Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Wie gut kennst du deinen eigenen Körper und die Fakten zur Früherkennung? Wir schauen auf Zahlen, Daten und Erkenntnisse rund um die Brustgesundheit. Für mehr Wissen und echte Selbstbestimmung.
Wann hast du zuletzt deine Brust abgetastet? Ist es Teil deiner Routine? Oder gehört es eher zu einem dieser verdrängten Themen, die du mit einem unguten Gefühl im Bauch beiseite schiebst?
Falls Letzteres zutrifft: Es geht vielen so. Umso wichtiger ist es, dass wir immer wieder darüber sprechen. Unter Freund*innen. In der Familie. Und auch in der Öffentlichkeit, im Rahmen von Events, mit oder ohne großen Bühnenflächen.
Dass der Herbst jedes Jahr im Zeichen der Brustgesundheit steht, hatte in seinen Ursprüngen eher wenig mit empathischer Gesundheitsförderung zu tun. Doch dieser Monat gehört nicht Marketingbudgets oder Konzernen. Er gehört uns allen. Brustkrebs betrifft statistisch jede achte Frau im Laufe ihres Lebens. Es ist eine Realität, für die wir Räume brauchen, in denen Ängste, Fragen und der Austausch von Erfahrung Platz haben. Räume für echte Aufklärung, körperliche Selbstbestimmung und gegenseitige Solidarität.
Wie sich diese Räume anfühlen, habe ich besonders beim „Shine & Share“-Event des Buusenkollektivs im Survivors Home in Berlin erleben dürfen. Dort kamen Frauen mit ganz unterschiedlichen Geschichten zusammen, um über das zu sprechen, was medizinisch oft als „geheilt“ abgehakt wird, während die Seele noch wund ist: die Spuren nach der Operation.
Und dort traf ich auch zum ersten Mal Steff Rödl. Sie ist Brustkrebspatientin und Vorständin des Buusenkollektivs, und sie hat mich von Anfang an tief beeindruckt: mit ihrer kompromisslosen Entschlossenheit, sich mit aller Energie einzusetzen für Aufklärung und Selbstwirksamkeit einer jeden einzelnen Person – und gegen diesen verdammten Krebs.
Wir empfehlen dir dringend die neue Podcastfolge von Echt & Unzensiert, in der Steff Rödl mit unserem Host Tino Amaral darüber spricht, warum die Wahl der richtigen Klinik entscheidend sein kann, weshalb Betroffene nach der Akuttherapie häufig allein gelassen werden und was sich in der Brustkrebsversorgung dringend ändern muss. Außerdem gibt Steff wertvolle Tipps zur Früherkennung, erklärt, worauf wir beim Abtasten unserer Brüste achten sollten, und verrät, wie wir Menschen mit einer Krebsdiagnose am besten unterstützen können.
Als wir beim Shine & Share Event des Buusenkollektivs im vergangenen Jahr den Raum mit warmem Licht und Backsteinwänden betraten und unsere Plätze suchten, wurde es schnell ganz ruhig. Es fühlte sich nach Verbundenheit an. Sechs Frauen zeigten, was sonst verborgen bleibt: Sie erzählten ihre eigene Geschichte anhand ihrer Narben. In Anlehnung an Kintsugi, die japanische Kunst, Zerbrochenes mit Gold zu reparieren, waren manche Narben mit Glitzer nachgezeichnet.
„Warum wir unsere Narben zeigen? Weil sie bleiben. Weil sie uns verbinden. Weil sie Mut machen – und weil sie Teil von uns sind.“ – Das Buusenkollektiv, Shine & Share (2025)
Hier wurde spürbar: Narben sind keine Makel, die man nach der OP im Stillen verstecken muss. Sie sind sichtbare Zeugnisse von Überleben und Selbstbestimmung. Etwas später kam mir der Gedanke: Ich war dem Leben und der Bedeutung von Leben nie so nah wie in diesen Momenten mit diesen Frauen im Survivors Home.
Feministische Gesundheitspolitik bedeutet, sich die Deutungshoheit über die eigenen Körper zurückzuholen. Es bedeutet, Fragen zu stellen: Wie gut kenne ich meinen Körper? Warum fällt mir die eigene Vorsorge oft so schwer? Und wie fordern wir gemeinsam ein Gesundheitssystem ein, das Frauen und FLINTA* wirklich sieht?
Die Quellen:
Die Zahlen beziehen sich auf Frauen, so wie die amtliche Statistik sie erfasst. Brustkrebs betrifft alle Menschen mit Brustgewebe.
Jede achte Frau
Jede achte Frau, häufigste Krebserkrankung bei Frauen, 75.090 Neuerkrankungen (2023), 1 von 6 jünger als 50 Jahre: Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut
Alle 7 Minuten
Alle 7 Minuten, rund 206 am Tag: Eigene Berechnung aus 75.090 Neuerkrankungen (2023)
Überlebenschancen
88 % relative 5-Jahres-Überlebensrate (2021 bis 2023): Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut
Definition der relativen Überlebensrate: Krebsregister Rheinland-Pfalz, Überlebenszeitanalysen
Mammographie-Screening
52 % Teilnahme (2023), Mindestanforderung der EU-Leitlinien 70 %: Kooperationsgemeinschaft Mammographie, Jahresbericht
Evaluation 2023
8 von 10 Tumoren in frühen Stadien: Kooperationsgemeinschaft Mammographie, Jahresbericht Evaluation 2023, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
20 bis 30 % weniger Todesfälle: Studie im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz, Universität Münster u. a. (2025)
Versorgungsqualität
13 % der Brustkrebs-Operationen in nicht zertifizierten Kliniken, Anteile nach Bundesländern (2022): Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Krankenhaus-Report 2024, WIdO, G+G Wissenschaft 3/2024, AOK NordWest (Schleswig-Holstein)
Bis zu 23 % geringeres Sterberisiko in zertifizierten Brustkrebszentren: WiZen-Studie, Schoffer u. a., Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2024
Zertifizierte Brustkrebszentren: OncoMap der Deutschen Krebsgesellschaft
Vorsorge rettet Leben
Früh erkannter Brustkrebs ist in der Regel gut heilbar: Krebsinformationsdienst
Was das für Frauen bedeutet
Budgetierung der Früherkennung ab 2027: Bundesministerium für Gesundheit, GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, KBV, Auswirkungen des Gesetzes
Mammographie-Screening nicht ausdrücklich ausgenommen: Programmverantwortliche Ärzt*innen des Mammographie-Screenings (IGPVA), Deutscher LandFrauenverband
3,5 Mio. kurzfristige Termine: Berufsverband der Frauenärzt*innen (Hochrechnung)
+50 % Zuzahlungen: Bundesministerium für Gesundheit, FAQ zum Gesetz
Was dir zusteht
Früherkennung nach Alter: Krebsinformationsdienst, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Mammographie-Screening ab 45, Gelbe Liste, Intervall ab 45