Wie die Idee zum Glück uns Dinge machen lässt, die uns nicht glücklich machen.

Wir träumen, haben Ziele und stellen uns Situationen vor, von denen wir meinen dass wären die richtigen Ziele für uns. Aber ist es das wirklich?

 

Haben Sie sich auch schonmal mit einem Cappuccino, einem Laptop, glücklich und erfolgreich in einem coolen Szene Cafe gesehen? Oder erfolgreich in Highheels ein Taxi rufen? Oder auch entspannend beim Yoga, wie Sie Sich in alle Himmelsrichtungen verbiegen?

Ja, wir haben alle Vorstellungen, die wir meist irgendwann mal in einem Film oder in einer Situation, die wir gesehen haben aufgeschnappt haben, durch welche wir denken, zu wissen was wir wollen. Wir fangen an davon zu träumen und sie später in definierte Ziele zu umwandeln.

Leider geschieht es oft, dass die Idee lang nicht der Realität entspricht. Wir haben eine Idee von etwas und sind felsenfest davon überzeugt- das ist es.

So ging es auch mir. Ich wollte mich selbstständig machen und ein Modelabel gründen. .

Ich sah mich schon in einem kreativen Outfit und Hornbrille an meinem Arbeitstisch sitzen mit einem Caffe Latte Togo und an meinen Projekten arbeiten. Oder in einem coolen Co- Working Cafe mit anderen Kreativen am Laptop.

Ich sah mich mit High Heels und Top- gestylten Outfit durch die Stadt rennen, mit Papierschnitten unterm Arm auf dem Weg zu einem Meeting in einem chicken 5* Hotel.

Ich sah mich durch die Räume meiner eigenen Firma schlendern, mit tollen Mitarbeitern, die mich anstrahlen und mit welchen ich gemeinsam an tollen Projekten arbeite.

Ich sah mich auf dem Cover diverser Zeitschriften als die „Newcomer Designerin“.

Ich sah mich auf coolen und stylischen Events, mit der obersten Liga an Fashion Designern und Promis Cocktails schlürfen.

Die Realität holte mich schnell ein.

Die Realität sah so aus, dass ich komplett überarbeitet war. Ein Team konnte ich mir nicht leisten, teure Klamotten schon gar nicht.  Ich sah aus wie ein Zombie – runtergehungert, mit Augenringen und eine Bürste hatte ich schon sehr sehr lange nicht mehr benutzt. Ich sahs zwar tatsächlich in Co Working Spaces allerdings eher entnervt, dass mein Caffe Latte ständig über die Tastatur schwappte und das WLan scheisse war.

Ich bin durch die Stadt gerannt, aber definitiv nicht gestylt. Dafür komplett entnervt auf dem Weg zu einem Meeting, nicht in einem Sternehotel sondern eher 60 Minuten außerhalb der Stadt zu einem Schneider in seinem dunklem Keller- der war nämlich billig.

Die Firma die ich mir vorstelle,  war auch nach drei Jahren noch mein Wohnzimmer in dem auch mein Kleiderschrank und diverse andere Sachen standen.

Meine strahlenden Mitarbeiter waren meine zwei Katzen, die mir gerne dabei holfen meine Muster zu behaaren oder Schnitte zu zerkratzen.

Ich war auch tatsächlich in Zeitschriften und wissen Sie was? Ich hab mich genau 1 Minute darüber gefreut und dann war der Fluch auch schon vorbei.

Auf Events war ich auch, mit Promis und Kreativen. Und stellen Sie sich vor, die gingen mir alle ziemlich auf den Sack.. Alle fühlten Sich viel zu cool, waren Tod- eingebildet, sahen aus wie eine schlecht kopierte Chiara Ferragani Versionen und das Schlimmste war, ich musste diesen wanna-be Promis auch noch in den Arsch kriechen um einen Instagram Post für meine Marke zu ergattern.

Long Story – Short: Ich stellte mir ein Leben vor, welches mich mit Glück erfüllte, bei dem ich aufwachte und ohne zu zögern Lust hatte, mich an die Arbeit zu setzen.. Ich dachte ich wäre mit Leidenschaft erfüllt und obwohl mir klar war dass es harte Arbeit sein würde, ich wäre glücklich.

Die Realität sah nicht so aus. Ich war nicht glücklich und musste feststellen, dass mir mein „Traum“ einfach keinen Spaß macht. Überhaupt, gar kein Spaß.

Ich machte den Schlussstrich und obwohl jeder mich bewunderte und ich viel Anerkennung für das bekam, was ich wollte entschied ich mich dagegen. Das Leben ist zu kurz etwas zu tun, von dem man glaubt es ist das Eine, aber es am Ende nicht ist. Ich habe gemerkt, dass diese letzten Jahre mich komplett kaputt gemacht haben. Ich war nicht mehr ich selbst, denn ich war die ganze Zeit nur eine „Idee von etwas“, ich dachte ich wäre jemand der ich gar nicht bin. Ich habe mich selbst verloren.

Jetzt kellnere ich wieder und wissen Sie was? ich bin unfassbar glücklich. Und ich liebe es mein Geld für irgendeinen Scheiss und unnötige Dinge auszugeben und nicht mehr die ganze Zeit zu investieren für eine vielleicht funktionierende Selbstständigkeit. Ich lebe jetzt im Hier und Jetzt und mache dass was mich JETZT glücklich macht und lebe damit sehr gut. Und wissen Sie noch was? Jetzt, bin ich glücklich und finde wieder zu mir und das Witzige ist, genau in solchem Momenten passiert das Leben einfach. Jetzt habe ich die Möglichkeit mir Anteile an dem Cafe zu erarbeiten, werde also Inhaberin meines eigenen Cafes sein. Das wäre nie auf meinem Vision-Board gewesen, ich hätte nie gedacht, dass das einmal etwas wäre was ich in Erwägung ziehen würde. Aber ich habe auf das Leben vertraut und das Leben passiert einfach. Es ist so schön, mal nicht zu planen sondern einfach darauf zu vertrauen dass es wird.

Wir sollten alle unseren Träumen nachgehen und ich bin froh dass ich die Erfahrung machen durfte, weil ich jetzt gelernt habe: Träume und Ziele sollte jeder haben und auch umsetzten, aber bevor man den ganz großen Umschwung wagt, sollte man sich vielleicht erst einmal damit auseinander setzten ob das ganze wirklich dass ist was man will-oder ob die Vorstellungen drüben. Ein Praktikum machen oder sich mit Selbstständigen unterhalten, vielleicht?

Natürlich sollte man Planen und nicht „lost“ durch das Leben schlendern. Wie immer ist eine Balance der Schlüssel. Ein Ziel haben, aber sich auch einfach mal treiben lassen. Vertrauen. In sich selbst und in das Leben.

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