Mutter mit kleinem Baby im Tragetuch, Umgebung ist voller Bäume und Himmel.
Foto: Kyle Nieber | Unsplash

„Bekommt es denn auch genug Luft?“

Ein Kind zu bekommen, ist ein Wunder. So weit, so gut. Aber niemand hat unserer Autorin gesagt, wie viele Leute da plötzlich mitreden möchten. Leute, die sie überhaupt nicht kennt. Eine Geschichte über Grenzüberschreitungen und ein Aufruf, darüber zu sprechen.

Bevor ich mein erstes Kind bekam, hatte ich nur eine diffuse, vielleicht auch durch die schönen Erzählungen aus dem Umfeld entstandende romantisierte Vorstellung. Ein Wesen, das zehn Monate im Bauch heranwächst und irgendwann in einem Zimmer mit Kerzenlicht und dunkelblauen Wänden ganz sanft zur Welt kommt. Dass ich Wissenslücken hatte, die ein bisschen mehr als nur „Lücken“ waren, das wurde klar, als es soweit war.

Ich hatte mich nicht auf den Notkaiserschnitt vorbereitet, weil niemand zu mir gesagt hatte, was eine Geburt außer Glück alles noch sein und mit sich bringen kann. Keine befreundete Mutter hatte mit mir darüber gesprochen. Keine Ärztin. Auch nicht die Frau, die uns am Beispiel einer gestrickten (schwarzweiß geringelten) Gebärmutter gezeigt hatte, wie so eine (Bilderbuch-)Geburt abläuft.

„So wenig die Leute vor einer Geburt reden, so viel reden sie dann danach.“

Ich hatte geglaubt, dass ich mich mit meinem Sohn erst einmal zurückziehen darf, um „Hallo“ zu sagen und das alles zu begreifen. Aber so wenig die Leute vor einer Geburt reden, so viel reden sie dann danach. Mein Sohn trank nicht, das Saugen klappte einfach nicht. Sämtliche Hebammen und Schwestern tobten sich an uns aus – erst im Krankenhaus, wo meine Brust immer weiter anschwoll. Allein durch das Absaugen kam nicht alles raus, der erste Abszess entstand.

„Auch wenn alles blutet – Zähne zusammenbeißen! Wirst sehen, das lohnt sich.“

Nach fünf Tagen durfte ich nach Hause. Ich hatte lange keine Hebamme gefunden. Und dann aber doch eine, über die ich nicht mehr sagen werde als das, was sie zu mir gesagt hat. Ich öffnete die Wohnungstür und ihr Blick fiel zuerst auf meinen Bauch: „Oh, ist das Baby noch drin?“ Dann ging sie ins Schlafzimmer.

„Liebst du deinen Sohn denn genug? Ich meine, sonst würde er doch trinken.“

Sie schaute sich meinen Sohn an, ohne ihn zu berühren. Als ich ihn anlegte und nichts passierte, sagte sie, ich solle mal die Zuneigung zu meinem Sohn überprüfen. Es sehe so aus, als würde ich ihn nicht genug lieben, anders könne sie sich das nicht erklären. Und sicher: Aus der Distanz kann ich heute darüberstehen oder wütend werden. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade mein erstes Kind bekommen, war extrem sensibel und dieser Satz warf mich um, wie so vieles andere danach auch.

In der dritten Woche musste ich zum Kinderarzt. Ich wickelte ihn ins Tragetuch und kurz vor der U-Bahnstation stellte sich mir plötzlich eine alte Dame in den Weg und fragte, ob es denn auch genug Luft bekomme. Ich wich zurück, als sie mit ihrer Hand nach dem Stoff greifen wollte. „Das erstickt doch, das arme Ding! Was sind Sie denn für eine Mutter?“

„Das erstickt doch, das arme Ding! Was sind Sie denn für eine Mutter?“

Die Geburt war im Oktober, das ganze Zerren und Reden und die Aufregung und das Verteufeln des Fläschchens zog sich bis Dezember. Jede Nacht saß ich an der elektrischen Abpumpmaschine. Die ist riesengroß und extrem laut. Und weil ich mittlerweile kaum noch Milch hatte, aber alle um mich herum sagten, wie wichtig die sei und ich ja auch wollte, dass es meinem Kind gut ging, saß ich stundenlang da und freute mich müde über jeden Tropfen. Er bekam erst das Fläschchen und danach immer noch das bisschen, was die Maschine aus mir herausgesaugt hatte. – 
Die Hebamme fragte, ob ich sie noch brauche. Und ich schüttelte den Kopf und machte die Tür hinter ihr zu.

„Wenn plötzlich so viele Stimmen durcheinanderreden, ist es unmöglich, auf den eigenen Körper zu hören.“

In der Silvesternacht bekam ich Fieber und wurde mit dem dritten Abszess in der Brust eingeliefert. Der Arzt im Krankenhaus sah sich das an und sagte, das sei jetzt vermutlich schmerzhafter als die Geburt.

Danach hörte ich auf. Ich hörte auf, auf die vielen Stimmen um mich herum zu hören. Ich hörte auf, abzupumpen. Ich hörte auf, mich zu verstecken. Und ich fing an, die Mütter um mich herum zu fragen, welche Erfahrungen sie gemacht hatten mit Grenzüberschreitungen von außen. Später sprach ich darüber auch mit der wundervollen Hebamme, die mich mit dem zweiten Kind betreute.

Oft fällt dieser Satz: „Höre auf deinen eigenen Körper!“. Aber genau das ist das Problem. Wenn plötzlich so viele Stimmen durcheinanderreden, ist es unmöglich, auf den eigenen Körper zu hören.

Welche Grenzüberschreitungen sind euch passiert – mit Baby, Kleinkind oder auch größeren Kindern? Schreibt es uns ins Kommentarfeld oder an editorial@editionf.com.

  1. Die Frage mit “kriegt das Kind überhaupt Luft?” kenne ich auch.
    Mein Mann wurde beim Spaziergang mit den weinenden Baby im Tragetuch (unser Sohn hat sich anfangs immer lange in den Schlaf geheult) von zwei Frauen angeranzt, dass das Kind zur Mutter gehöre und die Brust bräuche.

    Tausend Kommentare in die Richtung, dass wir selbst schuld seien, dass unser Sohn schlecht schläft oder so auf seine Mama fixiert ist, weil wir ihn mit zu viel Nähe verwöhnen (er war ein Frühchen und hat fast ein Jahr lang nur mit direktem Körperkontakt schlafen können). Auch dass er erst mit 5 trocken wurde war natürlich unser Versagen.

    Das schlimmste war aber folgendes: ich war mit unserem 2jährigen, der einen sehr schlechte Tag hatte, in der Straßenbahn war, wo er alleine auf seinen Dreirad sitzen bleiben wollte, ohne dass ich es festhalte. Das ging natürlich nicht, weil er weggerollt wäre. Er hat getobt und geheult! Ich habe mich zu ihm gehockt und es ihm geduldig und ruhig erklärt, vorgeschlagen wo wir uns hinsetzen könnten – es half nichts. Eine Frau rief dann herüber, dass ich ihn auf den Arm nehmen solle. Ich antwortete, dass er nicht auf den Arm wolle, sondern eben auf seinem Dreirad sitzen. Daraufhin rief sie weiter durchs Abteil, dass ich so eine so, die ihr Kind schlägt, das sehr man direkt.

    Ich bin froh, dass wir in einer Kita mit sehr kompetentem, herzlichen Team sind und der große Teil unserer Familie und Freunde nicht so drauf sind…

    1. Ein Außenstehender kann das Wohl des Kindes in Momentaufnahmen nicht beurteilen, auch wenn es alle wollen. Zusammenhänge und Situation muss man richtig verstehen können. Sogar mein Mann versteht teilweise keine Zusammenhänge weil er beim vorherigen Zusammenhang nicht anwesend war, weshalb das Kind gerade so emotional ist, bis ich es ihm erkläre. Und wenn dann noch der Trotz dazu kommt – no way. Jeder andere sieht dann nur die unruhige Situation.

      Die Lösung für Eltern ist in diesen Situationen großes Selbstbewusstsein und etwas Zeit für die Löwenbändigung.

      Da fällt mir eine Situation ein als ich mein Kind nach der Kita auf einem Parkplatz beim Einkaufen wickelte und es dabei laut weinte. Weil es keinen Fruchtzucker vetrug, hatte es alle zwei Tage einen Pavianpo, so musste es oft schnell gehen und die Kofferraumablage des Autos oft als Wickeltisch dienen. An diesem Tag kam auch noch Sand aus der Kita dazu. Sand trotz Body in der Windel – das Misterium aller Eltern 😀 Da kam eine Frau ganz hysterisch und meinte dass ich nicht so reiben sollte, das täte ihm ja weh und sein Po wäre schon ganz rot. Ich erklärte dass das nicht vom Reiben kommt, ich ihn da nicht drin lassen kann weil es das schlimmer macht, bereits mit Wasser statt mit Feuchttüchern arbeite und schnell Wischen muss, um meinem Kind das nicht länger zuzumuten. So schnell wie sie kam, war sie dann auch wieder weg. Als Mutter leide ich natürlich auch mit meinem Kind mit, darf mich davon aber nicht lähmen lassen. Sah bestimmt lustig aus, kreischendes Kind im Auto, hysterische Frau neben mir. (Die Unverträglichkeit hat sich zum Glück verwachsen und der wunde Po erübrigt, sobald mein Kind trocken war.)

    2. Oh ja ich habe das auch schon erlebt, das man mich beschuldigte, ich würde mein Kind schlagen obwohl das Kind nur weinend (weil es nicht seinen Willen durchsetzt) hinter mir herlief. Sogar die Polizei wollte man mir rufen, mich auch noch vor dem eigenen 12 Jährigen Kind beschmipfte. Man steht im ersten Moment einfach nur da und kann das Aussmass dieser Diskussion garnicht fassen, was sich manche herausnehmen aber wenn wirklich ein Kind geschlagen wird, dann wegsehen und nie etwas bemerkt haben wollen.

  2. Ich stille meine Zwillinge (4 Monate alt) voll und habe schon einige grenzüberschreitende Kommentare gehört. Einige harmlos, wie Unbekannte im Supermarkt: „Och, haben die 2 Hunger?“ wenn die Zwillinge schreien, so als sei Hunger der einzige Grund warum ein Baby schreit.
    Andere Kommentare fand ich verletzend, am schlimmsten eine Verkäuferin im Babyladen, die, als sie erfuhr, dass ich die beiden voll stille, fragte wie das denn gehen soll, die meisten Zwillingsmütter haben ja ab dem 3 Monat eh zu wenig Milch, und wie ich denn wissen wolle dass die beiden genug bekommen wo ich doch „nur stille“ und nicht sehe wie viel sie trinken. Erst bekam ich Zweifel, aber nach Gesprächen mit anderen Zwillingsmüttern und mit meiner Stillberaterin habe ich angefangen tatsächlich nur noch auf meinen Körper zu hören und meinem Gefühl zu vertrauen.

