Die Band Frida Gold wird die Inhalte des FFF Days am 11. Oktober, im Rahmen der ans Programm anschließenden Networking-Party, fühlbar machen. Alina Süggeler und Andi Weizel machen Musik, die nicht nur berührt, sondern Haltung zeigt – politisch, poetisch, persönlich.
Die Songs von Frida Gold schaffen Raum für Wut und Verletzlichkeit, für Selbstermächtigung und kollektives Fühlen. Mit ihrer EP „Morgenrot“ beginnt ein neues Kapitel, in dem es um Übergänge geht: vom Alleinsein zur Zugehörigkeit, von der Verzweiflung zur Hoffnung. Im Interview sprechen Alina und Andi über die politische Kraft von Popmusik und über die Erschöpfung, die insbesondere viele Frauen spüren – und wie aus dieser Müdigkeit Wut und eine Bewegung entstehen kann. Sie erzählen, warum Zwischenräume und Ambivalenzen zutiefst menschlich sind. Und was es braucht, um im Pop-Business radikal unabhängig zu bleiben – ohne sich selbst zu verlieren. Ein Gespräch über Verbindung als Haltung, Mut zur Klarheit – und Glimmermomente im Leben.
Alina: „Die aufklärerische Wirkung von Musik fühle ich auch. Popmusik kann eben durch ihr unprätentiöses Auftreten diesen direkten Zugang zu den Hörenden entwickeln, und somit Themen unserer Zeit platzieren, und Gefühlen einen Ort der Orientierung geben. Mir hat Musik Verbindung gezeigt. Verbindung mit mir durchs Musikmachen selbst und die daraus resultierende Verbindung mit anderen.“
Alina: „Das bewegt mich wiederum sehr. Diese Tränen der Entschlossenheit kenne ich gut. Sie sind im Entstehungsprozess geflossen, und tun es jetzt noch, wenn wir ihn live spielen. Ich wollte diesen Song schreiben, lange bevor er sich hat schreiben lassen. Ich habe monatelang Research betrieben, bin in mein eigenes Frausein eingetaucht, habe Kindheitserinnerungen an meine Mama wachgerufen, habe viel mit anderen Frauen gesprochen und mich letztendlich auf einer Konferenz wiedergefunden zum Thema Vergewaltigung als Kriegswaffe. Und ja, daraus resultierte unendliche Müdigkeit, aber noch stärkere Wut. Aber eben nicht diese Wut, die um sich schlägt, sondern die, die den Willen schärft.“
Alina: „Wut hat diesen negativen Anstrich. Gesellschaftlich gerade für uns Frauen. Sie hat aber doch in ihrer reinen Form den zerstörerischen Aspekt überhaupt nicht. Sie zeigt vor allem Grenzen an. Und das ist doch etwas, was wir dringend brauchen. Ein selbstdefiniertes, gesundes Gefühl für die eigenen Grenzen in unserm Frau- und Menschsein. Und nur da, wo Grenzen gehalten und respektiert werden, kann wirkliche Verbindung entstehen.“
Andi: „Wir sehen mittlerweile ganz eindeutig, wohin uns die patriarchalen Systeme gebracht haben. Es wäre an der Zeit, Weltordnung anders zu denken. Und das traue ich ehrlich gesagt gerade vor allem Frauen zu.“
Alina: „Feminismus bedeutet für mich: Sich selbst gehören. Platz einnehmen. Solidarisch sein.“
Andi: „Wir lassen immer mehr den Gedanken los, jemand anders könnte es für uns besser wissen als wir selbst. Jemand anders kann wichtige und gute Impulse haben, aber final ist wichtig, dass wir unserem Gefühl und unseren Überlegungen trauen. Und: Man bereut selten die Dinge, die man gemacht hat, aber immer das, was man nicht probiert hat.“
Alina: „Da, wo ich die Chance habe, öffentlich in Verbindung zu gehen, fühle ich mich gut und richtig, und verspüre den Wunsch, diese zu nutzen. Da, wo ich nicht wirklich weiß, mit wem ich’s zu tun hab und keine Verbindung steht, schüchtert mich Öffentlichkeit eher ein.“
Andi: „Wir waren umgeben von einem System, was uns zwar noch gehalten, aber nicht mehr getragen hat. Es war klar, entweder wir lösen uns von allem, was dieses System bedeutet, oder wir verlieren uns und den Kern. Wir sind nun vollumfänglich selbstständig, übernehmen Verantwortung für jeden Schritt, den wir mit Frida Gold machen, und verzichten von nun an darauf, im Außen die Ermächtigung zu suchen für das, was wir tun.“
Andi: „Am 19. September releasen wir nach 10 Jahren zum ersten Mal wieder ein zusammenhängendes Werk, die EP ,Morgenrot’. Sie ist der Anfang eines Zyklus, den wir ,Sonnenaufgang’ nennen. Im Januar 2026 gehen wir dann mit dieser EP auf Tour.“
Alina: „In den Zwischenräumen, in dem Uneindeutigen menscheln wir. Da bleibt Raum für Menschlichkeit. Da können wir wütend sein, und trotzdem Mitgefühl haben. Da ist echter Diskurs möglich, wir bleiben offen und können Verbindungen halten. Und ich spreche nicht davon, grundsätzlich nicht eine klare Haltung zu haben. Aber vorschnelle, extreme Meinung verhärtet und bringt uns im Miteinander nicht weiter.“
Alina: „Die letzten Bücher, die mich richtig tief bewegt haben, waren Juli Zeh Neujahr, Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells, Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara und Siri Hustvedts Was ich liebte. Ich liebe auch die neue Serie von Lena Dunham. Und Musik – sag du Andi …“
Andi: „Ich hab vor ein paar Wochen Brandi Carlile live gesehen, in einem intimeren Rahmen und das hat mich sehr bewegt. Tolle Musikerin, beeindruckende Frau.“
Alina: „Verbindung wird gerade irgendwie zum Thema des Interviews, oder ist vielleicht auch wirklich einfach Antrieb unseres Schaffens. Verbindung macht mich zuversichtlich. Da, wo ich mein Gegenüber spüren kann, sei es durch einen flüchtigen Augenkontakt, oder ernsthafte Auseinandersetzung, da glaube ich an die Chance, dass es gut ausgeht.“
Alina: „Die ganz kleinen, unbedeutenden, die erstmal keine Auswirkung auf etwas haben, und das auch nicht müssen, sind Schatten- / Lichtspiele für mich. Andi, für dich?“
Andi: „Lichteinfall aufs Wasser und der Geschmack von Pistazien-Eis.“
Alina und Andi: „Offenporig bleiben. Zuversichtlich sein. Grenzen aufzeigen und täglich Verbindung suchen.“