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Musikerin KUOKO | © Annika Weertz
© Annika Weertz
14.04.2026 • 09:38
Autor Tino Amaral | © Gideon Böhm Tino Amaral
15 Minuten
Podcast „Echt & Unzensiert“

Music is Medicine: Über Musik, die trägt und eine Branche, die bröckelt – KUOKO im Interview

In der 71. Folge von „Echt & Unzensiert“ ist Musikerin, Produzentin und kreative Allrounderin KUOKO zu Gast. Mit uns spricht die Hamburgerin über ihren Weg in die Musik, warum sie sich entschieden hat, nicht nur zu singen, sondern auch selbst zu produzieren, und was für sie den Kern eines guten Songs ausmacht.

Bei „Echt & Unzensiert“ spricht KUOKO über ihren eigenen Anspruch, den Umgang mit Perfektionismus und die Herausforderung, kreative Prozesse auch irgendwann loszulassen. Gleichzeitig gibt sie ehrliche Einblicke in die Realität der Musikbranche – insbesondere als Frau: vom Unterschätztwerden über Sexismus bis hin zu strukturellen Ungleichheiten, die sich bis heute durchziehen.

Außerdem geht es um den Balanceakt zwischen Öffentlichkeit und Privatleben, den Druck durch Social Media und die Frage, wie viel Persönliches in der eigenen Kunst stecken sollte. Mit Blick auf ihre neue EP „Music is Medicine“ spricht sie über die Botschaften hinter ihren Songs und darüber, welche Rolle Musik in einer Welt spielen kann, die oft von Unsicherheit geprägt ist.

Eine reflektierte, persönliche und super spannende Folge über Selbstbestimmung, kreative Freiheit und den Wunsch, die Musiklandschaft nachhaltig zu verändern. Reinhören lohnt sich!

Die Folge entstand im Rahmen unserer Medienpartnerschaft mit dem GERMAN HAUS bzw. dem German Music Export der Initiative Musik. Das GERMAN HAUS ist zentraler Treffpunkt für deutsche Musik-, Tech- und Kreativakteur*innen auf dem South by Southwest Festival in Austin, Texas. Es bringt Marken, Medien und Menschen zusammen und schafft eine Bühne für Austausch, Sichtbarkeit und neue Partnerschaften. Gefördert wird das GERMAN HAUS vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Die ganze Podcastfolge hörst du über einen Klick ins Titelbild oder eingebettet unten im Artikel und natürlich überall dort, wo es Podcasts gibt. Einen Ausschnitt aus dem Gespräch liest du hier.

Liebe KUOKO, welche Rolle hat Musik in deiner Kindheit und Jugend gespielt?

„Also ich komme nicht aus so einer klassischen Musiker*innenfamilie, aber Musik war auf jeden Fall immer wichtig. Ich habe einen vietnamesischen Vater und Karaoke war ein großes Ding in meiner Kindheit. Also gefühlt hatte jede vietnamesische Familie so eine Karaoke-Maschine (lacht). Bei Familienfeiern wurde die angeschmissen und irgendwann hatte man dann selbst ein Mikro in der Hand.

Ich fand Musik schon immer toll, aber wirklich an Bedeutung gewonnen hat sie für mich in meiner Jugend, als ich im Teenageralter angefangen habe, Gitarre zu spielen. Ich war super heartbroken und brauchte ein Ventil.

In der Zeit habe ich viel Gitarren-, Singer-Songwriter-Musik gehört, mir das dann auch selbst beigebracht und es als total empowering empfunden, mich auf diese Weise ausdrücken zu können. Damals war die Vorstellung, das beruflich zu machen, aber noch total unrealistisch für mich. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass das überhaupt ein Job sein kann.“

Nach dem Abitur bist du dann erst mal nach London – wo du letztlich in einem besetzten Haus gelandet bist. Wie kann man sich diese Zeit denn genau vorstellen? Und wie ist es überhaupt dazu gekommen?