  3. Ich bin zwar “nur” der Mann danaben gewesen, aber fand es auch/um so mehr erschreckend, wie unsensibel viele leider mit Frauen nach der Geburt umgehen. Von der im Artikel beschriebenen fehlenden Zeit zum Zusammenfinden direkt nach der Geburt, über die “Hilfe” beim ersten Stillen bzw. Stillproblemen, wenn es denn nicht “einfach so” klappt, bis hin zum fehlenden “auf den Körper hören” lassen (z.B. Schmerzmittel wirkt nicht; Zeitpunkt des ersten Aufstehens nach Kaiserschnitt).
    Meine Frau war nach der Geburt unseres ersten Kindes im gleichen Zustand, wie oben beschrieben und ich leider ebenso unvorbereitet und “gelähmt” (weil im absoluten Lern-Modus), dass ich sie nicht so verteidigt/unterstützt habe, wie ich es hätte machen sollen/müssen. Bei ihr führte es zu einer “Schwangerschaftsdepression” – oder sehr nah daran, wer kann das schon genau sagen – welche sie glücklicherweise relativ schnell überwinden konnte. Wie viel ich hierbei unterstützen konnte, weiß ich nicht – versucht habe ich es sicherlich, aber…
    Bei unserem zweiten Kind war dann viel mehr Sicherheit bei uns beiden da, wir wussten besser, was wir im Krankenhaus fordern können und müssen (und mehrfach darauf bestehen), wovon wir (recht) sicher sein können, dass es dem Kind gut tut (Thema “kriegt das Kind überhaupt Luft”) und was wir auf Hebammen geben können – unsere Erfahrungen waren zwar nicht durchweg gut, eher durchwachsen, aber zumindest nicht so krass wie im Artikel.

    Fazit: Wir sind zwar glücklicherweise ein ganzes Stück davon weg gekommen, dass Kinder nach der Geburt in Bettchen in einem Kinderzimmer gelegt werden und Mütter sie immer mal wieder kurz bekommen oder besuchen dürfen. Aber wir haben auch noch ein ziemliches Stück weiter zu gehen!

  4. Schlimmer noch als die Kommentare finde ich die Menschen, die Kinder einfach ungefragt anfassen/tätscheln/streicheln. Vorzugsweise ältere Damen. Ich fasse doch auch keine Menschen an, die ich nicht kenne, schon gar nicht ohne vorher zu fragen!
    Und dann immer schön die Balance halten zwischen freundlich bleiben und gleichzeitig direkt und bestimmt genug Kannte geben, damit das Kind lernt: Nein, es ist nicht ok, dass dich jeder wie er will anfasst. Und morgens unauffällig in die Anziehentscheidung miteinbeziehen: Lieber die lustige, auffällige Mütze, bei der man ein dickeres Fell braucht, oder lieber die langweilige, weil ich heute nicht genug Kraft habe, noch mehr Omas in ihre Schranken zu weisen. Das kann es doch eigentlich nicht sein.

    1. Das ist mir auch passiert. Ich fand es furchtbar, das einfach jeder in meinen Zwillingskinderwagen gepackt hat. Ich hatte dann ein riesigen Schild dran wo drauf stand “Bitte nicht anfassen” Das hat zwar auch zu diskussionen geführt aber wenigsten hat nicht mehr jeder rein gelangt.

  5. Ich habe Grenzüberschreitungen direkt nach der Geburt im Krankenhaus erlebt. Leider hatte ich eine sehr schlimme Geburt, meine Tochter bliebt stecken, nichts rührte sich und die Herztöne wurden immer schwächer. Der anwesende Professor der Geburtsstation schnitt mich in letzter Minute auf, griff mit seinen zwei Händen vaginal in mich und zog meine Tochter raus. Sie war bereits blau und zeigte keine Reaktion und wurde auf die Intensivstation gebracht. Für mich war das alles ein Schock, ich selbst verlor sehr viel Blut und hatte unerträgliche Schmerzen. Als ich später genäht werden sollte, weil ich einen riesen Schnitt hatte, wollte die Ärztin mich ohne Betäubung nähen. Sie war der Meinung, dass ich ja bis jezt die Schmerzen auch ausgehalten hätte und ich mich nicht so anstellen solle. Ich teilte ihr mit, dass wenn sie es wagen würde, mich ohne Betäubung zu nähen, sie meinen Fuß mitten in ihr Gesicht bekommen würde. Das hatte Wirkung und ich wurde an der Stelle betäubt.
    Meine Tochter lag auf der Intensivstation und ich besuchte sie so oft, wie es mir möglich war. Durch den hohen Blutverlust und das Trauma bei der Geburt stand ich total neben mir. Auch hatte ich Probleme mit dem Stillen und die Milch wollte nicht einschießen. Die Krankenschwester auf der Geburtsstation kniff mir jeden Morgen ungefragt in meine Brustwarze und machte mich Vorwürfe, warum ich nicht Stillen konnte. Am 3ten Tag bin ich laut geworden und habe die Krankenschwester aus meinem Zimmer geworfen. Nach einem Gespräch mit dem Professor sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass ich nicht Stillen würde und ich dementsprechend Medikamente bekam. Diese Entscheidung hat eine riesen Last von mir genommen. Im Rückblick war das ganze einfach fürchterlich und belastet mich heute – 15 Jahre später – immer noch. Meine Tochter erholte sich dank der guten Arbeit auf der Intensivstation sehr schnell. Heute ist sie ein fröhlicher Teenager. Diese Geburt hat mich aber dahingehend beeinflusst, dass ich nie ein zweites Kind bekommen habe.

    1. Es tut mir leid, was du erlebt hast! Das ist fürchterlich. Ich kann deine Erfahrungen in gewisser Weise nachfühlen

      Die Geburt meines Sohnes war zwar auch sehr lang und schmerzhaft (mit Kristellern und nur so gerade um die Saugglocke drumherum gekommen) aber nicht traumatisch für mich.
      Die Säuglingszeit, das quasi erste Jahr mit Kind, hat dafür ein Trauma bei mir (und meinem Mann) hinterlassen. Ein Schreikind das gefühlt niemals schläft, dazu überall übergriffige Menschen die uns verunsicherten statt zu helfen.
      Ich hatte selber nie die Kraft darüber zu stehen wenn wieder jemand suggeriete ich wäre selber daran Schuld, dass mein Kind so viel schreit und nie schläft.
      Viele meinten ich müsse zwingend sofort abstillen, andere verurteilten mich wenn ich den wagen Wunsch äußerte in naher zukunft evtl. abzustillen. Ist das nicht paradox?

      Mein Mann, der Vater war selber überfordert mit so viel Übergriffigkeit, es war ja auch sein erstes Kind. Er stand hinter mir und übernahm Verantwortung mehr konnte auch er nicht tun.

      Es hat lange Zeit gebraucht uns davon als Familie zu erholen.
      Als wir Jahre später uns wieder getraut haben dem Kinderwunsch nachzugehen, erlitt ich eine Fehlgeburt in der 12 Woche, es war ein missed Abort. Ich musste 2x an der Gebärmutter opperiert werden danach. Alles mittem im Lockdown. Mein Mann, der Vater durfte mich zu keinem Termin begleiten. Zu keinem Ultraschall, zu keinem Arzttermin, zu keiner der beiden Operationen. Ich war mutterseelen allein mit meiner Trauer, der Angst und den Schmerzen. Dazu wieder übergriffige Menschen, unsensible Ärzte (“Sie können auch warten mit der Abrasio bis der sich zersetzende Embrio sie vergiftet, dann bekommen sie aber sicher keine Kinder mehr!”) und medizinische Angestellte die nur ungefragt blöde Sprüche von sich gaben (“Sie sind schon 36? Warum haben sie denn auch so lange gewartet mit dem zweiten?” “Immerhin haben sie ja schon ein gesundes Kind”). Es war die Hölle.

      Wir wollten doch beim zweiten mal es besser machen. Gestützt auf unsere Erfahrungen mehr auf uns selbst hören und die Säuglingszeit als Familie mehr genießen…
      Wir haben nie wieder versucht Kinder zu bekommen.

      Wir lieben unseren Sohn, er ist unser Ein und Alles. Aber das erlebte wird nie wieder heilen. Es überschattet zu einem Teil unsere Familie und das tut mir einfach von Herzen leid…

  6. Oh ja, ich erinnere mich gut.

    Ebenfalls Notkaiserschnitt, ebenfalls Versuchsobjekt sämtlicher Krankenschwestern. Bei jedem Schichtwechsel war eine dabei, die meinte, wenn sie mich nur richtig in die Brust kneift, wird das schon – nach dem dritten Schichtwechsel habe ich lautstark vernehmen lassen, dass die nächste, die mich ohne zu fragen anfasst, eins auf die Finger kriegt.

    Ebenfalls eine Hebamme, die sich als Vollversager rausgestellt hat. Sie war einmal für 10 Minuten da und danach nicht mehr. Ich möchte nicht wissen, was die der Krankenkasse abgerechnet hat.

    Ich habe nach einer Woche zu Hause beschlossen, auf alle zu pfeifen und nur noch das zu tun, was meinen Sohn, meinen Mann und mich zufrieden macht.

    Pumpen hat bei mir gut geklappt, ich hätte aber auch kein Problem mit “Kunstmilch” gehabt. Fläschchen hatte den Vorteil, dass ich das Kind problemlos bei der einen oder anderen Oma abgeben konnte, wenn ich zum Einkaufen, zum Arzt oder zum Sport wollte. Freitag und Samstag wanderte der Korb mit Kind über Nacht ins Zimmer meines Mannes, und ich bekam 10 Stunden Schlaf am Stück, was für ein Luxus!

    Im Rückbildungskurs (die Kinder waren da ca. 6 Monate alt), waren 12 Frauen. Ich war die einzige, die nicht stillte, und alle bemitleideten mich, und fühlten sich ach so überlegen – aber ich war die einzige, deren Kind durchschlief, die keine Ringe um die Augen hatte, die regelmäßig zum Sport kam und die den Wiedereinstieg in den Beruf plante. Das rieb ich den Damen denn auch unter die Nase, wenn spitze Bemerkungen kamen. Andere Mütter sind die übelsten Grenzüberschreiter nach meiner Erfahrung.

