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Gründet die Unternehmen, in denen ihr selbst arbeiten wollt!

Der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um die Kinder – was sich nach einem längst überholten Modell anhört ist in Deutschland meist immer noch Realität. Einfache Lösungen gibt es nicht. Warum die Selbständigkeit für Frauen mehr Gleichberechtigung schaffen kann.

Wahlfreiheit – Fehlanzeige!

Es gibt mehr als einen guten Grund, als Mutter weiterhin in einem Job zu arbeiten: finanzielle Unabhängigkeit, Kopfarbeit, Vorbild für die Kinder zu sein,  Augenhöhe in der Partnerschaft. Trotzdem arbeiten die meisten Mütter in Deutschland maximal in Teilzeit. Die durchschnittliche Arbeitszeit bei Müttern in Deutschland beträgt laut einer OECD-Studie von 2017 20 Stunden.

Die Emanzipation soll Frauen doch vor allem eines gebracht haben: Wahlfreiheit. Doch sieht so tatsächlich die Realität der meisten Mütter aus? Ich finde: Nein! Denn wo ist denn die Wahlfreiheit, wenn der Mann deutlich mehr verdient und dass die freie Entscheidung von paaren einschränkt? Denn manchmal ist es es einfach wirtschaftlich nicht machbar für die Familie, dass die Frau sich nach der Elternzeit ebenso beruflich verwirklicht. Ich erlebe es in meinem Umfeld so – ein Umfeld aus gut ausgebildeten Müttern – dass die Wahlfreiheit für uns Frauen, sobald wir Mütter sind, in der Realität oft nicht mehr vorhanden ist. Und zwar weder die Wahlfreiheit zu Hause bei den Kindern zu bleiben, noch die Wahlfreiheit sich auch als Mutter mit Leidenschaft dem Beruf zu widmen. Die Realität sieht oft ganz anders aus. In der Realität muss die Frau meistens einen völlig unterbezahlten Teilzeit-Job machen, weil sie weder zu Hause bleiben kann oder will, noch überhaupt die Möglichkeit, hat Vollzeit zu arbeiten und beruflich voranzukommen.

Gender Pay Gap – großer Impact

Aber warum ist das so? Bei chronischem Mangel an Hort- und Kitaplätzen in Deutschland und vorhandenen Kita und Hortplätzen, die meist nur eine Betreuung bis 16 Uhr anbieten, ist eine Vollzeitbeschäftigung beider Partner*innen meist einfach nicht möglich. Das berufliche Kürzertreten der Männer wird meist weder von den Männern gewünscht, noch ist es wirtschaftlich nur ansatzweise sinnvoll. Denn selbst die super ausgebildeten und studierten Mütter aus meinem Freundeskreis, verdienen nur in absoluten Ausnahmefällen gleich viel oder mehr als ihr Mann. Hier sieht man ganz klar den Impact des Gender-Pay-Gaps im Alltag! Selbst die Mütter, die mehr verdienen als ihre Partner haben einen schwierigen Stand, wenn sie mehr arbeiten möchten, da Geschlechterrollen starr sind.

Wie man es macht – macht man es falsch …

Hinzu kommt dann noch ein doch sehr altmodisches Rollenverständnis in unserer Gesellschaft in Deutschland. Als Frau kann man es doch nie jemanden Recht machen. Entweder man ist die dumme Hausmutti, die nicht arbeiten will, oder die Rabenmutter, die arbeitet und daher nie Zeit für ihre Kinder hat. Am besten anerkannt ist das Modell „Mama arbeitet in Teilzeit“. Ob das wohl damit zu tun haben könnte, dass es das gesellschaftlich meist einzig machbare Modell ist?

Und so ist für viele junge Frauen die Beziehung auf Augenhöhe, in der die Familienarbeit fair aufgeteilt wird, mehr Traum als Realität. Denn ab dem Zeitpunkt des ersten Kindes müssen sich in Deutschland die meisten Frauen von ihren Träumen einer gleichberechtigten Beziehung verabschieden. Dann fallen sie in die alten Rollenmuster der 50iger Jahre zurück, in dem der Mann das Geld verdient und die Frau sich um die Kinder kümmert.

Ich erlebe es in meinem Umfeld und bin überzeugt, dass die meisten Frauen damit nicht glücklich sind und sich nicht wohl fühlen. Natürlich wird selten darüber gesprochen, denn schließlich freut man sich ja auch sehr über den Nachwuchs und da ist oft kein Platz mehr für die Träume und Bedürfnisse der Mütter. Außerdem trauen sich viele Frauen nicht, das Thema anzusprechen, weil sie erstens keinen Ausweg für sich sehen und zweitens nicht wollen, dass sie irgendwer falsch versteht und denkt, sie würden sich nicht über ihre Kinder freuen. Darum geht es aber nicht. Keiner würde einem Mann, der sich beruflich als Vater auch verwirklichen will, vorwerfen, dass er sich nicht freut über seine Kinder! Das Mutterbild in Deutschland ist noch immer nicht in der Gegenwart angekommen.