„Ich bin mit einer Freundin hingegangen – ein bisschen naiv, muss man sagen. Wir hatten schon so die Vorstellung, dass es irgendwie cool sein könnte, in einem besetzten Haus zu landen, aber eher als Joke. Also wir haben nicht wirklich damit gerechnet.

Und dann ist es tatsächlich so gekommen. Ich glaube, das war für mich auch so ein Startpunkt in Richtung elektronische Musik. Da gab es natürlich Hauspartys, und ich habe London generell als super musikalisch erlebt. Wir haben im Osten gewohnt, wo einfach unglaublich viel kulturell passiert. Man konnte gefühlt in jeden Pub gehen und sich abends irgendwelche coolen Konzerte anschauen.

Das war auf jeden Fall eine sehr prägende Zeit. Ich habe dort auch erste Versuche gestartet. Eine Mitbewohnerin war Musikproduzentin, und wir haben ein bisschen zusammen ausprobiert. Da habe ich gemerkt: Es gibt ja noch mehr als akustische Musik – und ich habe Lust, eher in eine elektronische Richtung zu gehen.“

Woher kam dein Wunsch, selbst produzieren zu wollen? Wolltest du unabhängig sein?

„Genau. Ich hatte zuerst ein Projekt mit einem Produzenten zusammen, das hieß Parasite Single. Da war ich eher Sängerin und habe in dem Zuge gemerkt: Ich möchte nicht nur singen, ich möchte auch produzieren.

Daraufhin bin ich aus dem Projekt ausgestiegen und habe noch mal komplett neu angefangen. Ich habe mir das dann peu à peu selbst beigebracht und für eine Zeit alles andere stehen und liegen gelassen. Ich habe mein Studium abgebrochen, in einem Plattenladen gearbeitet und sehr viel Zeit investiert. Und dann gemerkt: ‚Das geht ja. Das kann man wirklich machen.‘“

Welche Rolle spielt Perfektionismus für dich? Steht er dir manchmal im Weg?

„Ich wünschte, ich könnte sagen, ich habe das überwunden, aber das stimmt nicht. Gerade wenn ich an eigenen Releases arbeite – so wie gerade – komme ich oft in so einen Tunnel. Das wird dann fast obsessiv.

Wenn man sich die Zeit nimmt, will man es auch bis zum Ende durchziehen und fängt an, an allem herumzuschrauben und es immer weiter zu perfektionieren. Ich glaube, ich bin auch einfach ein bisschen so veranlagt.“

Woran erkennst du denn, dass ein Song fertig ist? Oder anders: Was macht einen guten Song aus?

„Ich mache ziemlich viel Musik und schaue dann, mit welcher Idee ich wirklich etwas anfangen kann. Das entscheide ich danach, welche Songidee emotional etwas in mir auslöst. Das ist eigentlich mein wichtigster Wegweiser.

Und ich würde sagen, das ist generell das Wichtigste für mich in der Musik: Egal, welches Genre oder welche Stimmung – am Ende muss sich das Gefühl richtig anfühlen.“

Du bist eine Künstlerin mit ganzheitlichem Ansatz. Was gehört denn neben der Musikproduktion und dem Song an sich noch alles dazu?

„Die Visuals natürlich. Ich habe das Gefühl, ich kann gar nicht anders, als meine Musik auch visuell zu denken. Beim neuen Release, also der EP ‚Music is Medicine‘, habe ich mir zum Beispiel ein Farbschema überlegt. Ich bin immer wieder bei Rot gelandet und das hat bei mir kreativ total viel ausgelöst.

Ich habe dann auch im letzten Musikvideo mit roten Animationen gearbeitet. Und ich glaube, solche Entscheidungen – also zu sagen, ich nehme jetzt diese Farbe – helfen mir, sich in diesem riesigen Möglichkeitsraum einen Rahmen zu setzen. Und dann macht es einfach total Spaß, das weiter zu explorieren.“

Das kann ich total gut nachvollziehen. In einem Song steckt so viel Herzblut – da will man einfach alle kreativen Entscheidungen selbst treffen.