    Achja, und die Tragetuch-Situationen hatte ich auch: “Haben Sie da etwa ihr Kind drin?!” “Ja klar, praktisch, nicht wahr?” mit einem fröhlichen Lächeln, und direkt weitergehen.

    Ich bin von Haus aus selbstbewusst und die Meinung Fremder kümmert mich wenig, ich glaube, diese Einstellung muss man pflegen. Solange alles gut läuft und die Kinderärztin zufrieden ist, können mir alle anderen den Buckel runterrutschen.

  7. Vielen Dank für Ihre offenen Worte. Ich hatte mir auch alles anders vorgestellt: In meinen Vorstellungen kam keine ständig zu anderen Geburten hetztende und danach nach Rauch riechende Krankenhaus-Hebamme vor, keine Trennung von meinem Kind für 20 Stunden vor, bis ich – mit Kreislaufkollaps nicht aufstehen könnend, auf einer anderen Station vergessen – endlich mein Kind zu sehen bekam (Uni-Klinik Mainz!). Keine fremden Eltern, die ständig meinen, dass man es so oder so zu machen habe und einem ein schlechtes Gewissen machen. Dafür hatte ich aber sehr wohl vor der Geburt “tolle” Ratschläge von Freundinnen – ich solle mich auf höllische Schmerzen einstellen, “ich wollte 24 Stunden nur Sterben” usw. Eltern sind der anderen Eltern Feind, denke ich manchmal. Also, auf Durchzug stellen und sich kompetenten Ratschlag suchen – und auch mal eine abgebrühte Hebamme wechseln…

  8. Oh mein Gott! Ist das immer noch so??

    Es gab keine Abzesse bei mir weil wenigstens die Hebammen einigermaßen kompetent waren in der Nachbetreuung, aber sonst identische Grenzüberschreitungen bereits vor 10 Jahren… Auch mit dem Tragtuch und hier die eigene Schwiegermutter!
    Ich kann nur sagen, es ist zwar schön Kinder zu haben, es wäre schöner, wenn jede sich mit sich und ihrem eigenen Leben beschäftigen würde, vor allem Schwiegermutti und die anderen alten Damen.

  9. Ich hab mich nach der Geburt auch ziemlich allein gefühlt. Mein Sohn wurde mit dem Hubschrauber 2 Stunden nach der Geburt ausgeflogen. Die Schädeldecke war während der Geburt eingedrückt wurden. Ich war ruhig und gelassen, denn dem Kleinen schien es gut zu gehen. Die Ärtze und fleger würden schon wissen, was sie tun. Am nächsten Tag wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. In der Uniklinik, wo mein Sohn aufgenommen wurde, brach ich dann allerdings zusammen. Man hatte mich angefaucht, was ich den auf der Intensivstation zu suchen hätte und ich wurde unverzüglich rausgeschmissen. Niemand hatte mich dort angemeldet. Ich war von der Geburt geschwächt und konnte noch nicht ganz klar denken, durch die Schmerzmittel, die ich während der Geburt bekommen habe. Zum Glück hat man mich auf der Mutterstation aufgenommen und das länger als normal. Das erste Krankenhaus wollte nur seine Provision für die 10 Stundengeburt und war anscheinend froh mich los zu sein.
    Stillen durfte ich die ersten Tage nicht. Erst hieß es, nicht vor der Operation, dann wollte man sichergehen, dass der Kleine auch genug Nahrung bekam. Allerdings muss Stillen auch gelernt werden. Mein Sohnemann nahm die Brust, schien aber die Flasche zu bevorzugen. Er trank immer weniger aus der Brust und keine Pflegerin oder Hebamme wollte mir helfen. Außerdem war das Stillen ziemlich schmerzhaft. Jeder sagte mir, ich solle aufhören und lieber die Flasche geben. Dank meiner Hebamme und meiner Mutter hab ich zu Hause auf reines Stillen umgestellt. Ich hab meinen Sohn einfach keine Flasche mehr gegeben und ihn immer wieder angelegt. Im Krankenhaus hätte man das gar nicht zugelassen.
    Eine Freundin von mir sagte auch, dass man ihr im Krankenhaus gedroht hatte, dass Kind wegzunehmen, wenn es mit dem Stillen nicht an Gewicht gewinnt. Zu Hause hat sie die Flasche auch weggelassen und ihr Kind dann 1,5 Jahre gestillt.
    Es ist schade, dass man Müttern immer irgendwas vorschreiben will, anstatt sie bei dem zu unterstützen, was sie tun möchten.
    Die Schmerzen beim Stillen lassen nach einiger Zeit nach. Für mich war es immer richtig angenehm zu Stillen. Mit einem Jahr ist er dann in die Kita gegangen. Wenn ich ihn abgeholt habe, wollte er sofort die Brust. Ich hab dann in der Gardrobe gestillt. 😀

  10. Ich finde es nett, dass man werdende Erstmamis nicht mit tausend Horrorgeschichten erschreckt, was bei so einer Geburt alles passieren kann. Aber das Gefühl übergangen zu werden kann ich nachvollziehen, ich habe mit zwei Schwangerschaften drei Gynäkologinen durch (wegen zweimaligem Umzug) und kann sagen, dass jede für sich eine Herausforderung war. Die erste hat mir bei jedem Termin auf den Muttermund geschaut und ist sie dann zwischen meinen Beinen wieder aufgetaucht hat sie mir lobend auf die Schnenkelinnenseite geklopft, als wäre ich eine Kuh. Die Zweite hat jedes Mal den 3D Ultraschall ausgepackt, einfach weil sie es toll fand. Meine letzte und aktulle Gyn hat die SChwangerschaft als sehr natürliche und nicht krankhafte Sache einfach so laufen lassen, wäre das aber nicht mein zweites Kind gewesen hätte mich das extrem verunsichert, weil wenig Aufklärung von ihr kam.
    Mit Hebammen ist es leider nicht besser, meine erste Hebamme war der Horror schlecht hin und hat mich so verunsichert,dass ich nur noch geheult habe. Zum Glück hat meine Mutter damals gesagt, ich soll auf mich hören und die Hebamme in den Wind schießen.

    Meine Söhne sind beide total unkompliziert, trotzdem würde ich mich nie in die Erziehung oder die Situation anderer Mütter einmischen. Nachfragen und Austausch ja, aber jede Art von Kritik ist echt nicht hilfreich und schürt nur Unsicherheiten. Meist völlig unnötiger Weise, jedes Kind ist eben so wie es ist und nicht so, wie andere Leute es gerne hätten.

    Als Mama muss man natürlich erst lernen auf das eigene Bauchgefühl zu hören, aber das wichtigste was ich für mich mitgenommen habe ist, dass solange mein Kind einen gesunden Eindruck macht, kann nicht so viel verkehrt sein. Und als Eltern kann man sich ruhig den Luxus raus nehmen, sich nur mit Menschen zu umgeben, deren Umgang man für sich und das Kind auch wünscht. Alle anderen sich egal!

  11. Auf Mutterinstinkt muss Verlass sein! Ich habe es mit Ärzten erlebt.

    Erstes Erlebnis während der Geburt beim Arztwechsel. Alle zwei Minuten Muttermund abtasten, als würde es davon schneller gehen. Bis ich nur noch Zitterte und vor Schmerzen jammerte. Als der Arzt sagte “also wenn sie sich so anstellen, werden Sie das nicht ohne PDA schaffen”. Es lag an Komplikationen weshalb nichts voran ging, mein Kind wurde von der Nabelschnur stranguliert und “gebremst”. Ich hätte ihn mal gerne gesehen, wie es ihm ergangen wäre nach künstlichen und natürlichen Wehen gute 40 Stunden und schmerzhaftem Rumstochern. Der Rest war fast identisch mit Anne-Kathrins Erlebnis. Mein Kind war zu schwach fürs Stillen, nahm ab und nach vier Wochen musste ich zufüttern. 60 ml bekam ich abgepumpt. Hätte ich auf mein Gefühl gehört, hätte ich schon früher die Flasche gegeben. Das Einreden von allen Seiten machte mich unsicher und ich war total überfordert.

    Zweites Erlebnis bei Kind Nr. 2 als es ein Jahr alt war. Ständiger Reizhusten, schlaflose Nächte, eitrige Mandeln, Pseudo Krupp. Beim 5. Kinderarzt Termin (!) mit Drängen und Klagen wurde endlich ein Abstrich vom Rachen genommen und RSV festgestellt. Da hatte mein Kind bereits eine obstruktive Bronchitis entwickelt. Habe den Kinderarzt gewechselt und mein Kind wurde ein Jahr in einer Fachklinik behandelt. Es wurde engmaschig komtrolliert und 6 Monate mit Antibiotikum behandelt.

    Von wegen Corona. Pseudo Krupp und RSV lautet der Grauen aller Eltern.

  12. Es tut mir furchtbar leid dass dieser neue Muttermythos den Frauen das Leben so schwer macht (Ich hatte drei). Ja, stillen ist gut für das Kind aber vor allem ist es praktisch, kostenlos und – so es klappt – sofort verfügbar. Wenn es Probleme gibt nimmt man halt die aufwendige und teure Flaschennahrung. Und man muss auch nicht stillen wollen! Das ist einzig und allein eine mütterliche Entscheidung! Macht euch doch nicht so einen Stress! Es ist euer Kind nur Ihr wisst wirklich wie man mit ihm umgehen sollte. Und natürlich brüllen sie aus den verschiedensten Gründen. Ätzend wird es kurz bevor sie sprechen können. Dann sind die Bedürfnisse oft so komplex dass man es eben oft nicht errät.
    Und auch ich bin mit einem brüllenden Enkelkind ziemlich lange draußen unterwegs gewesen bis er sich beruhigt hatte weil er halt aus einem Alptraum erwacht war. Manchmal ist das eben so und dann ignoriert doch einfach böse Blicke.
    Ich mische mich bei brüllenden Kindern manchmal schon ein aber dann frage ich das Kind warum es so wütend ist – denn manchmal hilft das um Gebrüll zu unterbrechen. Nur ein einziges Mal habe ich eine Mutter darauf hingewiesen dass das Kind nicht warm genug angezogen war (es hatte blaue Lippen) was damit kommentiert wurde dass es ja keine Gänsehaut habe (das müssen Kinder erst noch lernen).
    Sucht euch Schwangerengruppen die ja später oft zu Babygruppen werden und bei zu gut gemeinten Ratschlägen gilt: zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr raus.
    Wenn es dem Kind nicht gut geht merkt ihr das schon von allein.