Traditionelle Rollenverteilung

Leider haben nicht nur die Partner oft kein Verständnis für den Wunsch vieler Mütter, sich auch noch beruflich zu verwirklichen und ihr eigenes Geld zu verdienen, sondern auch viele Unternehmen reagieren seltsam. Als Unternehmerin verstehe ich das mittlerweile besser denn je, denn gerade für kleine Unternehmen ist es sehr schwierig, wenn eine Mitarbeiterin plötzlich wegen Mutterschaft ausfällt. Auch die vielen Krankheiten, insbesondere bei kleinen Kindern führen oft zu vielen Fehltagen – insbesondere bei Müttern. Das liegt aber wiederum auch daran, dass meistens die Mütter zu Hause bleiben, wenn die Kinder dann mal krank sind und nicht die Väter. Das muss sich ändern. Gerade größere Unternehmen könnten hier aber sehr wohl mehr für arbeitende Mütter tun und vor allem auch Vätern zugestehen, wegen der Kinder zu Hause zu bleiben. Dafür ist insgesamt in beide Richtungen ein Umdenken in der Gesellschaft und in den Unternehmen wichtig!

Die Politik ist gefragt

Um dieses Umdenken in der Gesellschaft voranzutreiben braucht es aus meiner Sicht aber auch politische Impulse. Beispiele wie das von der Initiative FIDAR e.V. initiierte Vorhaben, per Gesetz mehr Frauen in die Aufsichtsräte zu bringen. Das Gesetz gibt es mittlerweile und seine Auswertung zeigt, dass viele Unternehmen Druck von außen – der nur von der Politik kommen kann – brauchen, um wirklich etwas zu bewegen. Gerade das Beispiel Frauenquote zeigt sehr deutlich, dass es ohne Druck nicht geht. Daher müsste die Politik dringend andere Rahmenbedingungen für Familien, und insbesondere für arbeitende Frauen, schaffen. Dazu gehören nicht nur mehr und bessere Kita- und Betreuungsplätze, sondern vor allem muss den Unternehmen neue Anreize gegeben werden, Frauen und Familien zu unterstützen. Was Unternehmen tun können? Zum Beispiel sollten Meetings vor 15 Uhr angesetzt werden und auch Männern ermöglicht werden auf 80 Prozent Arbeitszeit zu reduzieren. Auch Ansätze wie es etwa Tandemploy anbietet, wo sich zwei Frauen eine Vollzeitstelle, auch in Führungspositionen teilen, sehe ich als vielversprechend an. Und es gibt bereits einige weitere Unternehmen, in denen Führungsstellen geteilt werden. Es geht!

Neue berufliche Perspektiven für Mütter

Doch im Moment sieht die Realität für viele Mütter oft so aus, dass sie keine berufliche Perspektive für sich mehr sehen. Ich finde: Das muss nicht sein und sollte in unserer heutigen Zeit eigentlich auch nicht mehr sein. Für alle diejenigen, die nicht mehr auf Impulse von der Politik warten wollen kommt jetzt mein Rat: Macht euch selbstständig oder gründet Euer eigenes Unternehmen! Natürlich ist auch das sehr intensiv und kostet viel Zeit, aber wenigstens kann man sich die Zeit im eigenen Unternehmen selbst einteilen. Einfach wird es sicher nicht! Denn die Selbstständigkeit erfordert viel Mut und Durchhaltevermögen. Aber daran fehlt es uns Müttern doch oft nicht, schließlich erfordert eine Geburt auch Mut und Durchhaltevermögen! Genau diese Eigenschaften können uns auch helfen den Weg in die Selbstständigkeit und damit in die Unabhängigkeit zu finden!

Viel Unterstützung für Gründerinnen in Deutschland – gewusst wie

Mittlerweile gibt es auch viele Netzwerke für selbstständige Mütter, wie etwa „Mompreneurs“ oder „Mom Works“. Auch findet man in den meisten großen Städten viele kostenlose oder kostengünstige Unterstützung bei dem Weg in die Selbstständigkeit, wie etwa das Netzwerk „Guide“ in München, dass sich speziell auf die Unterstützung von Frauen in die Selbstständigkeit spezialisiert hat. Hier habe ich bei meinem Weg in die Selbstständigkeit viel Unterstützung erhalten. Außerdem gibt es beispielsweise die Käthe Ahlmann Stiftung, die sich speziell auf die Unterstützung von Unternehmerinnen für Unternehmerinnen spezialisiert hat. Das sind alles Anlaufstellen, die mir wahnsinnig viel geholfen haben. Von der Unterstützung beim Business-Plan und Finanzplan-Schreiben bis hin zu Hilfe bei Steuerfragen findet man dort Unterstützung. Bei der Käthe Ahlmann Stiftung bekommt man sogar für ein Jahr lang Unterstützung einer erfahrenen Unternehmerin für alle Fragen, die man am Anfang einer Selbstständigkeit so haben kann. Ich erwähne all diese Anlaufstellen deshalb, weil ich weiß, dass sich viele Frauen die Selbstständigkeit nicht zutrauen. Ich hätte es ganz ehrlich auch nicht ohne die Hilfe dieser tollen Anlaufstellen geschafft und ich denke, dass viele Frauen gar nicht wissen, dass es solche Anlaufstellen gibt.