„Ja, voll. Ich habe irgendwann gemerkt: Ich kenne viele Leute, die richtig gut Animationen machen. Aber ich musste das irgendwie selbst für mich machen. Ich liebe Kollaborationen, aber das Zeichnen und Animieren ist einfach ein wichtiger Teil von mir.

Ich habe als Jugendliche auch viel Manga gezeichnet – das war immer irgendwie mein Ding. Ich war jetzt nicht das Kind, das im Unterricht alles vollkritzelt, aber ich hatte immer Lust, Dinge zu lernen und zu erforschen.

Und ich stehe total auf Animationen, weil es bewegte Bilder sind. Ich glaube, das ist auch das, was mich an Musikproduktion so interessiert: Musik ist ja auch Bewegung.“

Eine Sache, über die ich gerne noch sprechen würde, ist die Musikbranche an sich – vor allem aus der Perspektive einer Frau. In deinem Song „Crisis Queen“ beschreibst du sie ja als „mess“, also eher als etwas Chaotisches. Ist das eine Hassliebe?

„Die Musikindustrie ist per se super chaotisch – oder zumindest das Leben als Künstlerin darin. Man muss ständig auf Dinge reagieren, oft sehr kurzfristig. Leute fragen an, man muss spontan entscheiden – dadurch fehlt total die Struktur im Alltag. Allein durch die Freiberuflichkeit schon.

Was es zusätzlich schwierig macht – und das beschreibe ich ja auch im Song – sind die vielen Rollen, die man einnimmt. Selbst wenn man mit Management oder Booking-Agenturen arbeitet: Am Ende ist man immer die Person, die alles entscheidet. Das ist viel Verantwortung und kann sehr überfordernd sein.

Und dann leben wir ja auch in einer Zeit mit extrem vielen Online-Distractions. Das macht es noch schwerer, sich zu fokussieren und sich da durchzunavigieren.

Im Song nehme ich das auch ein bisschen auf die Schippe. Ich sage ja: ‚Ich habe nur zwei Hände, aber tue so, als hätte ich zehn.‘ Also dieses Gefühl, dass man oft so tut, als hätte man alles im Griff, um irgendwie durchzukommen. Aber es ist auch eine Kritik an der Musikindustrie.“

Ich kann mir vorstellen, dass auch Sexismus eine große Rolle spielt. Welche konkreten Erfahrungen hast du da als Musikerin gemacht?

„Puh, ja – da gibt es viele Antworten. Die Frage ist eher, wo ich anfange. Leider.

Grundsätzlich wird dir als FLINTA*-Person oft abgesprochen, dass du überhaupt in der Lage bist, Musik selbst zu produzieren – vor allem auf einem hohen technischen Level. Das merke ich zum Beispiel, wenn ich zu einer Venue komme und ein männlicher Kollege dabei ist: Der wird dann sofort als Producer wahrgenommen und entsprechend angesprochen.

Ich glaube nicht, dass männliche Artists nach einem Gig gefragt werden: ‚Hast du den Track wirklich selbst produziert?‘ Das ist oft als Kompliment gemeint, aber zeigt trotzdem, welches Bild dahintersteckt.

Oder wenn man nach Musikproduktion googelt: Selbst wenn FLINTA*-Personen gezeigt werden, sind das oft total gestellte, inszenierte Bilder – irgendwie unnatürlich, ‚sexy Frau mit Gitarre‘. Da merkt man, wie stark Klischees noch verankert sind.

Und dann haben wir natürlich auch eine Gender Pay Gap. Für die gleiche Leistung bekommt man als FLINTA*-Person oft weniger Geld. Bei Förderprogrammen oder Preisverleihungen sehe ich immer noch vor allem männliche Gesichter im Vordergrund. Und auch in den Charts sind Producerinnen extrem unterrepräsentiert.

Es gibt einfach unglaublich viele Ebenen, auf denen sich das zeigt. Ich kenne eigentlich keine Künstlerin, die damit keine Erfahrungen gemacht hat.“

Das hat wahrscheinlich auch viel mit einer wenig diversen Führungsebene zu tun?

„Absolut, total.“

Gibt es denn überhaupt Frauen, die in der Musikbranche wirklich Einfluss haben?