  13. Oh je! Danke für diesen Artikel! Ich habe diese Übergriffigkeit auch erlebt – im Grunde begann es mit meiner Geburtsentscheidung und erreichte den Höhepunkt einige Monate nach der Geburt. Als gäbe es irgendwie immer etwas, was anders gemacht werden müsse… Meine Klassiker waren/sind: “Warum schläft sie nicht im Bett zum Mittagschlaf?”, alternativ “Was? Sie schläft noch immer in eurem Bett?”, “Warum legst du sie nicht ab?”, “Überforderst du sie damit nicht?”. Auf den eigenen Körper hören, ist gut gesagt, und zurück zu deiner Intuition kommen auch, doch bedarf es einer Bewusstwerdung darüber, das Gerede “der Anderen” auch ausblenden zu DÜRFEN und sich frühzeitig Rat und Inspiration von Fachkräften zu holen (und da dürfen wir wohl auch lernen, die Spreu vom Weizen zu unterscheiden…).

  14. Hallo, schöner Artikel, ich kenn das als “Beobachter” auch, oft stehe ich daneben, wie seltsame “Fragen” zu den Kindern gestellt werden von Leuten, die im absurdesten Fall nicht mal welche haben, diese “Fragen” werden dabei oft eher als Vorschlag formuliert oder gar als Kritik.
    ich denke mir dann immer meinen Teil… ich bekomme da ohnehin nur einen Bruchteil dessen mit was sich Eltern wohl alles anhören müssen. Eine Freundin erzählte mir, die bereits einen Sohn hat der jetzt 5 wird, wie ausnahmslos jeder einen Ratschlag für Sie hatte von denen viele sich eher so anhörten, als ob Sie die Schwierigkeiten, die sie mit ihren eigenen Kindern hatten, auch bei anderen Kindern erwarten würden. Furchtbar wenn man mich fragt.
    Eine Sache wundert mich an dem Artikel aber schon, in Deutschland kommt man nicht umher, die ein oder andere Doku über Geburten zu sehen, sich über Schwangerschaft zu informieren und vor allem Sexual- und Biounterricht in der schule zu genießen. Auch würde ich sagen das die meisten Umfelder von Personen kein großes Ding um die Schwierigkeiten einer Geburt machen, da kann ich halt nur aus meiner Erfahrung sprechen. Meine Mutter zum Beispiel hat mir relativ früh, 15 oder so.., erklärt wie krass die Geburt meines Bruder war und wie leicht meine dafür und ließ es sich auch nicht nehmen uns jedes Detail zu schildern. Schön ist das nicht! Aber es gehört dazu und ist Teil einer jeden Existenz, auch meine Freunde die Kinder haben, erzählen das, lange nicht so detailliert wie meine Mutter, aber dass es nicht ohne Probleme ging, hört man heraus. Das ist keine Bewertung oder so… und garantiert möchte ich nicht dein Umfeld bewerten, aber erschreckend ist das trotzdem. Ich glaube ich erwarte einfach das ein Mensch weiß, worauf er sich da einlässt. Es würde mich wirklich wundern, wenn nicht einmal der Arzt auf die kommenden Turbulenzen aufmerksam gemacht hätte. Das fällt mir schwer zu glauben, sehr schwer sogar.

    Ich bin froh, dass du deine Rosarote-Brille ablegen konntest, mir dringt sich der Eindruck auf, dass du diese auch nach der Geburt weitergetragen hast, nur so erklärt sich mir wie man auf so viele ahnungslose Menschen hören konnte bzw. sich so verunsichern lassen konnte.

    Sehr gut also das du darüber schreibst, deine Erfahrungen in die Welt trägst und somit hoffentlich dazu beiträgst das es nicht noch anderen so ergeht.

    1. Danke, Rouven, für den schönen Kommentar. Nein, dass die Geburt grundsätzlich anstrengend und auch kompliziert werden kann, das wusste ich natürlich. Aber über die Möglichkeit, dass es zu einem Notkaiserschnitt kommt, haben Hebammen und Frauenärzt*innen nicht gesprochen. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich will auf keinen Fall, dass Frauen im Vorfeld Angst gemacht wird. Aber es sollte ganz nüchtern darüber gesprochen werden, was passieren kann. Und vor allem, dass Geburt etwas wahnsinnig Individuelles ist.

  15. Oh ja, einige Grenzüberschreitungen.
    Die schlimmste war im Krankenhaus (!) 3 Monate nach der Geburt, , wo ich zu eienr Nach-Operation hin musste. Ich – in Sorge vor der nächsten OP und Vollnarkose und körperlich in dem Zustand, in dem man halt 3 Monate nach der Geburt so ist – ziehe mich aus und setze mich auf den Behandlungsstuhl. die Ärztin schnellt mit ihrem Arm vor, kneift mir in den Bauch und sagt “Das (also mein schlabberiger, von Dehnungsstreifen übersähter Bauch, der über 9 Monate ein Kind getragen hat) muss aber auch noch weg!”. Dazu muss man glaube ich nichts mehr sagen.

    Ansonsten sind es eher so diese kleinen Sprüche im Alltag, die einfach tierisch nerven. Mein Lieblingsspruch ist “lass sie doch einfach mal schreien” – kommt jedes Mal von der Oma meines Mannes, wenn wir mit unserer wundervollen, aber leider eben zum Schreien neigenden Tochter, zu Besuch sind. Komplett gegen jeden Mutterinstinkt (und natürich auch jede vernünftige Empfehlung von Expert*innen), das Kind NIEMALS einfach so alleine schreien zu lassen, da fühlt es sich natürlich verlassen und verzweifelt. Ich frage dann immer gern, ob sie das für sich auch wollen würde, wenn sie verzweifet ist, dass dann niemand für sie da ist… Oder der – ganz bestimmt nicht böse gemeinte Kommentar – meiner Mutter, die es auf wundersame Weise geschafft hat, meine Tocher doch einmal zum Schlafen ins Bett abzulegen “Ich weiß auch nicht, was ihr da falsch macht”. Naja, gar nichts, es gibt nämlich kein Falsch, sondern nur, was für uns und die Kleine funktioniert. Und das ist eben genau richtig, egal was andere sagen.

  16. Es fing damit an, dass jeder den Bauch berühren wollte. Fasse ich jeden Menschen an?

    Die vielen Wasseransammlungen im Körper (28 kg zugenommen), bis zur letzten Sekunde Übelkeit, Übertragung von 10 Tagen: die Geburt wurde eingeleitet wegen Unregelmässigkeiten im CTG, die Placenta löste sich nicht, 2,5 Liter Blutverlust, keine Regeneration des HB-Wertes, also 2 Bluttransfusionen, das Baby wurde von den Schwestern im Krankenhaus versorgt, während ich nicht in der Lage war, aufzustehen. Zuhause eine Haushaltshilfe, anstatt mit dem Baby spazieren zu gehen.

    Als es dann soweit war, wollte jeder dieses immer strahlende Baby anfassen – dieses Thema ging also weiter.

    Die Trennung vom Vater meiner Tochter – für mich bedeutete das leider künftig viel Kampf. Zudem eine dritte “erziehende” Person, die böse Stiefmutter, die an meiner Tochter alles ausprobierte, was sie an ihrem später geborenen Sohn dann tunlichst unterließ.

    Und solange meine Tochter bei mir lebte, wurde mir erzählt, dass ich meine Tochter falsch erziehe. Jeder wusste es besser, vor allen Dingen diejenigen, die keine Kinder hatten.

    Wenn ich überhaupt eine Vorstellung von dem Projekt Kind hatte, dann war die vermutlich ganz anders. Trotz aller Waldorf-Pädagogik, die uns ein Stück begleitet hat.

    Das Gefühl, es jedem recht machen zu müssen, dieses ausprobiert, jenes ausprobiert, die viele Fachliteratur, die einem das Gefühl gab, “dumm” zu sein – das Kind muss in dem Alter dieses und jenes können. Permanent auf das Kind geschaut, ob es ja nicht hinterherhinkt. Eigentlich fühlte ich permanent Schuldvorwürfe in mir.

    Und mein Körper, meine Bedürfnisse? Haben an die Selbstauszehrung geführt, mit vielen Erschöpfungsattacken.

  17. Ich kann nur allen betroffenen Damen und Herren “einen klaren Kopf behalten” empfehlen. Fremde die sich die Freiheit rausnehmen so saublöde Sprüche rauszuhauen, sind ignorant gegenüber ihrer eignen Ignoranz. Es wird nicht besser in der Zukunft. Heutzutage ist jeder ein Experte auch wenn er/sie nicht gefragt wird und am aller schlimmsten ist dass die Leute empathielos sind und vergessen haben wie es bei ihnen damals war. Mir aber dann die Frage aufkommt wenn die Leute so sind, ob sie überhaupt jemals Kinder hatten oder die Kinder noch im Kontakt stehen.

  18. ja, so ist das mit den lieben Mitmenschen,- genauso, wie es bei wichtigen Fußballspielen plötzlich 80 Millionen Bundestrainer in Deutschland gibt, wissen alle um einen herum viel besser, was gut für das -sich in ihren Augen gerade nicht adäquat verhaltene- Kind/Eltern sein soll.

    Eine schöne Erfahrung in all dem “Unglück” war folgende: Wir waren auf einem Ausflugsschiff auf einem See und die Fahrt bis zu unserem Ausstieg sollte noch 30 Minuten dauern. Nach ruhigem Beginn brüllte einer meiner Söhne (ich habe vier davon- altersmäßig nah beieinander), wie am Spieß, weil er nicht die Bauklötze quer durch die Menge werfen durfte. Ich nahm ihn aus der Spielecke weg und stand mit ihm auf dem Arm im Ausstiegsbereich. Die anderen Passagiere schauten schon ganz genervt und es gab Kommentare, wie, kann die Rabenmutter nicht endlich aussteigen (und dann mit kleinen Kindern 2 Stunden um den See herumlaufen, oder wie?) bis hin zu: früher hats eins hinter die Ohren gegeben und dann war Ruhe!-
    Da sprach mich eine ältere Dame an und sagte: das gehört dazu, Kinder dürfen auch wütend sein und brüllen. Aber seien Sie sich sicher, das geht vorbei! (irgendwann können sie sich ja mit Worten Gehör verschaffen)
    Das war wunderbar, ihre gelassene Haltung hat mich selbst wieder geerdet und zu der Gewissheit zurückgeführt, dass es meine Kinder, meine Verantwortung und mein Selbstverständnis ist, auf das es ankommt, und die Kommentare der anderen konnten an mir abprallen.

