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Zielgröße Null: Diese 53 Unternehmen wollen ausdrücklich keine Frauen im Vorstand

Zalando, XING, RWE, 1 & 1 Drillisch: Sie und 49 weitere Unternehmen wollen ihre Vorstandsposten ausschließlich mit Männer besetzen. Frauen? Unerwünscht!

Man darf sich Fragen inwiefern von Zielsetzung gesprochen werden kann, wenn ausdrücklich am Istzustand festgehalten wird. Anstatt aktiv am Anteil von Frauen in Führungspositionen mitzuwirken, setzen sich 53 der 160 deutschen Börsenunternehmen die #Zielgrößenull. Konkret also einen 0% Anteil an Frauen in Vorstandspositionen.

Nur 8,8% der Vorstandspositionen werden von Frauen besetzt

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung hat am 08. April 2019 ihren neuesten Bericht „Die Macht hinter den Kulissen “ vorgelegt. Düster sieht er aus: Obwohl rund 30% der Aufsichtsratmitglieder in deutschen Börsenunternehmen weiblich sind, berufen eben jene Aufsichtsräte immer noch sehr wenige Frauen auf Vorstandposten ein.

In Deutschland schaffen wir es auf einen Frauenanteil von 8,8% in Vorstandspositionen. Damit liegen wir so weit hinten wie kaum ein anderes westliches Industrieland.

Doch statt dieses alarmierende Ergebnis zum Anlass für mehr Frauen in Führungspositionen zu nehmen, setzen sich einige Unternehmen ein gegenteiliges Ziel: Die Vorstände sollen ausschließlich von Männern besetzt bleiben.

Eine Frauenquote von 0%“ die nicht unterschritten werden darf

Als abenteuerlich könnte man die Begründungen bezeichnen, mit denen die #zielquotenull gerechtfertigt wird. So liest man beispielsweise im Geschäftsbericht 2017 von Krones, einem deutschen Anlagenhersteller für die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie, folgendes Statement:

…legte der Aufsichtsrat eine Zielgröße für den Frauenanteil im Vorstand der KRONES AG von 0% fest. Grund hierfür war, dass der Aufsichtsrat bislang keine geeignete Kandidatin für den Vorstand finden konnte und davon ausgeht, dass dies auch in naher Zukunft schwierig bleibt.

Wer glaubt, das hiesige Phänomen beträfe ausschließlich alteingesessene Industriebetriebe liegt leider falsch. Dabei sind es gerade die jungen Start-Ups von denen wir erwarten, dass sie die Arbeitswelt revolutionieren auch in Hinblick auf die Verteilung der Vorstandspositionen.

Doch auch sie finden ihren Platz in der wohl traurigsten Liste des Jahres: Hippe Start-Ups wie HelloFresh, innovative Tech-Unternehmen oder etablierte Firmen wie der Augenoptiker Fielmann reihen sich in die frauenfeindlichen Vorstandsvisionen ein. Die Begründungen fallen auch hier nicht fundierter aus:

Wir sind mit der aktuellen Besetzung gut aufgestellt. Vor diesem Hintergrund legen wir die Zielgröße für den Frauenanteil im Vorstand (…) bis zum 30. Juni 2022 mit null Prozest fest. (…) FIELMANN ist ein modernes Unternehmen. (FIELMANN, Erklärung zur Corporate Governance 2017)

Ein Unternehmen das konsequent die Hälfte der Weltbevölkerung ausschließt, darf sich wohl kaum als modern bezeichnen. Vor diesem Hintergrund darf man ebenso besorgt darum sein, wie divers es in Hinblick auf andere Geschlechter oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Personal zugehen darf.

Die Frauenquote gilt seit 2016 – doch für die meisten Unternehmen ist sie freiwillig

Das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ gilt seit 2016 für rund 100 Großkonzerne in Deutschland. Es sieht vor, dass 30% der Neubesetzungen im Aufsichtsrat an Frauen vergeben werden müssen. Findet sich keine geeignete Kandidatin bleibt der Posten unbesetzt.

Weiter müssen sich eben jene, aber auch rund 3500 weitere deutsche, meist kleinere Unternehmen, freiwillige Ziele für die Anzahl von Frauen in Vorständen und im oberen Management setzen. Für viele fällt diese freiwillige Quote aber eben als „Zielgröße Null“ aus. Immer noch.

Dabei gelten die angepeilten Ziele jeweils für fünf Jahre und dürfen die bisherige Frauenquote im Unternehmen nicht unterschreiten.

Ein Unternehmen das bisher keine Frau im Vorstand hatte, darf sich jedoch auch weiterhin die Zielgröße Null setzen – denn die bisherige Quote wird damit wie gefordert nicht unterschritten. Auch sind die Ziele freiwillig. Das Nichterreichen wird nicht bestraft, die Zielerreichung nicht extern überprüft.

Was tun wir jetzt?

Es könnte hilfreich sein, einen genauen Blick auf die Liste der 53 Unternehmen werfen, die sich die #Zielquotenull gesetzt haben.

Twitternutzerin @Eleabrandt schreibt dazu: „Ich hab mir auch das Ziel gesetzt, künftig 0% der Firmen zu unterstützen, die keinen Bock auf Frauen und Vielfalt haben.“ Der Boykott dieser 53 Unternehmen ist zumindest als KonsumentIn eine Möglichkeit.

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Die deutsch-schwedische AllBright Stiftung fordert vor allem die Aufsichtsräte, Aufsichtsratvorsitzenden und Investoren zur Handlung auf.

Einer „Zielsetzung Null“ niemals zuzustimmen, bewusst mehr Frauen in die Aufsichtsräte zu berufen und entschieden auch auf weibliche Besetzungen zu bestehen sind nur einige ihrer Empfehlungen.

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