„Ja, auf jeden Fall. Mir fallen schon einige weibliche Führungskräfte ein. Die Musikindustrie ist ja ein riesiges Feld – es kommt immer darauf an, wo man hinschaut. Interessanterweise sehe ich FLINTA*-Führungskräfte oft bei Förderstellen, was ja auch irgendwie interessant ist.“

Lass uns über deine neue EP „Music is Medicine“ sprechen. Warum ist Musik für dich Medizin?

„Ich habe das Gefühl, wir leben in einer Zeit, in der Musik immer weniger Wert hat – einfach aufgrund der Vielzahl an Konsumgütern, die uns zur Verfügung stehen. Wir werden dauerbeschallt. Das macht natürlich etwas mit uns.

Mit dem Titel ‚Music is Medicine‘ will ich daran erinnern, wie wichtig Musik eigentlich ist. Für mich war sie schon in meiner Jugend unglaublich prägend. Ich weiß nicht, ob das übertrieben ist, aber vielleicht hat sie mir sogar das Leben gerettet. Sie war immer ein Anker, hat mir Halt und Identität gegeben und einen Raum, in den ich mich zurückziehen konnte.

Ich höre aktuell auch viele Künstler*innen sagen: ‚Es passiert so viel Schlimmes in der Welt, ich habe gar nicht mehr das Gefühl, meine Musik vermarkten zu wollen.‘ Das kann ich total nachvollziehen – diesen Gedanken hatte ich auch schon. Aber gerade jetzt brauchen wir Musik. Und wir brauchen Menschen, die einen diversen Hintergrund haben, die diese Musik machen und ihre Perspektiven teilen.

Gleichzeitig erleben wir ja auch eine Art Kultursterben. In der Branche merkt man das stark: Fördergelder werden gekürzt, KI nimmt Jobs weg, Clubs schließen und die Livebranche hat sich seit Corona stark verändert. Es gibt immer weniger Konzerte. Und die Konzerte, die es noch gibt, werden aufgrund der hohen Betriebskosten immer teurer. Begegnung wird zu einem Luxusgut – das darf nicht sein.

Musik ist nach wie vor extrem wichtig und förderungswürdig.“

Ist es dir wichtig, dass jeder Song eine klare Message hat?

„Ich glaube, viele Songs haben auch dann eine tiefe Message, wenn sie nicht so ‚in your face‘ sind. Und das ist mir auch wichtig.

Bei ‚Music is Medicine‘ habe ich bewusst versucht, weniger konzeptionell zu arbeiten und mehr aus der Intuition heraus. Ich wollte schauen, was passiert, wenn ich mich einfach von der Emotionalität leiten lasse.

Auf früheren Releases war das teilweise anders. Auf meinem ersten Album gab es zum Beispiel ‚Perfect Girl‘, einen sehr feministischen, empowernden Song. Oder ‚Yellow Fever Gaze‘, der sich mit antiasiatischem Rassismus beschäftigt. Auch auf meinem letzten Album waren viele gesellschaftskritische Themen dabei – etwa in ‚Loser‘, wo es ums Scheitern und den Umgang damit geht.

Die Songs auf ‚Music is Medicine‘ wirken vielleicht weniger politisch oder direkt, aber ich hoffe, dass sie trotzdem bedeutungsvoll sind. Mir war wichtig, auch Themen Raum zu geben, über die weniger gesprochen wird – zum Beispiel Freundschaftsabbrüche in ‚Friends Don’t Break Up‘.“

Lass uns auf den Song gerne genauer eingehen. Warum wolltest du über das Thema schreiben?

„Die Frage ist, ob ich mir das überhaupt so bewusst vorgenommen habe. Ich glaube eher nicht – das ist eher aus dem Moment heraus entstanden.

Ich habe das Gefühl, es gibt unfassbar viele Liebessongs, also Songs über romantische Beziehungen, aber sehr wenige, die sich mit Freundschaft beschäftigen. Mich hat dieser Unterschied beschäftigt: Bei romantischen Beziehungen gibt es oft so einen klaren Abschluss, wie ein Trennungsgespräch. Klar, wir leben auch in einer Zeit, in der viel geghostet wird, aber trotzdem gibt es oft irgendeine Form von Abschluss.

