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Warum gibt es so wenig Frauen in der Außenpolitik?

Außenpolitik und Diplomatie sind auch heute noch weitgehend Männerdomänen. Warum das so ist, frage ich mich schon lange. In den letzten Monaten bin ich auf eine mögliche Erklärung gestoßen. Soviel vorweg: Es hat weniger mit staatlicher Diskriminierung als mit gesellschaftlichen Rollenbildern zu tun.

 

Die Außenpolitik steht Frauen offen – theoretisch

Friedensvereinbarungen sind laut wissenschaftlichen Studien nachhaltiger, wenn eine gewisse Anzahl Frauen an den Verhandlungen beteiligt war. Und doch sitzen nur vereinzelt Frauen am Verhandlungstisch, wenn es um Welthandel, Krieg und Frieden geht. Woran liegt das? Am fehlenden Interesse der Frauen offensichtlich nicht, was schon die hohe Anzahl an Studienanfängerinnen bei Fächern wie Internationale Politik oder Völkerrecht zeigt. Auch haben Frauen in vielen westeuropäischen Ländern inzwischen gleichberechtigt Zugang zum diplomatischen Dienst. Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis die Jungdiplomatinnen ihren Weg an die Spitze der Außenministerien und internationalen Vertretungen finden?

Tatsächlich lässt mich das Umfeld meines momentanen Praktikums im Auswärtigen Dienst hoffen. Meine weiblichen Vorgesetzten sind nicht nur Vorbilder, sondern zeigen mir auch, dass Außenpolitik ein flexibles Arbeitsumfeld bieten kann, in dem verschiedene Lebensentwürfe möglich sind. Umso erschreckender scheint mir, dass ich außerhalb der Arbeit mit meinem Wunsch, Diplomatin zu werden, auf Vorbehalte stoße.

«Also möchtest du keine Kinder»

Was, wenn mein zukünftiger Beruf von mir verlangt, öfter im Ausland zu sein oder sogar alle paar Jahre als Diplomatin in ein anderes Land zu ziehen? „Dann hast du dich also gegen eine Familiengründung entschieden“, stellte eine Bekannte kürzlich fest. Da ich diese Aussage bereits aus früheren Konversationen kannte, war ich nicht völlig vor den Kopf gestossen und erzählte von meiner Chefin, die ihr Leben als Diplomatin mit zwei kleinen Kindern gerade sehr gut auf die Reihe kriegt. Ich erklärte auch, dass Diplomatinnen und Diplomaten vom Staat normalerweise nicht zwangsversetzt werden, sondern sich je nach Herkunftsland alle 2 bis 5 Jahre auf freie Stellen bewerben und ihre familiäre Situation dabei berücksichtigt wird. Doch das Urteil meiner Bekannten stand fest: Die Diplomatie sei sicherlich ein spannendes Umfeld. Aber gerade als Frau in der Außenpolitik sei es doch unmöglich, neben all den Herausforderungen eines Diplomatinnenlebens auch noch eine „gute Mutter“ zu sein.

Im Verlauf solcher Gespräche stellt sich jeweils bald heraus, dass das „Anstößige“ nicht die fehlende Heimat wäre, die meinen zukünftigen Kindern drohen könnte. Vielmehr scheint für mein Gegenüber die Möglichkeit nicht zu bestehen, dass eine Familie funktionieren könnte, in der sich Mann und Kinder in gewisser Weise dem Beruf der Mutter anpassen müssten. Zu diesem Eindruck passt auch, dass mein männlicher Mitpraktikant in Gesprächen um seine berufliche Zukunft nicht automatisch auf seine Familienpläne angesprochen wird.

Selbstverständlich stellt ein Leben im häufig wechselnden Ausland für die Betroffenen eine große Herausforderung dar. Lebensumstände und Beziehung müssen alle paar Jahre neu diskutiert und definiert, Präferenzen und Jobaussichten der Partnerin oder des Partners miteinbezogen werden. Auch Kinder sollen natürlich in die Entscheidungen miteinbezogen werden und, wenn sie alt genug sind, ein Mitspracherecht haben. Aber warum wird die Fähigkeit einer Familie, solche Hürden zu überstehen, vor allem dann angezweifelt, wenn die Frau den Rhythmus der Neuverhandlungen vorgibt?

Muttersein gehört wohl zu einer der grössten Herausforderungen, denen sich eine Frau im Leben stellen kann. Diese ist auch riesig, wenn die Frau keine Diplomatin ist. Und ist die Herausforderung, der sich ein werdender Vater stellt, nicht genau so gewaltig?

Was mich wirklich bewegt

Ich bin 27 Jahre alt und wie viele Gleichaltrige zweifle ich momentan an so ziemlich jedem meiner Zukunftspläne. Ich bin unsicher, ob die internationale Politik tatsächlich das richtige Arbeitsumfeld für mich bietet oder ob ich nicht in meine gemütliche Heimatstadt Zürich zurückkehren möchte. Ich vermisse meinen zurückgelassenen Freundeskreis und meine Familie sehr und die Aussicht, Freundschaften wegen beruflichen Ambitionen womöglich aufs Spiel zu setzen, beschäftigt mich täglich. Manchmal möchte ich alles hinschmeißen, um meinem langjährigen Traum, Schauspielerin oder Tänzerin zu werden, doch noch eine Chance zu geben.

Bei allen Unsicherheiten steht für mich eines fest: Kinder kriegen ist im Moment kein Thema. Dass ich durch meine Mitmenschen trotzdem andauernd auf eine zukünftige Familiengründung angesprochen werde, kann ich deshalb nur schwer nachvollziehen. Für meine momentane Entwicklung wären Gespräche darüber, was mich an der internationalen Politik fasziniert oder abschreckt, was mir Freude und was mir Angst bereitet, viel hilfreicher. Ich würde mir wünschen, dass mich mein Umfeld als Individuum mit Sorgen und Wünschen und nicht einfach als potentielle Mutter wahrnehmen würde.

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