  19. Mein Sohn wird jetzt 21 Jahre alt – wenn ich diesen Artikel lese, werde ich sofort zurückgeworfen. Bestärkt mich, ärgert mich und macht mich traurig. Je natürlicher man ein Kind auf und in die Welt bringen möchte, desto mehr Gegenwind und Grenzüberschreitungen gibt es wohl von selbsternannten Experten.
    Im Geburtshaus zu gebähren war schon unerhört von mir. Meine Tante sagte sogar über meine Hebamme (sie war die Tolllllste!), als sie meinen Geburtsbericht hörte, “so eine blöde Kuh”, weil meine Geburt sehr lang dauerte und schwer war. Ja und war doch MEINE! Ich fands ein tolles Erlebnis und fertig – geht das überhaupt jemanden was an – wie unverschämt und uneinfühlsam ist das. Ja, klar wäre im KRANKENhaus sicher völlig anders gelaufen.
    Stillen ist natürlich auch nix – da ist man viel zu angehängt ans Kind …
    Oh mein Gott und Stillen bis zum 22. Monat ist noch viel schlimmer, geradezu echt pervers und wider der Natur … “da siehst mal, jetzt hast so lange gestillt und er ist totzdem ein schlechter Schläfer …
    Tragetuch ist voll schlecht für das Kind und für mich sowieso …
    Das Rein- und Kluggequatsche regt mich heute noch so auf und bewegt mich immer noch sehr. Wenn ich dann die anderen Kommentare lese, einfach nur gemein, was man Müttern um die Ohren schmeißt!!!
    Übrigens – mein Sohn ist trotzdem groß, hübsch & wohl geraten und gewachsen, alle Knochen gerade, trotz Tragetuch …

  20. Ich kenne Ähnliches, wenn auch nicht in diesen Dimensionen.

    Was das Stillen betrifft: im Nachhinein kann ich das nur noch als Stillterror bezeichnen, was da für Druck aufgebaut wird von aussen. “Aber das ist doch das Beste für das Kind!” Da ist man ohnehin am kämpfen, unglaublich sensibel und dann von aussen dieser unverschämte Druck, der impliziert: du bist eine Mutter zweiter Klasse, wenn du dein Kind nicht stillst. Sogar im Tram hingen Plakate mit protestierenden Babys drauf: “Wir wollen gestillt werden”. Das ist allerunterste Schublade.

  21. Ich war mit meiner Kleinen (2 Jahre) in der U-Bahn auf dem Weg vom Kinderarzt nach Hause. Sie, mit Infekt und etwas Fieber wollte einfach nur ihre Ruhe haben und dösen. Kurz vor dem Aussteigen sprach mich eine Frau an: Sie habe mich jetzt die ganze Zeit beobachte, so eine lieblose Mutter wäre ihr noch nie begegnet! Nicht ein einziges mal hätte ich meine Tochter angesprochen, ich müsse doch reden mit dem Kind, ihm die Welt zeigen, kein Wunder, dass sie so desinteressiert und apathisch wäre!

  22. ich sage es direkt vorweg, ich bin Vater zweier (von Anfang an) sehr schwieriger Kinder.
    Schlechter Schlaf, “zu kurzer” Schlaf, immer sehr laut und forsch im Alltag, wenn die Erwartungen nicht eingehalten werden, wirds ebenso unangenehm. Ser empfindsam, aber empathisch. Wenn es Abweichungen von seiner Norm gibt wird alles zu viel. ( nur mal so als typische Beispiele) Vor allem Unser Sohn ist hier sehr vorherrschend vertreten mit diesen Eigenschaften. Also mit unangenehmen Situationen kennen wir uns sehr gut aus.

    Ich brauche nicht zu erwähnen, dass Sie für uns ALLES auf der Welt bedeuten und genauso, wie sie sind, perfekt sind.

    Das narrativ der restlichen Bevölkerung ist natürlich nie ganz unwichtig und man möchte ja irgendwie zeigen, wie toll die Kinder sind. Die Kinder können eine ein Strich durch die Rechnung machen. Warum? Das gesellschaftliche Bild von Kleinen Kindern und deren Eltern ist völlig verschoben und realitätsfremd. Das kann verheerende Folgen für die Eltern (aber auch Kinder) haben. Irgendwann zweifeld man an sich selbst und seinen Methoden. Habt Ihr euch nicht auch erwischt, wie Ihr euch versucht habt vor Anderen zu Erklären oder zu Rechtfertigen? Für allerlei Themen?! Inzwischen bin ich da abgebrüht.

    Die Trage oder die Wickel sind die genialsten Asscessoirs um die Kids bei sich zu haben. (Endlich mal wieder eine Kleinigkeit Unternehmen) und man brauchte nicht auf Sprüche warten. Im Winter: “Friert der nicht….?!” Im Sommer: “Das ist doch viel zu heiß!” “Das Arme Ding hat keinen Platz!” oder zu meiner Frau: “Die bricht dem Kind den Nacken!” (weil die Kurze aus der Trage etwas den nacken verdrehte um etwas zu sehen) Völlige Fehleinschätzungen und Unwissenheit von Menschen die allesamt anscheindne unter dem Dunning-Kruger-Effekt leiden.

    Aber auch Nichtssagen kann schlimm sein: Urlaub war gebucht, lange bevor klar war, dass “Wir” (ja ich bin leider mit schwnager geworden ;-)) Schwanger sind. Also ab in den Urlaub mit unserem 1,5 Jährigen und unserer 8 wöchigen Kleinen. Beide Kinder waren Schreikinder, wer das kennt weis, wie Anstrengend das werden kann. Unsere Kurze war im Kinderwagen am schreien wie a Spieß, ne Alte Dame mit Ihrem Mann kommen EXTRA über die Straße gewatschelt und wollen sich über den Kinderwagen (bzw die abgedeckte Haube) lehnen um nachzusehen – als wenn es Sie etwas angehen würde. Die Dame lächelt nur etwas beifällig mit eine “Hehehe”. Äh…. Sry! Was simmt mit euch nicht?! Kriecht doch direkt hinein! Meiner Frau ist an dem Tag die Hutschnur geplatzt was ich verstehen kann und fragte nur, was es denn zu lachen gäbe. Sollten sich um Ihre Angelegenheiten Kümmern.

  23. Ich habe genau die andere Erfahrung gemacht: jede hat mir während meiner Schwangerschaft die Horrorgeschichte ihrer Geburt aufgedrängt, was dazu führte, dass ich immer ängstlicher wurde!
    Als meine Tochter geboren war, wurde gleich in der 1. Nacht im Neugeborenenzimmer zugefüttert. Ich hatte nicht viel Milch und musste dann auch immer zufüttern, weil meine Tochter nach einem schönen Fläschchen gar keine Lust mehr hatte, sich beim trinken an der Brust anzustrengen. Wenn ich ihr zuerst die Brust gegeben hatte, hat sie nach ein paar Saugversuchen angefangen zu schreien – nach 5 Wochen habe ich direkt abgestillt. Es hat sich nicht gelohnt, für ein paar Schlucke.
    Ich versuche mich seit dem (meine Tochter ist dieses Jahr 30 geworden) immer sehr zurückzuhalten, mit “guten Ratschlägen” oder ungefragten Tipps und biete einfach meine Hilfe an, wenn Neu-Mamis oder werdende Mamis vielleicht etwas brauchen.

  24. Für mich war die ganze Situation ums Stillen auch blöd. Mein Sohn hat anfangs auch schlecht getrunken und mir wurde von allen Seiten geraten, zuerst mit Hütchen zu Stillen, was danach massiv Probleme verursacht hat (er hat viel zu stark gesogen und sich Unarten angewöhnt, wie beim Saugen einfach den Mund wegzureissen, weil durch das Hütchen zu wenig Milch kam und er dadurch frustriert war). Ich habe zum Glück dann ein sehr gutes Buch über natürliches Stillen gefunden, das mir sehr geholfen hat. Ich habe es zwar nie geschafft wirklich voll zu stillen, aber ich konnte immerhin 9 Monate lang zusätzlich noch stillen und als ich aufhörte auf alle anderen zu hören und das machte, was sich richtig anfühlte, hat das auch geklappt.

  25. Ich bin inzwischen Oma, 60 Jahre alt und meine Kinder sind 37, 35 und 32 Jahre. Das erste Kind ein bisschen gestillt, das zweite Kind 2 Jahre mindestens gestillt und das dritte Kind ca. 1 1/2 Jahre. Mein drittes Kind war ein Tragling. Also keinen Kinderwagen, sondern nur im Tuch.
    Mir sind damals viele Grenzüberschreitungen begegnet, die ich hier allerdings nicht aufzählen möchte.
    Warum ich hier schreibe, ist die Erschütterung, dass noch immer die gleichen Kommentare abgegeben werden wie vor beinahe 40 Jahren. Wirklich traurig.
    Meine Kinder sind inzwischen erwachsen und ich bin stolz auf sie. Sie haben weder soziale Störungen, noch Haltungsschäden usw. Ja, all das wurde mir prophezeit.
    Also macht euer Ding, sucht euch Unterstützung bei Leuten die euch auch wirklich unterstützen. Ihr habt Kraft, viel mehr Kraft als ihr denkt.

  26. Es ist wirklich erschüttend, wie schwer es vielen Müttern gemacht wird, Kinder zu bekommen und großzuziehen und dabei – trotz aller Probleme, die zu einem normalen Leben dazugehören – entspannt und zufrieden zu sein.
    Ich hatte sehr entspannte Geburten – trotz hoher Geburtsgeschwindigkeit beider Kinder, Verdacht auf Streptokokken-Infektion meines Sohnes und Nabelschnur um den Hals bei meiner Tochter – was hauptsächlich an den Hebammen lag. Und dieses Glück weiß ich zu schätzen, v.a. wenn ich eure Geschichten hier lese. Meine erste Hebamme war toll. Erfahren, resolut, aber gleichzeitig liebevoll. Außerdem Stillberaterin. Sie hatte so eine tolle Art und Weise, einen über alles aufzuklären, was sein kann, aber nicht sein muss. Dazu hat sie mir ein Buch empfohlen, dass mir sehr geholfen hat, auf mich selbst zu hören: Beim ersten Kind gibt’s 1000 Fragen. Da geht es nicht um Ratschläge und Hinweise, sondern um die Berichte und Erzählungen von (werdenden) Müttern und Vätern, wodurch man kennenlernt, wie unterschiedlich jede Schwangerschaft und Geburt verläuft und auch wie unterschiedlich jedes Kind sowie seine Elten sind und was alles “normal” ist. Das beruhigt dann natürlich ungemein und stärkt gegen solche Grenzüberschreitungen.
    Aber wenn ich sehe, wie die Hebammen-Entwicklung – zumindest bei mir in der Region – ist, dann bin ich einerseits froh, dass mein Familienplanung abgeschlossen ist und gleichzeitig bin ich in Sorge um meine Tochter, wenn sie irgendwann mal einer guten Hebamme bedarf.
    Ich wünsche jedenfalls allen (werdenden) Müttern und Vätern viel Kraft und alles Gute. Auf dass ihr die Zeit mit eueren Kleinen genießen könnt…

  27. Mit Interesse habe ich die vielen Kommentare gelesen. Ich bin selbst Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und auch Omi von zwei Enkelkindern.
    Was mir in den ganzen Kommentaren fehlt, ist eine gute Geburtsvorbereitung. Gibt es das in Deutschland nicht? In der Schweiz wird das von Physiotherapeuten oder von den Hebammen angeboten. Ich habe sehr viele Frauen (bin Physiotherapeutin) auf die Geburt vorbereitet mit Atemtechnik, üben des Ablaufs einer “normalen” Geburt und den Informationen möglicher Komplikationen. Ebenso habe ich Hinweise für die Vorbereitung auf das Stillen (Abhärten des Brustgewebes etc.) gegeben. Und ich habe immer einen Abend mit den Vätern veranstaltet, damit diese die Frauen bei der Geburt entsprechend unterstützen konnten.
    Aber, die Geburt ist ja nur der Anfang eines langen Weges der Verantwortung für unsere Kinder. Für jeden anderen “Beruf” macht man eine Ausbildung. Eltern zu sein muss man dann halt einfach können. Erst im Nachhinein weiss man, was man hätte besser machen können. Und deshalb gibt es so viele “Besserwisser”.