Bei Freundschaften ist das anders. Die enden oft leise und schleichend. Und das geht dann häufig mit dem Gefühl einher, dass man gar nicht richtig abschließen kann, weil man gar nicht genau weiß, was eigentlich passiert ist. Gleichzeitig baut sich mit der Zeit eine Distanz auf, und die Hürde, wieder aufeinander zuzugehen, wird immer größer.“

Wenn du an deine bisherigen Songs denkst: Gibt es einen, der einen ganz besonderen Platz in deinem Herzen hat?

„Es ist immer schön, wenn Leute auf mich zukommen und sagen, ein bestimmter Song hat sie berührt oder gibt ihnen Kraft. Das passiert oft bei ‚Loser‘.

Der Track hat zwar das Thema Scheitern, aber ich versuche, das auf eine humorvolle, leichtere Ebene zu bringen. Es ist ein eher sonniger House-Track mit fröhlichen Piano-Melodien. Und wenn Leute mir spiegeln, dass ihnen das etwas gibt, ist das natürlich total schön.

Persönliche Favorites habe ich aber auch: ‚Firework‘ hat einen besonderen Platz für mich, ‚All I Want‘ auch – und auf der neuen EP definitiv ‚Friends Don’t Break Up‘.“

Vor kurzem hast du „Miss You“ released. Der Song lässt viel Interpretationsspielraum, oder?

„Ja, total. (lacht) ‚Miss You‘ ist jetzt auch nicht der kreativste Titel – klingt erst mal wie so ein klassischer 08/15-‚I miss my ex‘-Song.

Aber ich wollte dem Ganzen einen Twist geben. Es geht nicht wirklich um eine konkrete Person, sondern eher um ein diffuses Gefühl von Sehnsucht. So eine Art inneres Vakuum, ein Vermissen, das man gar nicht genau greifen oder erklären kann.

Dieses Gefühl ist irgendwie immer da und hat fast etwas Verfolgendes. Und genau das habe ich versucht, auch musikalisch umzusetzen.“

Deine neue EP „Music is Medicine“ erscheint am 24. April 2026. Welche Themen erwarten uns noch? Kannst du schon spoilern?

„Genau, am 24. April kommt die EP, und am 23. April ist die Release-Party auf der Stubnitz in Hamburg, zusammen mit Josi Miller – darauf freue ich mich sehr. Die Leute, die da sind, erleben dann quasi eine kleine Überraschung, weil sie die restlichen Songs zum ersten Mal hören.

Der Titeltrack ‚Music is Medicine‘ fehlt auf jeden Fall noch. Darin beschreibe ich vor allem dieses Gefühl von Weltschmerz. Wir leben in einer Zeit, in der einfach sehr viel passiert, auch politisch, und das kann einen ganz schön überwältigen. Gleichzeitig versuche ich, den Song auf einer positiven Note enden zu lassen.

Schön ist auch, dass ich zum ersten Mal mit einem Chor gearbeitet habe, also mit Backing Vocals von anderen Künstler*innen. Zum Beispiel von Mulay aus Berlin, von Mojo Ray und von Wohin, der auch mein Studionachbar ist.

Ich fand es total schön, in dem Track auch andere Stimmen zu hören, weil das Thema so universell und verbindend ist. Musik gibt einem ja nicht nur individuell Halt, sondern verbindet auch – gerade in Räumen, in denen man sie gemeinsam erlebt, wie auf Konzerten oder halt in Kollaborationen.“

Du warst Mitte März gemeinsam mit dem GERMAN HAUS auf dem South by Southwest Festival in Austin, Texas. Wie hast du die Reise erlebt?

„Vor der Reise war ich erst mal excited – auch mit Blick darauf, wie es aktuell ist, in die USA zu reisen. Das war dann teilweise auch ein bisschen stressig, muss ich zugeben. Trotzdem finde ich nicht, dass man wegen politischer Spannungen komplett aufhören sollte, in die USA zu reisen.

