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Wieviel Balance ist nötig, um „Balance for better“ zu erreichen?

Warum der Weltfrauentag kein zweiter Valentinstag sein darf – und warum es sich heute denn mehr lohnt, für Chancengleichheit und Diversität zu kämpfen. Auch wenn das manchmal ungemütlich ist.

 

Vor ein paar Jahren saß ich mit meiner Mutter am Küchentisch. In Politik und Medien wurde gerade besonders heiß über die Frauenquote diskutiert, und die Frauenquote war auch unser Thema.

Macht es Sinn, Frauen gezielt in Führungspositionen zu hieven, nur damit dort oben ein besseres Gleichgewicht herrscht? Meine Meinung dazu war ganz klar: Nein! Wieso auch? 

„Ich will nicht, dass Frauen eine Extrawurst bekommen – ich will nur, dass wir die Chance haben, zu zeigen was wir können“, sagte ich zu meiner Mutter.  

Die seufzte tief und meinte: „Ja, so habe ich auch mal gedacht. Aber die Diskussion, wie wir Geschlechtergleichheit hinbekommen, führen wir jetzt schon für Dekaden und kaum etwas hat sich in unserem von Männern dominierten System geändert.“  

Diese Aussage brachte mich zum Nachdenken – mir war nicht bewusst gewesen, wie lange wir uns zu diesem Thema schon im Kreise drehen. Seit dem Gespräch mit meiner Mutter nehme ich Diskussionen rund um Chancengleicheit sehr viel ernster. Wenn heute jemand davon spricht, dass wir eine Frauenquote brauchen, neige ich zu sagen: Nein, ich glaube wir brauchen keine Quote, wir brauchen Parität. 

Diese Meinung – die ich gerne zur Diskussion stelle – habe ich über die Jahre durch zahlreiche Gespräche mit vielen schlauen Frauen und Männern gebildet. Im Folgenden fasse ich meine wichtigsten Erkenntnisse und Thesen kurz zusammen: 

1. Geschlechtergleichheit und Diversität ist kein „nice to have” 

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Diskussion um Diversität und Gleichberechtigung belächelt wird. Es fühlt sich so an, als würde jemand sagen „ja ja, ihr dürft ja auch mitspielen“. Vielen scheint nicht bewusst zu sein, dass wir nicht nur für Diversität und Gleichberechtigung kämpfen sollten, weil wir es „nett“ fänden, in einer Gesellschaft zu leben, in der alle die gleichen Rechte und Chancen haben. Mal ganz davon abgesehen, dass wir hier von Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sprechen.  

Nein, wir kämpfen auch deshalb dafür, weil eine Chancenungleichheit signifikante wirtschaftliche Nachteile für alle mit sich bringt. Das „Frauenthema“ ist also kein Frauenthema, sondern ein „Wir-alle-Thema“. Ja, damit auch ein Männer-Thema! 

2. Ich bin eine Frau – und kann mich nicht biologisch emanzipieren 

Wir streiten für Gleichberechtigung, für eine Gleichstellung von Mann und Frau. Mir kommt es so vor, als übersehen wir in der Diskussion darüber manchmal, dass sich Frauen zwar geistig aber nie körperlich emanzipieren können. Ich frage mich deshalb, ob eine radikale Gleichstellung wirklich das ist, was wir uns wünschen, oder ob wir viel mehr einen Wandel unseres gesamten Systems hinbekommen müssen – so dass Frauen in einer Umwelt agieren, die auch maßgeblich von Frauen gestaltet wurde. Mir stellt sich deshalb die Frage, wieviel Unterstützung Frauen – auch von Männern – bekommen müssen, um überhaupt in Positionen zu gelangen, in denen wir unser gesellschaftliches System aktiv gestalten können.  

3. Wir müssen das Zeitfenster weiter öffnen 

Wie eine aktuelle Studie zeigt, die LinkedIn mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) durchgeführt hat, erreichen Frauen Führungspositionen sogar schneller als Männer – jedoch schaffen es nach wie vor insgesamt sehr viel weniger bis ganz an die Spitze. Die Untersuchung zeigt auch, dass Frauen gerade in den ersten zehn Jahren ihres beruflichen Werdegangs die größten Chancen haben, in eine Führungsposition zu kommen. Danach nimmt diese Chance stark ab. Radikal formuliert könnte man sagen: „Als Frau musst du schnell sein, oder du machst
gar keine Karriere“.  

Es liegt ziemlich nahe zu denken, dass dieser Knick viel mit Familiengründung zu tun hat (siehe Punkt 1). Immer wieder höre ich als Frau Tipps dazu, wie man besser in Gehaltsgesprächen verhandelt, dass man sich mehr zutrauen muss, und so weiter. Diese Tipps haben sicherlich ihren Platz, aber ich finde es viel wichtiger, weiter nach Lösungen dafür zu suchen, wie man Beruf und Familie vereinen kann. Wie kann man Frauen über den gesamten Zeitraum ihres beruflichen Wegs die Chance geben, Führungsverantwortung zu übernehmen.  

Ich finde es sehr schön, im Kollegen- und Freundeskreis zu sehen, dass gerade junge Väter ein riesiges Interesse daran haben, hier mitzusprechen. Der Appetit ist da – die Politik und Unternehmensführungen müssen die nötigen Weichen stellen. 

Was man nie vergessen sollte: Insgesamt haben Frauen und Männer in der Diskussion um Gleichstellung und Chancengleichheit in den letzten Dekaden schon extrem viel erreicht. Aber vor uns liegt weiterhin ein langer steiniger Weg, den es zu gehen gilt.  

Der Weltfrauentag ist nur ein Tag im Jahr, den wir nutzen sollten, um Fortschritt zu fordern. Besonders wichtig ist es mir deshalb, dass der IWD nicht zu einer Art zweitem Valentinstag verkommt an dem wir Rosen verschenken – nein, der IWD sollte ruhig ungemütlich und kämpferisch bleiben. Denn es geht hier um eine wichtige Sache: Um mehr Balance – für alle! 

#balanceforbetter #womenatwork #IWD 

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