  28. Ach, liebe Betroffene. Was dem einen Grenzüberschreitung, ist dem anderen vielleicht einfach nur Anteilnahme.

    Mütter/Eltern sollten zudem nicht vergessen, daß sie von der Gesellschaft ja auch eine ganze Menge Unterstützung für sich und ihr Kind erwarten und bekommen. Da finde ich diese Haltung, im Gegenzug zu sagen, “das Kind gehört aber bittschön nur mir alleine, da hat mir keiner reinzureden oder auch nur was zu kommentieren”, ganz schön erschreckend. Erst recht, wenn hier z.T. sogar die eigene Oma oder Mutter als grenzüberschreitend empfunden wird. Ich mein, wenn man noch nichtmal mehr die eigene Familie als Einfluß ertragen kann, der selbstverständlich auch in irgendeiner Weise auf das Kind einwirkt – was ist denn davon zu halten? Da kann man sich ja gleich auf den Mond schießen.

    Nein, zum Glück sind Kinder eben nicht gänzlich dem Gutdünken ihrer Eltern überlassen. Denn es gibt ja nicht nur so tolle und vorbildliche Eltern wie die hier versammelten, sondern auch ganz schlechte. Und da ist man eigentlich immer sehr froh, wenn die Umwelt ein Auge drauf hat, nicht? So einfach kann man sichs halt nicht aussuchen, nach dem Motto “Ja, bei den schlechten Eltern bitte einmischen, bei den guten aber nicht, und wir sind natürlich die guten!” Entweder der Mensch ist ein soziales Wesen oder er ist es nicht, und für letzteres gibt es auch ein Wort.

    1. Hallo Christian. Genau davon sollten wir wegkommen: Von der Pauschalisierung. „Ihr Betroffenen, ihr seid ja alle so und so.“ Nein. Es geht hier darum, dass jede Person ihre Geschichte erzählt, um klarzumachen, dass jede Geschichte anders ist und auch Raum haben sollte. Und wer eine Schwangerschaft erlebt hat, wer erlebt hat, was das für einen Körper bedeutet, egal zu welchem Zeitpunkt, diejenige kann auch meistens über Grenzüberschreitungen erzählen, die aufgrund der Pauschalisierung überhaupt erst entstanden sind. Nein. Es gibt nicht „die Betroffenen“ oder „diese Mütter“ oder „diese Eltern“ oder diese Leute, die sich ein Kind wünschen etc. Und ebenso wenig gibt es diesen EINEN Ratschlag, der bei allen greift und durch den sich das Problem erledigt hat. Es ist komplexer.

  29. Das kenn ich, bei meinem ersten Kind durfte ich mit der kleinen im Krankenhaus in so einem Bettchen Spazieren gehen. Da meine beste Freundin zu der Zeit kein Handy hatte und auch nicht bescheid wusste wollte ich ihr in der Cafétaria über den Pc den jeder benutzen kann im damals MSN messenger schreiben, das die kleine nun da sein da rief ein alter Mann von hinten “guck mal die hat ein Baby und hängt schon am Pc, was das für eine” das fand ich absolut dreist. Oder bei mir ging Stillen gar nicht ich habs krampfhaft versucht, da kleine schon paar Zähne hatte hat sie mir dann auch die Brustwarzen zerbissen worauf die Hebamme und ich beschlossen es ist besser mit Stillen aufzuhören und ihr Fertig Milch zugeben weil sie sonst einfach Verhungert wäre. Da durfte ich mir von jeden selbst der keine Kinder hatte anhören das , das ja absolut nicht Gut für das Kind ist und ich eine schlechte Mutter wäre.
    Das Traurige ist nach einer Weile zweifelt man auch wirklich ansich.
    Was die schweren Geburten angeht versteh ich dich vollkommen, bei mein 2 hatte ich eine Schwangerschaftsvergiftung die von der Hebamme nicht festgestellt wurde und so haben wir weite auf Wehen gewartet am ende wars ein Notkaiserschnitt und im Krankenhaus wurde ich wie die behandelt die ihr Kind ja umbringen wollte, aber dabei hab ich nur auf das gehört was meine Hebamme sagte.
    Wäre es nach mir gegangen hätten wir 2 Tage ehr die Geburt eingeleitet, weil ich einfach nicht mehr konnte.
    Am dreisten finde ich immer Ratschläge von Menschen zubekommen die gar keine Kinder haben oder eine Geburt kennen, ich weiß nicht was diese Menschen glauben…

  30. Anne-Katrin Heier, Sie hätten einen wohlwollenden Kreis von Frauen gebraucht, Müttern, Teenagern, Großmüttern, der Ihre Schwangerschaft, die Geburt, die Zeit danach und Ihre Erlebnisse begleitet hätte – von Anfang an. Man hätte Ihnen respektvoll Raum gegeben für Ihr ganz persönliches Erleben in dieser Zeit. Die ein oder andere hätte von ihrem ganz persönlichen Erleben erzählt – und alle hätten dabei gelernt. Einerseits.

    Andererseits: Die Frauen, die sich ungefragt und grenzüberschreitend einmischen und RatSCHLÄGE geben, bräuchten eigentlich auch einen Kreis von Frauen, wo ihre ganz persönlichen Erlebnisse gehört und gewürdigt werden – und wo sie helfen können mit ihrem Wissen. Frauen, Menschen, helfen gern, von Natur aus.

    Klar, in einer übergriffigern Situation muss man sich wehren, aber grundsätzlich halte ich es für genau die falsche Richtung, sich noch mehr abzugrenzen voneinander. Es wird schwer werden in unserer Gesellschaft, wo wir alle so sehr davon geprägt sind, besser sein und mehr wissen zu müssen als die anderen – aber ich wünsche mir, dass wir eine Kultur schaffen, wo Frauen selbstverständlich, regelmäßig, im Alltag, zusammensitzen und reden. Nichts braucht diese Zeit dringender.

    1. Liebe Astrid, da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Und ich möchte nicht, dass wir uns voneinander abgrenzen, dass es noch anonymer wird, gerade in den ohnehin schon so unpersönlichen Großstädten. Und ich glaube, dass ein erster Schritt sein kann, Tabus zu brechen. Z.B. das Tabu, über Unangenehmes, Verletzendes rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt zu sprechen. So schaffen wir es, miteinander ins Gespräch zu kommen. Erlebnisse zu teilen. Und wir sehen: Wir alle haben unsere Geschichten. Und es hilft, sich darüber auszutauschen.

  31. Genau zu diesem Thema schrieb ich einen Gastkommentar “Mütter, entspannt euch!”Eine Ärztin und Mutter über das “Wettrüsten der Supermütter”- kann man mit meinem Namen Bernadette Grohmann-Nemeth googeln. Ein Trost: beim zweiten Kind rechtfertigt man den Geburtsmodus und die Ernährungsform in der Regel nicht mehr und liest auch nicht diese unsäglichen Ratgeber 😉 PS Ich verdanke meine gesunden Kinder zwei Kaiserschnitten und konnte leider auch nicht stillen

  32. Ich war schon über 30, als ich mein erstes Kind bekam, und hatte bis dahin ein eigenständiges Leben.

    Während der Schwangerschaft und danach mischten sich jedoch viele Leute ein, um mir zu sagen was ich jetzt tun muss bzw. nicht mehr tun darf.

    Ich war fassungslos, dass auf einmal so viele Menschen glaubten das Recht zu haben mir ungefragt Vorschriften zu machen.

    Im Geburtshaus, wo meine Kinder auf die Welt gekommen sind, durften nur noch die Eltern zu Besuch kommen, weil der Besuch so oft negative Geschichten rund um Geburt, Gesundheit des Babys, etc. ungefragt erzählten.

    Schützt euch vor diesen negativen Geschichten!

  33. Grenzüberschreitung der anderen Art. Jeden Morgen fahre ich mit der Straßenbahn, jeden Morgen das gleiche Schauspiel. Mutter mit 3 Kindern davon sind 2 ruhig schauen sich ein Buch an oder schauen aus dem Fenster. Das dritte Kind vom Alter her das Mitteltste macht jeden Morgen in der Bahn Theater, springt rum, heult, schreit hysterisch, wältzt sich auf der Erde, trampelt mit den Füßen und ignoriert mit einer Perfektion seine Mama. Die ist damit beschäftigt auf das Kind einzureden. Leon lass das bitte, Leon hast du nicht gehört? Du sollst das bitte lassen, Leon höre jetzt bitte auf, Leon komm jetzt bitte her, so geht das endlos weiter. Inzwischen nervt die Mama mehr aöls das Kind. An einem Tag sagte sie dann, Leon Du musst Dich nicht wundern wenn mal jemand was sagt? Der Tag darauf war der Tag wo dann jemand was gesagt, nämlich ich. Ich habe mich im ruhigen und sachlichen Ton an die Mutter gewand und sie gefragt ob ich ihrem Sohn etwas sagen dürfte. Das beantwortete sie mit JA. Ich habe den Jungen dann sehr ernst (nicht laut ) angesprochen und habe ihn gefragt warum er nicht auf seine Mama hört und dass Ihn alle schon anschauen und es für alle die in der Bahn sitzen doof ist wenn er hier so einen Lärm macht und das es toll wäre wenn er doch einfach ruhig wäre und auf seine Mama hören würde. Darauf fragte mich die Mama was mir einfiele so mit ihrem Sohn zu sprechen. Ich habe sie nur an ihre Worte vom Vortag erinnert aber das Beste, seitdem ist es ruhig in der Bahn, Sohnemann sitzt bei seinen Geschwistern und wir zwickern uns zu. Ich weiß, dass es die Kleinen nicht leicht haben, dass für die der Tag auch viel zu früh anfängt und oft viel zu spät erst zu Ende ist. Ich kann auch wunderbar damit umgehen, wenn Mama oder Papa nichts tun weil Kind bockig ist und seinen Willen durchsetzen will aber nicht 5 Tage die Woche.