Es ist natürlich ein Showcase-Festival, das heißt, es geht viel ums Netzwerken. Ich finde, das GERMAN HAUS hat da wirklich einen richtig guten Job gemacht. Die haben ein tolles Programm zusammengestellt, mit richtig starken Artists.

An dem Abend, an dem ich gespielt habe, waren zum Beispiel Rosa Anschütz und Modeselektor dabei, aber auch andere Acts wie Miss Bashful und JOPLYN waren am Start. Für ein Showcase war das auf jeden Fall eine sehr gute Erfahrung.“

Wie war die Audience? Nimmt man da Unterschiede zum deutschen Publikum wahr?

„Ich glaube, wie laut es an so einem Abend ist, hängt auch immer davon ab, wie viel Alkohol fließt. Aber ich würde schon sagen, dass Amerikaner*innen insgesamt ein bisschen lockerer und gesprächiger sind als Deutsche. Das führt dann natürlich auch zu mehr Lautstärke, aber eben auch zu mehr Stimmung.“

Würdest du dir wünschen, in Zukunft weiterhin international aufzutreten? Ist das ein Ziel von dir?

„Ja, total. Meine Musik passt, glaube ich, allein durch die englischen Texte und die elektronische Ausrichtung auch gut ins Ausland. Deshalb macht das für mich total Sinn – ob in den USA oder auch im Vereinigten Königreich, was ja auch ein sehr spannender Markt ist.“

Wenn wir schon beim Wünschen sind: Was wünschst du dir noch so für die Zukunft – vielleicht auch mit Blick auf die deutsche Musiklandschaft?

„Für den deutschen Musikmarkt wünsche ich mir auf jeden Fall mehr Diversität. Ich habe das Gefühl, bestimmte Genres werden viel stärker gepusht und sichtbar gemacht als andere.

Das, was ich mache – was man vielleicht als Electronic Pop bezeichnen könnte – ist ziemlich unterrepräsentiert. Auch englischsprachige Musik hat es gerade schwer in Deutschland, finde ich.

Ich sehe das auch bei anderen Artists: Manche treten weniger in Erscheinung oder releasen weniger, weil die Rahmenbedingungen schwierig sind. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, jedes Jahr poppt so ein neuer, schöner Boy auf, der schmalzige Liebeslieder auf Deutsch säuselt und das ist dann der neueste heiße Scheiß. Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Da wünsche ich mir definitiv mehr Sichtbarkeit und Support für FLINTA*-Artists.“

Ein großes Problem ist ja auch, dass immer weniger Menschen von ihrer Kunst leben können, oder?

„Ja, total. Ich habe in den letzten Jahren viel mit anderen Artists darüber gesprochen. Und selbst bei Leuten, bei denen man denkt, die sind ‚safe‘, merkt man, dass sie strugglen.

Wie gesagt: Die Förderstrukturen sind instabil geworden, es gibt weniger Mittel, und die Live-Industrie hat sich seit Corona stark verändert. Das wirkt sich alles ziemlich deutlich aus.“

Und mit Streams verdient man ja auch kaum Geld. Was würdest du denn Newcomer*innen zum Abschluss mitgeben wollen?

„Ich würde sagen: dranbleiben und geduldig sein. Geduld ist etwas, das man in der Musikindustrie wirklich lernen muss.

Und: Take up your space, know your worth. Das ist auch etwas, das viele erst mit der Zeit verstehen – bei mir war das ein langer Prozess. Früher hatte ich oft mit Imposter-Syndrom zu kämpfen und mich gefragt, ob ich gut genug bin.

Heute ist es eher andersherum: Ich weiß, was ich kann, und frage mich eher, inwieweit ich mich bestimmten Strukturen noch aussetzen möchte. Das ist für mich persönlich ein großer Entwicklungsschritt.

Und ich kann FLINTA*-Artists nur ermutigen, selbst zu produzieren und sich nicht von irgendwelchen Leuten entmutigen zu lassen, die sagen, man könne das nicht. Einfach machen.“

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