es durch jegliche Form von negativem Stress weiter verstärkt. Wir sind am Limit, fühlen uns übermüdet und frustriert und hoffen nur noch darauf, dass die Zeit bis zum nächsten Urlaub, Wochenende, Wellnesstag, etc. schnell vergeht.

Unzufriedenheit ist besser als ihr Ruf

Aber warum soll Unzufriedenheit eigentlich schlecht sein? Wir könnten doch dankbar sein für dieses Gefühl. Rückblickend betrachtet stelle ich oft fest, dass meine Unzufriedenheit der Motor für die schönsten und besten Veränderungen in meinem Leben war – sei es im Job, der Partnerschaft, in der Lebensgestaltung oder im Familienalltag.

Unzufriedenheit kann also ein wichtiger Auslöser einer dringend  notwendigen Veränderung sein. Habt ihr schon mal von der Veränderungsformel gehört? Sie besagt folgendes: 

V = U * Vi * S > K

Eine selbst initiierte Veränderung (V) findet genau dann statt, wenn ich meine Unzufriedenheit (U) mit der Vision, wie es eigentlich sein soll (Vi) und den Schritten, die zu gehen sind (S) multipliziere und das Produkt aus diesen drei größer ist, als meine subjektiv erlebten Kosten. Kurz: V = U * Vi * S > K.  

Habe ich also das Gefühl, ein Jobwechsel wäre zwar eine gute Sache, aber ich würde dadurch eine Menge Geld, Kund*innen, Kolleg*innen, etc. verlieren und dieser Verlust wäre so groß, dass ich das persönlich kaum verkraften würde, kann ich noch so tolle Bewerbungen schreiben, Visionen von der Zukunft ausmalen und noch so oft bei meinem*r Partner*in jammern, wie schlecht es mir in meinem Job gerade geht. Die subjektiv erlebbaren Kosten, die ich hätte, wenn ich aus meiner Komfortzone aussteigen würde, wären zu hoch.

Also sollte ich mir entweder Gedanken über meine Komfortzone machen oder schleunigst anfangen, meinen Job in einem positiveren Licht zu sehen. Alles andere bringt wenig und ist definitiv Energieverschwendung.

Das Barometer dafür, dass eine Entwicklung ansteht

Dabei zeigt diese Veränderungsformel, dass Unzufriedenheit für unsere Veränderung notwendig ist. Ganz nach dem Motto „Love it, change it or leave it“ können wir unsere eigene Unzufriedenheit für unsere Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Sie ist ein gutes Barometer dafür, dass eine
Entwicklung ansteht. Visionen und aktive Veränderungsschritte kommen meist erst im Anschluss. Und hier hilft – gerade bei wichtigen Dingen – der Blick von außen – sei es durch Coaching oder Unterstützung von guten Freund*innen.

Natürlich kann manchmal auch „schön reden“ und Urlaub machen helfen, damit wir im Alltag wieder zufriedener sind. Aber wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, meldet sich die Unzufriedenheit früher oder später dann doch wieder bei uns. Wir versuchen sie nur mit Fernsehen, Geselligkeit, Action, Alkohol, etc. zu überdecken. Aber da ist sie trotzdem. Warum? Ich glaube, weil sie uns helfen will! Helfen, uns zu entwickeln, zu reflektieren, weiter unseren Weg zu gehen oder uns neu auszurichten.

Also geben wir der Unzufriedenheit die Aufmerksamkeit, die sie verdient und fragen uns:  Was will sie mir sagen?

Die eigene Unzufriedenheit managen

Gehen wir doch wie ein Projektmanager an sie heran. Was genau macht mich unzufrieden? Ist es eine Situation, ein Gefühl, ein Job, eine Beziehung? 

Sobald die Unzufriedenheit erst einmal klar definiert ist, haben wir drei Möglichkeiten:

LOVE IT: Gelingt es mir, diese Situation/ Job, etc. anzunehmen und lieben zu lernen? Wenn ja, was genau kann ich daran lieben?

CHANGE IT: Was kann ich verändern, damit es mir besser in der Situation besser geht und ich zufriedener bin? Wer kann mir dabei helfen? Mit wem sollte ich reden? Kann mein*e Partner*in/ meine Familie oder Freund*innen mich dabei unterstützen? Oder ist mir ein Coaching von Außen lieber?

LEAVE IT: Was passiert, wenn ich ganz rausgehe – aus der Situation/ dem Job / der Beziehung? Was möchte ich stattdessen machen? Und inwiefern macht mich das dann glücklicher?

Wir müssen selbst aktiv werden

Oft sind es nur kleine Stellschrauben im Tagesablauf, kleine Interventionen, die Großes bewirken können – ein „CHANGE IT” also. Meist sieht man selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Eine Außenperspektive kann dabei erheblich zur Klarheit beitragen. Nicht immer bedeutet Unzufriedenheit gleich, dass ein „LEAVE IT” notwendig ist. Manchmal hilft schon eine klarere Kommunikation – zunächst mit sich selbst, dann mit den Beteiligten der Situation – um aus Unzufriedenheit, Zufriedenheit zu machen. Auch ein Neubetrachten der Situation im Sinne von „LOVE IT” kann helfen – auch wenn es nicht immer der einfachste Weg ist.

In jedem Fall kann Unzufriedenheit ein kostbares Geschenk sein, das uns weiterbringt, wenn wir dieses Geschenk wahrnehmen. Schließlich ist das Leben zu kurz um immer nur auf den nächsten Urlaub oder die nächste Auszeit zu warten. Also genießen wir es doch einfach, samt unserer Unzufriedenheit. Und heißen sie willkommen – sie hat uns schließlich was zu sagen.


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