  34. Ich bin Mutter zweier Kinder und kann mich leider vielem hier bereits geschriebenen nur anschließen. Probleme in der Schwangerschaft, bei der Geburt, beim Stillen usw. sind immer noch eine Art Tabu-Thema und Frauen wird das Gefühl gegeben, die Einzige mit derartigen Problemen zu sein oder etwas falsch zu machen, besonders durch unqualifizierte Kommentare von außen.
    Als ich in meiner zweiten Schwangerschaft erfahren habe, dass etwas mit meinem Kind nicht in Ordnung ist, brach für mich eine Welt zusammen. Im Wartezimmer des Frauenarztes hatte das eine andere schwangere Frau zufälligerweise mitbekommen und meinte herablassend zu mir, ich hätte in der Frühschwangerschaft halt Folsäure nehmen sollen, dann wäre mein Kind sicherlich so gesund wie ihres. Ich war zu perplex, um zu antworten. Natürlich hatte ich Folsäure genommen, aber Folsäure reduziert nur die Wahrscheinlichkeit mancher Fehlbildungen und ist kein Garant für ein gesundes Kind.
    Auf jeden Fall hat diese Erfahrung dazu geführt, dass ich mich entschieden habe, offen und auch offensiv damit umzugehen, um mich bereits während der Schwangerschaft zu wappnen, gegen all die unqualifizierten Kommentare, die mich erwarten. Ich dachte, das wäre leichter in der Schwangerschaft, als später womöglich mit Baby auf dem Arm.
    Folglich habe ich eigentlich jedem in meinem Umfeld von meinen Problemen erzählt. Meist folgte ein kurzer Moment entsetzten oder hilflosen Schweigens. Doch dann haben mir die meisten Menschen im Anschluss ihre zum Teil unglaublich tragischen Erfahrungen erzählt: unerfüllter Kinderwunsch, Fehlgeburten, stille Geburten, verstorbene Säuglinge, Überlebenskampf von Frühgeburten, Depressionen, Überforderung, Versagensängste,… oder auch die Ängste um Frau und Kind, die Väter durchleben. Alles Tabu-Themen über die manche zum ersten Mal gesprochen haben. Blöde Kommentare kamen während meiner Schwangerschaft keine mehr, auch kein Mitleid, Mitgefühl hingegen viel und wirklich sehr viele hilfreiche Unterstützungsangebote: sei es mein Chef, der mir bis heute größtmögliche Flexibilität ermöglicht, oder mein Zahnarzt, der mir den Kontakt zu einer Familie mit ähnlicher Diagnose vermittelt hat.
    Es ist sicherlich nicht der naheliegendste Weg, offen mit allem umzugehen, und sicherlich auch nicht für jeden geeignet. Mir hat es sehr geholfen, zu wissen, mit solchen Problemen nicht alleine zu sein und die zermürbende Zeit voller Unsicherheit und Warten auf Untersuchungsergebnisse durchzustehen. Wir hatten großes Glück: ein Teil erwies sich als Fehldiagnose und von allen befürchteten gesundheitlichen Problemen ist “nur” eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte übrig geblieben.
    Ich bin dankbar für eine unheimlich tolle Betreuung durch Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern und Pfleger, sowie die Unterstützung aus meinem Umfeld. Ich bin dadurch sehr gestärkt worden und eigentlich ganz gut gewappnet und schlagfertig gegenüber unqualifizierter Kommentare von Fremden. Aber manches geht über das Erträgliche hinaus. Auch mir ist es passiert, dass mir ein fremdes, älteres Paar vorgeworfen hat, was für eine Rabenmutter ich sei, weil mein Kind die Flasche satt der Brust bekommt. Ich habe mir noch die Mühe gemacht, sie auf seine Fehlbildung hinzuweisen und erklärt, dass trotz intensiver Bemühungen und Unterstützung durch die Hebamme ein Stillen in unserem Fall nicht möglich war und ich daher abgepumpte Milch füttere. Der Mann sah sich meinen Sohn daraufhin sehr genau an und fragte mich, ob mir der Mut oder der Anstand gefehlt hätte, ein solches Kind gleich nach der Geburt zu beseitigen.
    Noch habe ich keinen Weg gefunden, mich gegen solche Bösartigkeiten zu wappnen. Aber ein Blick auf meinen wundervollen Sohn, der mittlerweile die ersten OPs tapfer überstanden hat, reicht aus, um Kraft zu sammeln für alles was ihm in seinem Leben noch bevorsteht.

  35. Oh ja, die erste (und meine persönlich einzige) Geburt. Ich hatte ein Kind, das nicht mehr wachsen “wollte” und letztendlich per Kaiserschnitt ca. 4 Wochen zu früh geholt werden musste. Ich war null vorbereitet. Die Schwangerschaft bis dahin war traumhaft und einen Platz im Geburtshaus hatte ich auch schon. Auch nicht darauf, das dieses winzige Wesen nicht trinken wollte. Auch ich saß an der elektrischen Pumpe und habe von diesen Geräuschen, dem gleichmäßigen tschi-tischi-tschi-tschi-tschi, hinterher schon regelrecht geträumt. Dieses feine Maschinchen hat mich ganze 5 Monate begleitet, mit Handpumpe(für unterwegs) und Stillhütchen.

    Ich hatte mir erlaubt, einen gebrauchten roten Kinderwagen zu fahren, obwohl ich doch einen Sohn hatte. “Ist das ein Mädchen?” “Nein, ein Junge.” “Aber der Wagen ist doch rot.”…. Und eben auch die Frage, ob er denn Luft bekäme in der Frühchentrage.
    Nervig waren die spitzen Kommentare besonders älterer Herrschaften, wenn der Kleine mal bockig war oder im eiskalten Winter die Handschuhe nicht anziehen wollte,brüllte wie am Spieß,ich eine Rabenmutter war oder wenn er im Buggy quer über der Stange hing, friedlich schlief und eine besorgte Bürgerin meinte, mich darauf aufmerksam machen zu müssen, dass das Kind Rückenprobleme von dieser Haltung bekäme und es meine Schuld wäre usw.
    Verletzend fand ich solch extra laut ausgesprochenen Sätze,damit ich es auch ja höre, warum das Kind denn so klein sei und was da wohl los wäre. Ich war jedes Mal den Tränen nahe, wusste ich doch selber nicht, ob er gesund war, oder noch etwas “nachkommen” würde. Später, als mir all die Belehrungen und die blöden Sprüche manch anderer Mamas (“Meine hat schon Größe 62”, während mein Kind noch in Größe 48 passte, oder wer schon alles durchschlief – meiner hat uns richtig auf Trab gehalten für viele Jahre, das kratzte schon an Freundschaften und manchmal an der Partnerschaft 🙁 -, schon robbte, lächelte und wie viel trank etc.) egal waren, konnte ich mich langsam ein wenig entspannen. Schluß war dann aber nicht. Egal ob er kletterte, rutschte, immer hieß es “ja, aber der Kleine”. “Ja, der kann das”. “Aber der ist doch so klein”. “Ich bin auch klein. Also?” usw.
    Wir hatten sehr viel Rennerei, da Monsieur klapperdürr war und nicht essen wollte, nicht richtig hörte, diverse Lungenentzündungen hatte, durchschlafen, was war das noch gleich? usw.

    Rückwirkend betrachtet verstehe ich nicht mehr, warum ich mich habe davon so einschüchtern lassen. Ich habe so an mir gezweifelt. Dabei sollten gerade wir Mamas uns unterstützen!
    Zum Glück gab es in der für uns schwierigen Anfangszeit eine nette Dame,zu der ich heute noch Kontakt habe, die ich beim Schwangeren Yoga kennengelernt hatte, die mich immer ermunterte doch zum Stilltreff zu kommen. Sie war hartnäckig und das war auch gut so. Ich hätte mich alleine nicht mal dahin getraut.
    Und heute ist er 12 Jahre alt (durchschnittlich groß) und eben bezaubernd <3.

    1. Liebe Ellen, vielen Dank fürs Teilen deiner Geschichte. Und ja, das ist so ein Kernsatz: Wir sollten uns gegenseitig unterstützen statt nach vermeintlichen Fehlern zu suchen.

  36. Ich war über 35 Jahre alt, als ich mein Kind bekam. Beim Spazierengehen auf einem Feldweg kamen fremde ältere Damen auf mich und mein Kind zu, um nachzusehen, ob es dann auch richtig wäre. Ich habe mich gefragt, wie sich eine Mutter fühlt, die ein behindertes Kind zur Welt gebracht hat. Ich hatte mich gegen einen Kinderwagen entschieden und mein Kind mit dem Tragetuch transportiert. Der Satz mit der Luft ist ein Standardsatz. Nach der Geburt hatte ich Probleme mit der Milchproduktion. 6 Wochen nach der Geburt hat sich herausgestellt, dass meine Schilddrüse nicht richtig arbeitet. Das betrifft wohl 7% der Frauen. Die Hebamme war eine Katastrophe, weil es für sie nur Vollstillen oder Flasche mit angerührtem Milchpulver gab. Vor dem ersten Bad zu Hause hat sie mir eine Geschichte über ein ertrunkenes Kind erzählt. Nur fette Babys sind gute Babys war ihre Message. Mein Kind hat anfangs 2 Stunden für einen Stilldurchgang gebraucht und nur mit Körperkontakt geschlafen. Nach 6 Wochen lag es mal für 15 Minuten alleine im Bett und hat geschlafen. Das war ein großer Fortschritt. Die Hebamme hat mir gesagt, ich soll mein Kind deshalb mit kalten Waschlappen wachhalten. Dabei trinken Babys nach 3 Monaten automatisch schneller. Wer das also durchhält, muss sein Kind vorher auch nicht quälen. Der Kinderarzt sagte dann, es käme auf den Gesamteindruck an und nicht nur auf das Gewicht. Teilstillen ist auch eine Lösung. Ich habe erst durch Wiegen des Kindes vor und nach dem Stillen festgestellt, zu welchen Tageszeiten zu wenig Milch zur Verfügung stand. Ich habe danach nachmittags 40ml zugefüttert und alles lief gut. Die Hebamme hat mich konsequent runtergezogen und hatte ein Weltbild, dass es mir schwer machte auf mein Gefühl zu hören. Der Kinderarzt hat mir Mut gemacht und gesagt, dass ich das gut mache und der Gesamteindruck meines Kindes gut ist. Danach wollte ich die Hebamme nicht mehr sehen. Es gibt einen großen Unterschied bzgl. der Untersuchungen vor und nach der Geburt. Nach der Geburt ist frau ziemlich uninteressant. Hat sich die Gebärmutter zurückgezogen ist wohl das einzige Thema. Das Personal in den Geburtskliniken gibt ungefragt unterschiedliche und widersprüchliche Statements ab. Ich habe mich gefragt, ob die überhaupt geschult und qualifiziert sind. Die Ärzte im Krankenhaus sprechen nicht viel mit den Müttern. “Stillen schützt nicht vor erneuter Schwangerschaft” ist ein Aufklärungsgespräch und dann geht die Tür wieder zu.
    Ich kann allen Eltern empfehlen sich Bücher von Jesper Juul zu lesen und darauf zu vertrauen, das Kinder besser wissen, wann sie satt sind und wenn für sie der Zeitpunkt gekommen ist, Brei zu essen. Jedes Kind ist anders und man fährt am Besten, wenn man die Kinder so nimmt wie sie sind und sie nicht schon als Babys in irgendwelche Schubladen quetscht. Das kann hart sein und einen als verantwortlichen Elternteil an Grenzen bringen.