Ein Plädoyer für „Working Mums“

Aber nun zum wichtigsten Grund, warum ich allen Müttern das Gründen eines Unternehmens ans Herz lege – man kann etwas Sinnvolles tun und etwas, dass einem wirklich Spaß macht! Ich denke, es würden viel mehr Mütter in Deutschland arbeiten, wenn sie etwas tun könnten, was sie gerne machen. Ich denke auch, dass es vielen Müttern viel leichter fallen würde arbeiten zu gehen, wenn es a) Spaß machen würde und b) auch wirtschaftlich zu einer echten Unabhängigkeit führen würde. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wo ist denn die finanzielle Unabhängigkeit, wenn man im schlimmsten Fall ohne das Geld des Mannes nicht zurecht käme? Für mich ist das keine wirkliche finanzielle Unabhängigkeit. So sieht aber die „finanzielle Unabhängigkeit“ von 40 Prozent der Frauen in Deutschland aus und bei weiteren 30 Prozent ist sie gar nicht existent, da sie gar nicht arbeiten. So kann es aus meiner Sicht keine Beziehungen auf Augenhöhe geben. Sie findet bei der Mehrheit der Deutschen Frauen schlichtweg nicht statt.

Endlich echte Partnerschaften auf Augenhöhe

Die Selbstständigkeit ermöglicht es uns Frauen nicht nur uns beruflich zu verwirklichen, sondern auch endlich in eine finanzielle Unabhängigkeit zu kommen und den Traum einer gleichberechtigten Beziehung zu leben. Davon profitieren übrigens nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer. Denn welcher Mann ist denn wirklich glücklich mit einer Frau, die meist unzufrieden und schlecht gelaunt ist, weil die Aufgaben mit Haus und Kindern einfach unfair verteilt sind? Das kann auch nicht im Sinne der Männer sein! Zudem ermöglicht einem die Selbstständigkeit auch seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, was natürlich die Laune noch weiter hebt.

Wir müssen selbst die Veränderung vorantreiben, die wir uns in der Gesellschaft wünschen

Und es gibt noch einen Grund, warum wir Frauen Unternehmen gründen sollten: Denn in unseren Unternehmen haben wir dann die Möglichkeit es anders zu machen als in den etablierten Unternehmen und Frauen und Müttern unterschiedliche Arbeitsmodelle anzubieten. Wir können nicht darauf warten, bis die Politik etwas unternimmt oder die Unternehmen etwas ändern. Warum packen wir die Sache nicht einfach selbst an und gründen selbst Unternehmen, in denen wir Frauen und Müttern eine echte Chance auf eine berufliche Zukunft geben?

In meinem Fall habe ich meine Leidenschaft für das Reisen und die Planung von Reisen zum Beruf gemacht und „Mamis Travelguide“ gegründet. Das ist das erste Online-Reisebuchungsportal in Deutschland speziell für Familien, die das Besondere suchen. Denn als gestresste Mutter von drei kleinen Kindern dachte ich mir, dass das Letzte, was man als Mutter braucht, schlaflose Nächte wegen der stundenlangen Suche nach einer passenden Unterkunft für den nächsten Familienurlaub sind. Dadurch tue ich nicht nur etwas Sinnvolles – ich helfe gestressten Familien bei ihrer Reiseplanung – sondern arbeite auch an einem Unternehmen, das ich im besten Fall eines Tages meinen Kindern weitergeben kann. Ich merke in Gesprächen mit meinen Kindern, dass es sehr wohl auch Eindruck auf sie macht, dass Mama Unternehmerin ist. Es wurde ja sogar mal in einer amerikanischen Studie nachgewiesen, dass insbesondere Töchter von Unternehmerinnen selbst später beruflich erfolgreicher sind. Es gibt als sehr viele gute Gründe sich als Mutter selbstständig zu machen. Schließlich sind unsere Kinder unsere Zukunft und sie werden das Thema für uns weiter vorantreiben, aber dafür brauchen sie auch unsere Vorbilder.

Ein Plädoyer für mehr Mut

Ich möchte in diesem Artikel vor allem Müttern Mut machen den Schritt zu wagen in die Selbstständigkeit und auch zeigen, dass Mütter in Deutschland aus meiner Sicht zu wenig Möglichkeiten haben, für eine echte finanzielle Unabhängigkeit. Natürlich gibt es auch die wenigen Mütter, die erfolgreiche Anwältinnen, Unternehmensberaterinnen und Führungspersönlichkeiten sind. Aber mal ehrlich, wie viele sind das in Deutschland? Daher hiermit ein Aufruf an alle Mütter sich mehr zuzutrauen und selbstbewusst für die eigenen Wünsche einzustehen! Wir sollten uns alle viel mehr untereinander unterstützen und füreinander einstehen, denn gemeinsam sind wir stark! In diesem Sinne wünsche ich euch viel Kraft und Mut euch endlich selbst zu verwirklichen!

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