  37. Hallo,
    Ich hatte keine romantischen Vorstellungen von Kinder kriegen und haben.
    Mein erstes Kind kam ca. 14 Tage zu früh zur Welt, mit 2700g, und ich war ziemlich erschöpft von der Geburt. Mein Sohn hatte schwer Gelbsucht und war nahe dran in die Kinderklinik in der nächsten Stadt verlegt zu werden. Er trank schlecht an der Brust und musste zusätzlich mit Glukoselösung aus dem Fläschchen gefüttert werden wegen der Gelbsucht. In der Klinik hatte ich Zeit und habe haupsächlich gestillt und Fläschchen gegeben und schauen das der Kleine nicht zu viel abnimmt. Nach Haus konnte ich dann nach ca. 10 Tagen als das Gewicht wieder bei 2500g war. Was super was das Baby wurde gestillt, trank Flasche meist Tee aber auch Babymilch.
    Das hab ich bei meinem zweiten Kind von ersten Tag auch so umgesetzt, Teefläschchen und Stillen hat super funktioniert, ich wollte das so und war mir sicher das das klappt. Auch der Vater und andere Personen konnten so die Babys jederzeit füttern.
    Mit ca. 7 Monaten habe ich abgestillt, Kinder machen ab diesem eine Entwicklung zu mehr Unabhängigkeit und das wollte ich mit weiterhin stillen nicht verhindern. Beide Kinder haben schon früh aus dem Becher getrunken und ich wollte keine dauernd Flasche tinkenden Kinder.
    Eine Betreuung durch Hebamen wie heutzutage gab es vor 40 Jahren nicht in dieser Form, 2 oder 3 Besuche das wars.
    Wichtig ist sich auf sein Gefühl zu verlassen, Beobachten und analysieren, Ruhe bewaren, nicht auf alles reagieren, sich reinreden lassen und verunsichern lassen.
    Auch ich habe Fehler gemacht und würde heute manches anders machen, aber es ist normal das nicht immer alles “richtig” ist.
    Wichtig ist das Frau, Eltern Vorstellungen von Erziehung haben, das Gefühl es passt, wenn etwas nicht passt zu überlegen warum und wie ich das ändern kann.

  38. Liebe Anne-Kathrin,

    herzlichen Dank für den Artikel! Ich halte solche Artikel für sehrsehr wichtig, da unglaublich viele frischgebackene Mütter diese wirklich belastenden Erfahrungen teilen und man sich einfach nicht so alleine damit fühlen sollte.

    Ich war durch mehrere erschreckende Geburtserlebnisse im Freundeskreis eigentlich auf alles gefasst, wurde dann aber von einer total schnellen, komplikationslosen Geburt überrascht.
    Worauf ich allerdings überhaupt nicht vorbereitet war, war die Flut von übergriffigen und teils absolut unverschämten Kommentaren, mit denen man als Frischmama plötzlich konfrontiert ist.

    Mein erster “Fehler”: ich hatte einfach nicht genug Milch. Punkt. Die Aussage, jede Frau kann (ausreichend) stillen trifft einfach nicht zu und ist übrigens auch aus medizinischer und wissenschaftlicher Hinsicht NICHT RICHTIG!!

    5 Stillberatungen und 3 Hebammen später wurde ich mit der Aussage “vor allem Ihre rechte Brust taugt halt einfach nichts, schade, das ist schon sehr schlecht für’s Kind” und einem unglaublich schlechten Gewissen in die Welt des Zufütterns entlassen. Ich habe dann noch acht Monate jede Nacht zusätzlich zum Stillen und zum Fläschchen todmüde und bis zum Umfallen abgepumpt, bis mein Sohn sich sehr früh – SLEBER! – vom Fläschchen und der Brust gelöst und Spaghetti Bolognese zugewandt hat.

    Rückblickend und nach viel Recherche zum Thema finde ich es wirklich schockierend, mit was für einer Last man als Mutter völlig unsinniger Weise belegt wird.

    Weil ich finde, dass möglichst viele solcher Geschichten erzählt werden sollten, um junge Mütter und Väter besser vorzubereiten und gesellschaftlich etwas zu verändern, noch eine kurze Geschichte zum Schluss.

    Als mein Sohn 5 Monate alt war besuchten wir aus beruflichen Gründen eine große Kunstmesse. Da ich zuvor beim Stillen in der Öffentlichkeit viele negative Kommentare bekommen hatte, hatte ich extra im Vorfeld abgepumpt und fütterte meinen fröhlich glucksenden kleinen Kerl mit Fläschchen und Muttermilch in einer ruhigen Ecke. Da kam ein älterer Herr zu uns, stellte sich neben uns und sagte sehr ernst: “Das arme Kind”. Ich war verwirrt, warum sollte mein offensichtlich sehr fröhlich glucksendes und lächelndes Baby ein “armes Kind” sein? Da folgte gleich die weitere Ausführung: “Wissen Sie denn nicht, wie schlecht es ist, wenn Kinder nicht gestillt werden? Ist Ihr Kind Ihnen denn nicht wichtig?” Ich war kurz einfach sprachlos. Und dann packte mich eine riesige Wut. Ich hatte erst ein paar Stunden zuvor mit einer Freundin telefoniert, der während der Schwangerschaft wegen eines malignen Karzinoms beide Brüste abgenommen werden mussten und die deshalb nie die Chance hatte, zu stilen. Bei der Vorstellung, dass dieser Herr auch ihr diese Frage hätte stellen können und wie verheerend das gewesen wäre, wurde mir ganz übel.
    Nachdem ich meinem Mann unseren Sohn gegeben hatte bin ich dem Herrn nachgegangen und habe ihm genau diese Geschichte erzählt. Ganz ruhig. Und ihn gebeten, mal ganz kurz darüber nachzudenken, ob sein Kommentar nicht vollkommen und zutiefst unangebracht und übergriffig war.

    Er hat sich dann auch tatschlich entschuldigt. An diesem Tag habe ich beschlossen, mich so gut wie möglich frei von negativen Einflüssen und Anwürfen anderer, mir unbekannter Menschen zu machen.

    Fazit:
    Solange ein Kind nicht offensichtlich misshandelt wird, solange man den Eltern und vor allem dem Kind nicht sehr nahe steht, sind Belehrungen und Bewertungen zum Stillen oder nicht Stillen, zum Tragen oder Fahren, zum Allein- oder nicht allein Schlafen, zum Sauberwerden, zur Kita,zu Wutanfällen oder zur Schüchternheit und und und … einfach nicht angebracht. Jedes Kind ist anders, jede Familie, jede Mutter, jeder Vater hat seine eigene Geschichte.
    Soviel Respekt sollte im zwischenmenschlichen Umgang wirklich möglich sein.

    1. Vielen Dank, liebe Kathrin. Und du hast vollkommen recht. Man merkt es an vielen Kommentaren an dieser Stelle: Wir müssen alle mehr reden. Müssen unsere Geschichten erzählen. Damit das vermeintliche Idealbild zurechtgerückt wird und die Gesellschaft einen realistischeren Blick auf das Thema bekommt.

  39. Meine Tochter ist jetzt 29 Jahre alt und ich kenne auch dumme Kommentare. Als ich schwanger war, suchte ich Rat in einer Frauenbibliothek, da meine Mutter damals seit 4 Jahren verstorben war. Dort fand ich großartige Literatur, die mir klar machte, eine Geburt ist kein Zuckerschlecken,aber eine kraftvolle Erfahrung. Ich fand Aufklärung über Stillen, sanfte Geburt und Babymassage, das Verwenden von Tragetüchern und Stillberatung. Das half mir, dumme Kommentare abprallen zu lassen und Krisen wie wunde Brustwarzen zu überstehen. Mein Kind habe ich getragen, solange mein Rücken es zuließ und beinahe 2 Jahre gestillt. Traurig gemacht hat mich im katholischen Bayern vor allem, wie viele Menschen nach dem Vater meiner Tochter gefragt haben, was eigentlich niemanden was angeht, und wie dreist manche Menschen mein Kind einfach angefasst haben, auch wenn sie uns gar nicht kannten. Mein Kind wuchs auf unter dem Motto: Kein Küsschen auf Komando, mein Körper gehört mir!

  40. Tatsächlich erzähle ich jeder werdenden Mutter, dass alle ihr Tipps geben werden und sie das nicht zu ernst nehme soll. Und solange ich nicht um Rat gebeten werde, ist das wirklich der einzige Tipp, den ich selbst gebe.
    Ich habe mich von den ganzen “Experten” um mich herum wirklich verrückt machen lassen und ich denke ich hätte mit meiner Tochter (inzwischen 13 gesund und munter) eine viel schönere entspanntere Zeit haben können.
    Auch bei uns Totalversagen im Krankenhaus, wo einfach das ganze Personal unterbesetzt und überfordert war und eine Hebamme, die freundlich war und es gut meinte, aber ohne eigene Kinder nicht wirklich wußte, was sie da redet.
    Aber der wirkliche Feind sind die anderen Mütter, die ihre eigene Unsicherheit überwinden, indem sie bei allen anderen Müttern die vermeintlichen Fehler aufzeigen. Klassiker sind hier wirklich zu warm / zu kalt angezogen und wie man mit einem weinenden Baby umgeht.

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